Negativ-Rekord im Norden

Rekord-Dürre in Niedersachsen: „Noch nie regnete es weniger“

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Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1881 regnete es im März in Niedersachsen weniger als im vergangenen Monat. Die trockenen Böden sorgen bei Landwirten für gemischte Gefühle.

Hannover – Der März 2025 schreibt in Niedersachsen und Bremen, aber auch in Schleswig-Holstein Wettergeschichte: Noch nie seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 fiel in diesen Regionen so wenig Regen, berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD). Und neben dem Trockenheitsrekord stellte der Monat gleich eine andere Bestmarke auf. Nur einmal gab es so viel Sonnenschein im Norden. Dieses Wetterphänomen ließ nicht nur die Waldbrandgefahr steigen, sondern hatte auch massive Auswirkungen auf die Bodenfeuchtigkeit.

Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn regnete es in Niedersachsen weniger als im vergangenen März. Die trockenen Böden sorgen bei Landwirten für gemischte Gefühle.

Frühjahrsdürre in Niedersachsen: Der trockenste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

So gut wie kein Regen, dafür Sonne satt – im März zeigte sich ein Wetter, das wir sonst eher aus dem Spätfrühling oder Sommer kennen: „Maßgeblich verantwortlich für die niederschlagsarme und sonnenscheinreiche Witterung waren ausgeprägte Hochdruckwetterlagen“, berichtete der DWD am Montag (31. März).

Im vergangenen März lag das Temperaturmittel bei 6,1 Grad Celsius und damit um 2,6 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990, nämlich 3,5 Grad. Auch die Sonne erreichte mit 223 Stunden fast einen neuen Rekord – nur 2022 schien sie seit Beginn der Aufzeichnungen mit 228 Stunden noch länger. Im Länderranking landete Niedersachsen im März 2025 mit Bremen somit auf Platz 1 der sonnigsten Regionen in Deutschland.

Extremes Wetter in Niedersachsen: Die beeindruckendsten Bilder

Sturm Norderney
Trifft viel Wind auf die niedersächsische Küste, kann es zu hohen Wellen kommen. © Imago
Sturmtief Nadia an der deutschen Nordseeküste
Dann kann es insbesondere auf den Nordseeinseln unruhig und ungemütlich werden. © Imago
Sturm Nordsee
Nimmt der Wind jedoch weiter Fahrt auf, drückt er das Meer ins Landesinnere. Es kommt zu einer Sturmflut. © Christine Höfelmeyer/Imago
Norderney Sturm Spaziergänger
Dann tritt das Wasser über die Befestigungen an den Stränden. Jeder Spaziergang könnte gefährlich werden. © Imago
Fähre Nordsee
Wenn die Fähren noch fahren, ist das Wetter jedoch noch nicht kritisch. © Imago
Schneesturm fegt mit 130 Km/h über Berg
Anders sieht da Sturm auf Niedersachsens Bergen aus. Da kann man schon einmal die Haltung verlieren. © Martin Dziadek/Imago
Schwere Gweitter Niedersachsen
Aber auch Gewitter mit seinen extremen Begleitphänomenen trifft Niedersachsen regelmäßig hart. © Roland Bock/Imago
Blitz Gewitter
Auf keinen Fall sollte man sich jetzt im Freien aufhalten © Roland Bock/Imago
Blitze Gewitter Niedersachsen
Blitzeinschläge können zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod führen. © Roland Bock/Imago
Niedersachsen, Hannover, Gewitter
Aber sie sind schön anzusehen. © Florian Petrow/Imago
Kräftige Gewitter und Unwetter im südlichen Niedersachsen
Während eines Gewitters kann es zu viel Hagel kommen. Das kann zu Glätte führen.  © Bernd Mrz/Imago
Kräftige Gewitter und Unwetter Niedersachsen
Plötzlicher Starkregen kann die Straße noch gefährlicher machen. © Bernd Mrz/Imago
Unwetter in Niedersachsen.
Und Sturmböen können dann auch geparkte Autos beschädigen. © Imago
Rotenburg an der Wümme
Fällt zu viel Regen in kurzer Zeit, kann es zu Hochwasser kommen © Silke Heyer/Imago
Nach sintflutartigen Regenfällen: Teich im Ortskern drohte überzulaufen
Dann sind auch die Kanalisationen überlastet. © Roland Bock/Imago
Einsatzkräfte des THW Ortsverband Friedrichsthal aus Saarbrücken im Hochwasser
In manchen Fällen helfen nur Sandsäcke gegen die Wassermassen. © Rainer Droese/Imago
Niedersachsen, Hannover, umgestürzter Baum auf überflutteter Straße
Wo keine sind, werden auch mal Straßen überflutet. © Imago
Der Fluss Ems tritt übers Ufer
So können ganze Landstriche Unterwasser gesetzt werden. © Imago
Kräftige Gewitter und Unwetter
Dann ist die Feuerwehr im Dauereinsatz © Imago
Überflutung Niedersachen
Manchmal kommt man nur noch mit schwerem Gerät durch die Straßen. © Imago
Kräftige Gewitter und Unwetter NDS
Denn es droht die Gefahr, einfach mit dem Auto in den Fluten stehen zu bleiben. © imago
Regenbogen ueber offenem Land
Doch das Wetter in Niedersachsen ist wechselhaft. Der Regen kann sich auch schnell wieder legen. © Martin Wagner/Imago
Traumhafter Sonnenaufgang in Niedersachsen
Dann kommt auch mal die Sonne raus. © Imago
Sonne über NDS
Zu viel Sonnenschein ist jedoch nicht gut für die Ernte. Es kommt zu trockenen Böden. © Imago
Malerischer Sonnenaufgang
Dann drohen Pflanzen einzugehen. Landwirte stehen dann vor Problemen. © Imago
Dürre NDS
Besonders in heißen Sommermonaten sind dann viele Felder von Dürre betroffen. © Martin Wagner/Imago
Landwirtschaft-Auf einem Acker
Die Ernte fällt schlechter aus, die Trockenheit ist schlecht für die Böden. © Martin Wagner/Imago

Rekord-Dürre in Niedersachsen: So trocken war der März noch nie

Doch auch bei den Negativrekorden führt der Norden: „Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn regnete es weniger als im vergangenen März“, so der DWD. Mit durchschnittlich nur 8 Litern Niederschlag pro Quadratmeter fuhr Niedersachsen einen neuen Minus-Rekord ein. Normalerweise liegt der Durchschnittswert bei etwa 55 Litern pro Quadratmeter. Damit war der Monat rund 85 Prozent trockener als üblich.

Das Problematische daran: „Die Entwicklung hat nicht erst im März angefangen. Bereits ab Mitte Februar gab es kaum noch Regen“, erklärt Andreas Walter vom Deutschen Wetterdienst (DWD) gegenüber IPPEN.MEDIA. Der Februar 2025 brachte bereits 50 Prozent weniger Niederschlag als üblich, mancherorts habe es zuletzt Anfang Februar geregnet, berichtet das Landvolk Niedersachsen.

Trockene Böden sorgen für gemischte Gefühle bei Landwirten

Zusätzlich, meldet die Landwirtschaftskammer Niedersachsachsen (LWK Niedersachsen), habe der starke Ostwind die obere Bodenschicht weiter ausgetrocknet. Die Trockenheit sorgt bei Landwirten für gemischte Gefühle. Zwar begünstigt diese die Pflege des Bodens und die Aussaat, jedoch fehlt Bodenfeuchtigkeit, um die Pflanzen wachsen zu lassen: „Der fehlende Niederschlag verhindert die optimale Aufnahme von Dünger durch die Pflanzen“, erklärt Thorsten Riggert, Vorsitzender des Ausschusses für pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk Niedersachsen.

Es herrsche außerdem seit drei Wochen Nachtfrost, sodass die Wintergerste bereits Stresssymptome zeige: „Den Feldern, die bereits grün waren, sieht man den fehlenden Niederschlag an.“

Bremen und Schleswig-Holstein: Der geringste Niederschlag seit Beginn der Aufzeichnungen 1881

Auch Bremen und Schleswig-Holstein verzeichneten laut dem DWD-Bericht Extremwerte: In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gehörte der vergangene März zu den trockensten seit Messreihenbeginn 1881, wie Andreas Walter bestätigt. „In Hamburg sind es bislang knappe 2 Liter Niederschlag. An einzelnen Stationen an der Nordsee sind es auch mal 14 Liter“. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel fallen im März im Norden rund 50 Liter Regen.

Die Karte zeigt: Im Norden Deutschlands besteht Ende März im Oberboden bis 25cm in vielen Gebieten eine extreme oder außergewöhnliche Dürre.

„Viel zu trocken für die Jahreszeit“: Weiter ausbleibender Regen würde Situation verschärfen

Die Trockenheit macht sich bereits bemerkbar: In den oberen Bodenschichten fehlen bis zu 20 Prozent der üblichen Feuchtigkeit – das zeigen auch die Karten des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung: „Es ist viel zu trocken für die Jahreszeit“, berichtet Andreas Marx, Leiter des Deutschen Dürremonitors und des Mitteldeutschen Klimabüros, im Gespräch.

Noch gebe es keine großen Schäden, da die Vegetation noch ganz am Anfang stehe. „Aber die Startbedingungen für die Landwirtschaft sind natürlich nicht ideal“, so Marx. Während tiefere Schichten noch gut versorgt seien, könnte sich die Situation jedoch verschärfen, wenn der Regen weiterhin ausbleibt: „Im Sommer hätte der Niederschlagsmangel schlimmere Folgen“, so der Klimaforscher. Aber Vorhersagen für den Sommer zu machen, sei einfach noch nicht möglich.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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