„Jetzt machen Sie was draus!“: Rotenburg erhält Zusage für 30 Millionen Euro Städtebauförderung

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Rotenburg hat die Zusage: Harald Ottmar (l.) überreicht Bürgermeister Torsten Oestmann die Unterlagen für das Förderprogramm.
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Jetzt ist es amtlich: Rotenburg hat am Montag offiziell den Bescheid für das Städtebauförderungsprogramm erhalten. 30 Millionen Euro von Bund und Land stehen damit in Aussicht, ein Drittel muss Rotenburg beisteuern. Was alles passiert, ist noch offen.

Rotenburg – Torsten Oestmann blättert ein wenig in dem Ordner herum. „Sieht ja sehr offiziell aus, viel Papier“, sagt er – und lacht. Für Rotenburgs Bürgermeister ist der Termin am Montagmittag im Rudolf-Schäfer-Haus ein sehr angenehmer, die Spitzen der Verwaltung und der Ratsfraktionen sind gekommen, Andreas Weber vor allem als Ex-Verwaltungschef ist dabei, Eike Holsten grüßt als CDU-Landtagsabgeordneter. Der Wichtigste im Raum aber ist Harald Ottmar. Der Dezernatsleiter vom Amt für Regionale Landesentwicklung in Lüneburg hat Oestmann soeben das überreicht, woraus die Kreisstadt Jahre hingearbeitet hat: die Zuwendungsbescheide für die Aufnahme ins Städtebauförderungsprogramm von Land und Bund. 30 Millionen Euro Fördergelder stehen damit in Aussicht. Ottmar: „Jetzt machen Sie was draus!“

350 Seiten Konzeptpapier

Rund 350 Seiten Konzeptpapiere hatte Rotenburg im Juni vergangenen Jahres eingereicht. 30 Jahre nach dem letzten großen Umbau der Innenstadt mit dem Kerngebiet der Fußgängerzonen will sich die Kreisstadt neu konzipieren und setzt dabei auf eine Zweidrittel-Finanzierung durch das Förderprogramm. Die steht jetzt. Kurz zusammengefasst sollen mit der Aufnahme ins Programm von Bund und Ländern zum Ersten im Bereich „Lebendige Zentren“ die Innenstadt mit den Niederungen von Wümme und Wiedau/Rodau sowie dem Altgelände der Rotenburger Werke und zum Zweiten die Rotenburger „Problembezirke“ im Bereich Auf dem Loh/Berliner Ring im Programm Sozialer Zusammenhalt“ aufgewertet werden. Rotenburg verpflichtet sich, ein Drittel der Kosten selbst zu tragen, also rund 15 Millionen Euro. Zuletzt flossen jährlich sieben bis zehn Millionen Euro aus der Stadtkasse in Investitionen. Ausgelegt ist das innerstädtische Investitionsprogramm auf einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren. Oestmann: „Im nächsten Jahr sollte man noch keine Baumaßnahmen erwarten.“

Kritischer Blick vom Bürgermeister: Stimmt alles?

Im Planungsausschuss der Stadt am vergangenen Donnerstag hatte die „BauBeCon Sanierungsträger GmbH“ Möglichkeiten vorgestellt, wie solch ein geförderter Sanierungsprozess funktionieren kann. Offiziell wurde in der vergangenen Woche noch theoretisch durchgespielt, was sein könnte – obwohl Politik und Verwaltung längst wussten, dass die Bescheide sicher sind. Bürgermeister Oestmann setzt darauf, dass die Stadt die Steuerung des Prozesses ausschreiben, also mit einem externen Berater zusammenarbeiten wird, der sich um das kümmert, was die Politik an einzelnen Schritten festlegen wird. Die eigene Verwaltung könne das nicht zusätzlich leisten. Tatsächlich war die Beratungsleistung in den Antragsunterlagen, von Oestmanns Vorgänger Weber unterzeichnet, bereits „eingepreist“. Was dann letztendlich aus den bisherigen Vorschlägen umgesetzt werden soll, muss nun erarbeitet werden. Jahr für Jahr müssen die entsprechenden Pläne den Förderbehörden vorgelegt werden, dann fließt das Geld. Viel Bürokratie, aber mit einem klaren Ziel: Die Stadt soll attraktiver und lebendiger werden, das Zusammenleben besser. Oestmann: „Es gibt einen Korb an Möglichkeiten, in den wir hineingreifen müssen.“

Fußgängerzone und Goethestraße ganz oben auf der Agenda

Ottmar bezeichnet es als einen besonderen Weg, den Rotenburg mit den zwei im Blickfeld stehenden Quartieren beschreitet. In aller Regel seien die Maßnahmen aus dem Städtebauförderungsprogramm viel kleinteiliger, dazu in der Summe längst nicht so teuer. Dadurch, dass man die Bereiche aber nicht für sich alleinstehend betrachte, ergäben sich auch viele Chancen. Das Förderprogramm sei ein Prozess der innerstädtischen Entwicklung, vieles von dem, was in 15 Jahren umgesetzt sein soll, habe man heute vielleicht noch gar nicht im Blick. Fließen die öffentlichen Gelder, kommen auch private Investoren und die Geschäftsleute mit ins Boot, hofft Oestmann. So könne man noch deutlich mehr erreichen.

Im Stadtrat werde am 15. Dezember das neue Verkehrsentwicklungskonzept für Rotenburg vorgestellt. Dies werde entscheidend sein für zwei Themen, die gleich zu Beginn bei dem städtischen Sanierungsprogramm zum Tragen kommen sollen: Braucht Rotenburg eine durchgängige Fußgängerzone mit mehr Parkraum am Rande? Und wie wird endlich die Goethestraße umgebaut? Auch die weitere Sanierung des Ronolulu spiele eine große Rolle. „Über allem steht das Miteinander der Menschen“, sagt Oestmann. Und eine Vision für eine schöne Innenstadt schwebe ihm schon lange vor: „Ich möchte auf dem autofreien Neuen Markt auf unversiegeltem Boden auf einer Bank unter einer Platane sitzen und einen Pastis trinken.“

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