VonMichael Krügerschließen
Der Kirchliche Gemeindeverbund in Rotenburg schließt sich dem breiten Bündnis „gegen Rassismus, Ausgrenzung und Hass“ an. Die FDP im Übrigen auch.
Rotenburg – Die Kirche in Rotenburg hat genug. Auch sie will sich einmischen und Präsenz zeigen, um sich den in den jüngsten Debatten um „Geheimtreffen“ mit AfD-Beteiligung, menschverachtende Migrationsaussagen und das Unwort des Jahres, „Remigration“, aufkommenden Themen entgegenzustellen. „Das steht alles im Widerspruch zu unseren christlichen Vorstellungen“, beteuert Hilmer Drögemüller als Sprecher des Kirchlichen Gemeindeverbunds in der Kreisstadt. Stadtkirchengemeinde, Michaelskirche und Auferstehungsgemeinde gehören dem an. Angesprochen seien aber alle Mitglieder, Christen und Unterstützer der Rotenburger Glaubensgemeinschaften: Am Samstag sollen sie sich der von einem breiten Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft angekündigten Demonstration „gegen Rassismus, Ausgrenzung und Hass“ anschließen – von 11 bis 13 Uhr mitten in der Fußgängerzone mit dem zentralen Ort auf der Geranienbrücke.
Laut Drögemüller ist die Kirche in Rotenburg oftmals politisch zu leise, weil sie niemandem richtig wehtun wolle. Aber jetzt müsse sie signalisieren, „dass eine Grenze überschritten ist“. Auch wenn man das in Rotenburg anders als in anderen Regionen Deutschlands nicht so stark merke: Auch hier müsse man „hoch vom Sofa“, „aufstehen“ und sich „klar positionieren“. Die Idee, das auf der Straße zu zeigen, sei bei einer Versammlung des Gemeindeverbunds am Montag entstanden. Als am Dienstag bekannt wurde, dass der Kreisverband der Grünen mit vielen Partnern bereits eine Protestveranstaltung angemeldet hatte, war die Beteiligung beschlossen.
Kirche soll nicht politisch sein? Doch! Ich will hier keinen Höcke haben.
Stadtkirchen-Pastor Walter Merz hält das für wichtig und will dabei sein, wenn sich die Gemeindemitglieder vom Kirchplatz aus am Samstag auf den Weg machen. Er verweist auf das Alte Testament als eine zentrale Glaubensgrundlage des Christentums – und dort stehe „Du sollst einen Fremdling nicht unterdrücken“ als Kernaussage. Kirche dürfe und müsse sich einmischen, auch wenn sie das in jüngerer Zeit vielleicht zu selten getan hat – weil sie mit eigenen Problemen beschäftigt gewesen sei. Nun sei es aber einfach notwendig. Drögemüller: „Wir freuen uns, wenn viele Christen aufstehen mit uns!“
FDP ist auch dabei
Auf dem offiziellen Flyer zur Demo, der durch die Sozialen Medien wandert, fehlt das Logo der FDP. Die Organisatoren des Grünen-Kreisverbands hatten in einer Mitteilung bedauert, dass die Liberalen „nicht auf unseren Aufruf reagiert“ haben. FDP-Kreisvorsitzender Jan-Christoph Oetjen spricht indes von einem Kommunikationsproblem. Natürlich sei man dabei: „Die Grünen haben uns kurzfristig eingeladen, teilzunehmen, und die Einladung an unsere Mitglieder weiterzuleiten. Das haben wir getan. Es gab keine Anfrage, als Mitorganisator aufzutreten, und ich bin etwas irritiert, dass nun gesagt wurde, es werde nicht reagiert. Bei dem Thema darf es keine Divergenz zwischen den Demokraten geben, und die FDP steht ohne Zweifel gegen Rechtsextremismus.“
