Es sind viele Helfer im Einsatz und einige agieren im Hintergrund - zum Beispiel, um den Helfern zu helfen. Auch sie sind wichtig.
Rotenburg – „Erstmal den Papierkram“: Sven Wunderlich reicht der Reporterin einen Zettel auf dem sie ihren Namen, Geburtsjahr und den aktuellen Wohnort angeben soll. Ich muss über das Deutsche Rote Kreuz (DRK) versichert werden, für meinen Einsatz heute.
Das DRK stellt in der Rotenburger Feuerwehrzentrale Essen und Getränke bereit, für all jene die im unermüdlichen Einsatz gegen das Hochwasser Schicht um Schicht fahren, an Weihnachten, an ihren freien Tagen. Auch beim DRK sind Ehrenamtliche im Einsatz, und sie können Hilfe gebrauchen. Also bin ich hier, spontan, helfe so gut ich kann. Meine Aufgaben sind einfach, Geschirr tragen, spülen und insgesamt dafür sorgen, dass bei der Essensausgabe alles rund läuft. Unten in der Halle ist auf den Tischen das Frühstück längst aufgebaut, schon seit sieben Uhr morgens gibt es Brötchen, Kaffee, Schokolade, Tee und alles, was die Helfer sonst so senkrecht hält.
Seit Tagen sind alle Beteiligten im Einsatz
Feuerwehren und Technisches Hilfswerk (THW) sind in Schichten schon seit Freitag im Einsatz, pumpen Keller aus, stapeln Sandsäcke, helfen Anwohnern. Der ständig fallende Regen lässt das Ganze zum Kampf gegen Windmühlen werden. Die Pegel steigen beständig, und niemand rechnet mit einem baldigen Einsatzende. Dabei sehen die Gestalten, die da in die Halle kommen, schon ziemlich geschafft aus. Lange Schichten, kurze Nächte, viele waren nur kurz oder auch gar nicht zu Hause.
Die Augen sind klein, aber die Stimmung ist, trotz der spürbaren Erschöpfung, noch gut. Es wird sich begrüßt, gewitzelt und zur Aufmunterung auf blaue Flecken am Himmel verwiesen. Den Wetterbericht will lieber niemand sehen, der nämlich sagt weiteren Dauerregen für die ganze Woche voraus, mindestens bis Neujahr. „Wir rechnen hier nicht mit Entspannung vor dem 27.“, sagt Sven Wunderlich, der gerade seinen Urlaub als Gruppenleiter des DRK verbringt und sich darum bemüht die Schichten vollzubekommen.
Auch während der Feiertage werden die Helfer benötigt
Doch über die Feiertage ist das nicht so einfach, die einen sind bei der Familie weiter weg, andere müssen auf der Arbeit die Stellung halten. Aktuell helfen Kolleginnen aus Bremervörde mit aus, aber die können jederzeit abberufen werden, wenn bei ihnen oben im Norden des Kreises ebenfalls Verpflegung angefordert wird. „Später bekommen wir noch Unterstützung aus Wesermünde.“ Anders als für Feuerwehr und THW müssen Arbeitgeber in Niedersachsen die Helfer des DRK nicht freistellen, da kommt es also dieser Tage auf jede Menge Kulanz an.
Ich trage derweil frische Kaffeebecher runter, hole Wasser für die Kaffeemaschine, decke Tische neu und versuche, mich nützlich zu machen. Viele Frühstücke werden nicht verteilt. Viele der Ankommenden sind zu müde, um noch etwas zu essen, hatten eine kurze Auszeit zu Hause oder haben es schlicht zu eilig. Sie springen rein, schnappen sich Wasser und Softdrinks, ein paar Snacks und los sind sie, weiter zum nächsten Einsatz.
„Irgendwann bist du so nass, da ist alles egal. Wenn du reinfällst, es macht keinen Unterschied mehr“, erklärt ein junger Feuerwehrmann, der gerade nach ein paar Stunden Schlaf wieder antritt, um weiterzumachen. Nach dem Frühstück einmal schnell durchputzen, alles zur Seite, Wasser marsch, praktisch so ein Feuerwehrschlauch, durchwischen und wieder aufbauen. Chili con Carne erwartet die Hungrigen. Ich bin um 12 Uhr nach drei Stunden erst mal fertig. Für die nächsten Schichten sind sie hier gut besetzt. „Wir halten hier durch“, erklärt Sven Wunderlich. „Geht ja auch gar nicht anders.“ Ein weiterer langer Tag erwartet die Helfer und eine weitere sehr lange Nacht. Dauereinsatz gegen das Hochwasser.
