VonMatthias Röhrsschließen
Michael Krügerschließen
- Die Einsatzkräfte sind seit Tagen im Dienst. Viele Menschen äußern sich solidarisch.
- Abwasserkanäle in Rotenburg sind laut Bürgermeister „erschöpft“. Böden können kein Wasser mehr aufnehmen.
- Stadtspeicher und Wohngebiete in Rotenburg gesichert.
Update 26. Dezember, 15.50 Uhr: Es deutet sich so etwas wie eine leichte Entspannung der Hochwassersituation in der Region an. Die Pegelstände gehen langsam zurück - allerdings müssen die Wassermassen noch abfließen. „Der Druck durch aufsteigendes Grundwasser ist nach wie vor vorhanden und wird uns auch die nächsten Tage beschäftigen“, sagt Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann. Keller laufen weiter voll.
Hochwasser in Norddeutschland – Die Bilder der extremen Wetterlage




Die großen Einsatzbereiche in der Kreisstadt scheinen vorerst gesichert. Am späten Montagabend ist es den Einsatzkräften gelungen, mit „Big Packs“ die Mauer am Stadtstreek so zu stützen, dass sie nicht einbricht und das Speichergelände mit den denkmalgeschützten Häusern unter Wasser setzt. „An der Ecke Magdeburger Ring / Brockmanns Wiesenweg allerdings steigt nach Abzug der Pumpen der Pegel leicht an, sodass wir dort eventuell wieder Pumpen einsetzen müssen. Wir kontrollieren alle neuralgischen Punkte im Stadtgebiet und sind bei Erfordernis sofort handlungsfähig, Sandsäcke liegen weiterhin gefüllt bereit“, so Oestmann. Am Montagabend wurde auch ein Serverraum in einem Keller des Ratsgymnasiums mit Gräben, Sand und Folie gesichert. Die Kreisverwaltung hat allein beim Landkreis Lüneburg noch 50.000 Sandsäcke geordert, die als Reserve auf die Kommunen verteilt werden. Mindestens drei weitere Tage, sagt Oestmann, müsse man die Innenstadt vor den Wassermassen schützen. Alles, was jetzt noch an Wasser auf den Wiesen im oberen Verlauf der Wümme steht, muss Richtung Weser abfließen. Und damit mitten durch Rotenburg.
Schaulustige stören Einsatzkräfte
Betroffen sind natürlich auch die anderen Kommunen der Region, auch wenn sich die Lage dort nicht so dramatisch zu zuspitzt. In Fintel ist zum Beispiel besonders das Gebiet um den Eurostrand gefährdet. 6.000 Sandsäcke wurden dort und in Lauenbrück verteilt. „Würde das Wasser weiter steigen, hätten wir ein Riesenproblem“, sagt Lauenbrücks Bürgermeister Jochen Intelmann. „Alles, was südlich der Fintau liegt, steht dann unter Wasser“, weiß Gemeindebrandmeister Klaus Intelmann. „Problematisch ist, dass in diesem Jahr die Wümme das Wasser der Fintau nicht so schnell aufnimmt, weil die Wümme schon von den Regenfällen seit September einen eigenen, hohen Wasserstand hat“, erklärt Jochen Intelmann ein weiteres Detail. Das Grundwasser befinde im Ort an einigen Stellen lediglich 50 Zentimeter unterhalb der Oberfläche. Aus Visselhövede, Scheeßel oder Sottrum sind ähnliche Meldungen zu vernehmen. Die Pressesprecher der Ortsfeuerwehren kommen gar nicht nach, „Wasserstandsmeldungen“ abzugeben.
Die unzähligen Einsätze führen die Rettungskräfte an den Rand der Erschöpfung. Manchmal darüber hinaus. Einsatzleiter berichten von Schaulustigen wie am Rotenburger Stadtspeicher, die die Helfer behindern. Ungeachtet dessen betonen alle Seiten, wie stark der Zusammenhalt ist. Die DRK-Kreisbereitschaft verpflegt die Helfer, Firmen spendieren was, über den Polizei-Notruf fragen Bürger, wo sie Kuchen abliefern können. „Zur jetzigen Weihnachtszeit dürfen bei der Verpflegung dann auch keine Schokoladen-Weihnachtsmänner fehlen, wenn die Einsatzkräfte schon nicht bei ihren Familien sein können“, teilt Kreisfeuerwehrsprecher Jonas Hermonies mit.
Wenn man Hilfe braucht
Zehntausende Sandsäcke sind in den vergangenen Tagen gefüllt worden. Sie werden gebraucht. Auch bei Privathaushalten. Vollgelaufene Keller sind angesichts der akuten Hochwasserlage in vielen Kommunen keine Seltenheit. Daher bitten die Einsatzkräfte darum, von persönlichen Anfragen abzusehen. Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann: „Sollten Sie Wasser im Keller haben oder Bedrohung durch Oberflächenwasser, wenden Sie sich über 112 an die Feuerwehr. Sie wird die Lage bei Ihnen vor Ort beurteilen und dann über alles Weitere entscheiden. Wir geben nach wie vor keine Sandsäcke ab.“
Update 25. Dezember, 15.40 Uhr: Während die Einsatzkräfte unermüdlich im Einsatz sind, Keller leerpumpen und Häuser sichern, tagen die Krisenstäbe. Der Satz, der die aktuelle Situation am deutlichsten macht, stammt von Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann: „Alle unsere Befürchtungen sind leider wahr geworden.“ Derzeit hat sich neben der Sicherung des Wohngebiets am Magdeburger Ring/Brockmanns Wiesenweg, wo das THW unermüdlich pumpt, der Stadtspeicher zum zweiten Einsatzschwerpunkt entwickelt.
Seit den Mittagsstunden wurde das Gelände von der Feuerwehr gegen das aus dem Stadtstreek drückende Wasser gesichert. Mittlerweile droht allerdings die Mauer einzubrechen. Es wurden sogenannte Big Bags geordert, die den Gegendruck erzeugen sollen. Zudem wurden 30.000 weitere Sandsäcke bestellt. Oestmann: „Wir kommen sonst überhaupt nicht klar.“ Die Innenstadt ist weiträumig abgesperrt.
Update 25. Dezember, 13.40 Uhr: Die Stadt Rotenburg erwartet einen „temporären Höhepunkt“ des Hochwassers am Abend. Das hat Bürgermeister Torsten Oestmann über seine Social-Media-Kanäle mitgeteilt. „Auch wenn es derzeit nicht stark regnet, müssen wir ein Ansteigen der Pegel feststellen. Grund hierfür sind die starken Regenfälle in den letzten Tagen östlich von uns, die uns jetzt mit den Fließgewässern erreichen.“
Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt laut dem Bürgermeister nach wie vor am Magdeburger Ring. Die Lage habe sich aber stabilisiert. Im Laufe des Heute soll dort durch das THW Stelle-Winsen eine Hochleistungspumpe in Betrieb genommen werden, die bis zu 5.000 Liter in der Minute bewegen können soll. Zudem drücke weiterhin Grundwasser in Keller. „Diese Einsätze werden von der Feuerwehr wie gehabt sondiert und bei Erfordernis mit Pumpeneinsatz abgearbeitet“, so Oestmann.
Update 25. Dezember, 12.55 Uhr: Derweil schätzt die Feuerwehr in der Samtgemeinde Sottrum die Lage aktuell als stabil ein. Das teilt ein Sprecher mit, nachdem der stellvertretende Gemeindebrandmeister vorsorglich kritische Stellen und Objekt kontrolliert hat. Seitens der Feuerwehr sei man für etwaige weitere Einsätze gut vorbereitet, heißt es weiter.
Die Sottrumer Kameraden hatten ebenfalls mehrere Einsätze, um vollgelaufene Keller und Grundstücke abzupumpen. So mussten sie in der Nacht auf Montag zum Beispiel mehrere Stunden in Ahausen ran. Des Öfteren musste man Sandsäcke nutzen, um Wohnhäuser vor dem Eindringen von Wasser zu schätzen - etwa in Sottrum an der Feldstraße.
Update 25. Dezember, 11.45 Uhr: In der Gemeinde Scheeßel ist unterdessen die Ortsfeuerwehr Jeersdorf gefordert. Erst am Morgen des ersten Weihnachtstages musste sie ausrücken, um ein losgerissenes Floß zu bergen. Es hatte sich in einem Wehr verkeilt und drohte, in eben dieses hineingezogen zu werden. „Problematisch an diesem Einsatz: der Platz um an das Floß heranzukommen war sehr begrenzt. Letztlich konnten Leinen befestigt und das Floß aus der Gefahrenzone gezogen werden“, berichtet die Gemeindefeuerwehr. Direkt im Anschluss ging es weiter zum nächsten Wehr, da dort ein Ast auf eine Fernwärmeleitung gefallen war.
Update 25. Dezember, 11.15 Uhr: Ganz im Süden des Landkreises, in Visselhövede, kämpft die Feuerwehr ebenfalls gegen das Wasser an. Schon vor dem Weihnachtsfest hatte sie mehrere Einsätze zu verzeichnen, die auf Kosten des Sturmtiefs „Zoltan“ gehen. Doch auch über die Feiertage musste man an mehreren Stellen im Stadtgebiet Wasser abpumpen.
Am Sonntagmorgen rückte die Ortsfeuerwehr Visselhövede gegen 10 Uhr aus, um etwa 30 Zentimeter tiefes Wasser aus einem Stall an der Straße Stölpenhof zu pumpen. „Wasser von den Feldern hatte sich am geländemäßig tieferen Punkt auf dem Grundstück angesammelt und stand nun flächendeckend in dem Schuppen- und Stallgebäude“, so ein Sprecher der Brandschützer.
In der vergangenen Nacht musste die Feuerwehr erneut ausrücken. Gegen 23.30 Uhr musste sie bei einem Mehrfamilienhaus an der Gerhart-Hauptmann-Straße Wasser aus einem Keller abpumpen. Neben der Ausleuchtung und Absicherung der Einsatzstelle kamen die Tauchpumpe vom Löschfahrzeug im überfluteten Garten zum Einsatz.
Update 25. Dezember, 9.20 Uhr: Vielerorts laufen die Keller mit Wasser voll, Hausbewohner sichern die Gegenstände darin, stellen sie auf hohe Regale oder bringen sie in höhere Stockwerke. In der vergangenen Nacht war unter anderem die Feuerwehr in Sottrum unterwegs: „Erneut mussten wir ein Wohnhaus sichern, das vor dem Eindringen der Wassermassen bedroht war“, berichtet sie. Niemand ist vor dem Wasser gefeit. Die Feuerwehren der Samtgemeinde Bothel mussten an Heiligabend zum Beispiel zum Rathaus ausrücken, um dessen Keller auszupumpen.
„Zahlreiche Einsatzstellen konnten wir bereits abarbeiten, eine Beruhigung der Lage und somit ein Ende für uns ist aktuell noch nicht absehbar“, teilt hingegen die Führung der Freiwilligen Feuerwehr Rotenburg in der Nacht auf Montag mit. Derweil erfahren die Rettungskräfte vielerorts von den Bürgerinnen und Bürgern Solidarität und Dank.
Update 24. Dezember, 18 Uhr: Von einem ruhigen Heiligabend kann aufgrund des Hochwassers vielerorts im Landkreis Rotenburg nach wie vor keine Rede sein. In Rotenburg selbst konzentrieren sich am Sonntagnachmittag viele Bemühungen auf den Westen der Stadt. Insbesondere am Magdeburger Ring versuchen die Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks, das Wohngebiet vor dem Wasser zu schützen. Dabei helfen laut Bürgermeister Torsten Oestmann auch Landwirte mit Güllepumpen mit. Der Bereich rund um den Berliner Ring ist für den Verkehr gesperrt. Am Bauhof sind Wehren aus dem Umland eingesetzt, um weitere Sandsäcke zu füllen.
Im Nordkreis ist die Feuerwehr ebenfalls im Dauereinsatz. So berichtet ein Sprecher aus der Samtgemeinde Zeven von mehreren Einsätzen am Sonntag in Brauel und Weertzen, bei denen Häuser mit Sandsäcken vor den Fluten der Oste geschützt werden müssen.
Update 24. Dezember, 15.30 Uhr: Immer wieder fährt die Feuerwehr zwar Einsätze, aber die Hochwasserlage im Südkreis Rotenburg scheint derzeit den Umständen entsprechend entspannt zu sein. An ein entspanntes Weihnachtsfest in diesem Jahr glaubt allerdings wohl keiner mehr: Über die Mittagszeit hat der Krisenstab der Stadt Rotenburg getagt, um nach dem großen Einsatz am Ronolulu in der vergangenen Nacht neu zu beraten.
Aktuell bereitet man sich auf das Kommende vor. „Leider entwickelt sich die Situation nicht zum Positiven“, so Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann via Facebook. Auch Sottrums Samtgemeinde-Bürgermeister Holger Bahrenburg spricht bei Instagram von einer „angespannten Lage“. Laut Oestmann können die Böden in der Kreisstadt kein Wasser mehr aufnehmen, das Grundwasser drücke stark nach oben. „Hinzu kommt, dass für die nächsten Stunden ein Ansteigen der Pegel prognostiziert ist.“ Erste Straßen sind gesperrt.
Aus fast allen Kommunen, die an der Wümme liegen, gibt es Berichte von vollgelaufenen Kellern. In Rotenburg ist, so der Bürgermeister, mittlerweile die Aufnahmekapazität des Kanalsystems erschöpft, sodass Wasser auch durch die Kanalisation nach oben gedrückt wird. Er erwartet, dass noch mehr Keller unter Wasser stehen werden und fordert die Bevölkerung auf, bei kleineren Mengen selbst zum Wischmopp zu greifen. Überall sind die Einsatzkräfte derzeit dabei, Sandsäcke zu füllen.
Originalmeldung vom 23. Dezember: Das Hochwasser hat nun Teile des Rotenburger Stadtgebietes erreicht. Erste Überflutungen durch das Sturmtief „Zoltan“ gibt es aktuell im Bereich der Innenstadt, wo bereits am Nachmittag das Wasser des Stadtstreeks relativ hoch an der Wasserschutzmauer bei der Tafel-Ausgabestelle stand. Jetzt kriege man überlaufendes Wasser dort nicht mehr abgesenkt und mache sich daran, die Gebäude mit Sandsäcken abzusichern. Das berichtet Bürgermeister Torsten Oestmann am Abend gegenüber der Kreiszeitung. Insbesondere ältere Gebäude könnten von Überflutungen in dem Bereich betroffen werden.
Das große Problem: Der Grundwasserpegel steigt an und drückt von unten. Besonders groß ist das Problem derzeit am Ronolulu, wo derzeit ein größerer Feuerwehreinsatz läuft. Hier drückt das Wasser sozusagen von unten gegen die Schwimmbecken, so Stadtwerke-Chef Volker Meyer. Die Stadtwerke sind Eigentümerin des Erlebnisbades.
Die Schwimmbecken im Hallenbad werden jetzt mit Wasser aus der Wümme geflutet, um dem Druck von unten entgegenzuwirken. Das Hallenbad ist aktuell wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. 160 Einsatzkräfte aus Rotenburg und mehreren umliegenden Gemeinden helfen seit 20 Uhr in Rotenburg mit. Die Stimmung ist aber entspannt.
Schon seit einigen Tagen laufen erste Vorsichtsmaßnahmen gegen Überflutungen in Rotenburg. Seit Freitag laufen die Vorbereitungen zur Gefahrenabwehr. Am Samstagmittag hat es außerdem eine Lagebesprechung mit Stadt, Polizei, Technischem Hilfswerk, DLRG und Feuerwehr gegeben. Zu dem Zeitpunkt waren bereits 3.000 Sandsäcke befüllt. 20.000 Säcke liegen den Angaben zufolge als Reserve bereit.
Zudem versucht man, so gut wie möglich das Flutgeschehen in Rotenburg vorauszusehen. Das scheint allerdings nicht ganz einfach zu sein, da es dem Vernehmen zufolge „keine vernünftigen Pegelstände“ gibt.
Rubriklistenbild: © Krisenstab Stadt Rotenburg









