VonHolger Heitmannschließen
Wenn Landwirt Volker Emshoff aus Unterstedt auf die Aktionswoche der Bauern zurückschaut, sagt er fast entschuldigend: „Unsere Stärke sind die Trecker, wir wollten aber auf den Straßen niemanden ärgern, einige Bürger haben bestimmt gelitten.“ Auch deshalb laden Landwirte aus Ortschaften wie Hassel, Waffensen und eben Unterstedt für den 21. Januar ab 14 Uhr zu einem Mahnfeuer auf den Buschhof von Christoph Schröder an der Knickchaussee nach Rotenburg ein, um mit der Bevölkerung in „einen sachlich-fachlichen Austausch“ zu kommen.
Rotenburg - In der Kreisstadt kämen manche Menschen wenig mit Landwirtschaft in Berührung, vermutet Emshoff, auch wenn die Region ja ländlich geprägt sei. Bei Bratwurst und Apfelpunsch wollen die Bauern am Sonntag an wärmenden Feuerkörben und -tonnen von ihren Problemen berichten, Fragen beantworten und einfach mit Bürgerinnen und Bürgern zusammenkommen. Es seien Parkplätze vorhanden, Besucher könnten ihre Kinder mitbringen.
Intern hätten die Landwirte durch die Proteste der vergangenen Tage ihren Zusammenhalt und ihre Einigkeit gestärkt, so Emshoffs Fazit, und auch darüber hinaus die Unterstützung zum Beispiel von Handwerkern und Spediteuren erhalten. In der Öffentlichkeit spüre er nun auch mehr Bewusstsein und Wertschätzung.
„40 Prozent meiner Arbeitszeit verbringe ich mittlerweile am Schreibtisch.“
Von der Politik seien aber noch nicht genug Reaktionen, geschweige denn Ergebnisse gekommen. Auch darum wollen die Landwirte über ihre Aktionswoche hinaus noch mehr Aufmerksamkeit für ihre Themen erhalten. Emshoff etwa gehe es vor allem um Bürokratieabbau. „40 Prozent meiner Arbeitszeit verbringe ich mittlerweile am Schreibtisch, obwohl ich lieber draußen bin.“
Emshoff meint, gerade die jüngeren Bäuerinnen und Bauern, die Zukunftsängste hätten, bräuchten so etwas wie einen Silberstreif am Horizont. Er, der sich selbst als Berufsoptimist bezeichnet, habe Hoffnung, dass sich an den Arbeitsbedingungen etwas verbessern kann.
Der Unterstedter sei in verschiedenen Bauernverbänden vertreten, das „Aufklärungsfeuer“ am Sonntag, wie die Veranstalter ihre Aktion nennen, habe aber keine Organisation im Hintergrund, sei durch einen losen Zusammenschluss von Landwirten und Landfrauen entstanden. „Streiken können wir nicht, da würden die Kühe nicht mitmachen“, scherzt Emshoff.
