VonMichael Krügerschließen
Rotenburgs Landrat Marco Prietz rückt ins Präsidium des Niedersächsischen Landkreistags. Er wird damit einer der wichtigsten Vertreter der kommunalen Verwaltungen in Hannover. Der nächste Schritt des 35-jährigen CDU-Mitglieds auf der Karriereleiter Richtung großer Politik?
Rotenburg – Marco Prietz schaut nach Hannover. Die erste Amtszeit des Rotenburger Landrats ist noch nicht einmal halb herum, da macht sich der 35-jährige CDU-Politiker aus Bremervörde Richtung Landespolitik auf. Um denen, die ihm von Beginn an Ambitionen auf höhere Ämter nachsagen, schnell den Wind aus den Segeln zu nehmen, betont Prietz: Er geht diesen Schritt als Landrat. Am Donnerstag leitet er vormittags die elfte Kreistagssitzung seit Amtsantritt im November 2021 im Rotenburger Kreishaus, wenige Stunden später wählt ihn die Landkreisversammlung des Niedersächsischen Landkreistags (NLT) in Peine einstimmig zum Vizepräsidenten. Am 1. Juli tritt er das Amt an, und schon jetzt steht fest, dass er im Oktober befördert wird: Dann wird Prietz als Präsident ganz an die Spitze der Vereinigung wechseln. „Eine große Ehre für mich“, sagt Prietz. Und durchaus eine Chance für die Interessen seiner Heimat im Landkreis Rotenburg.
Ein Arbeitstag pro Woche
Der NLT ist neben dem Städtetag sowie Städte- und Gemeindebund einer der drei kommunalen Spitzenverbände in Niedersachsen und vertritt die 36 Kreise sowie die Region Hannover. Der NLT stehe „zwischen Rathäusern und dem Land“, sagt Prietz. Bislang war Rotenburg im Präsidium der vier Regionen Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Weser-Ems gar nicht vertreten. Präsident des NLT ist Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD), sein Stellvertreter Cord Bockhop (CDU) aus Diepholz. Turnusgemäß hätten sie im Oktober die Positionen gewechselt, doch Bockhop gibt seine politischen Ämter auf und wird Vorsitzender des Sparkassenverbandes Niedersachsen. Prietz’ Nominierung durch die CDU-Vertreter im NLT sichert ihm also hier einen schnellen Aufstieg.
Ich habe immer gesagt, dass ich 2026 wieder als Landratskandidat antreten werde.
Einen Tag Arbeit pro Woche werde ihn das neue Präsidentenamt kosten, überschlägt Rotenburgs Landrat. Zwar leiste die Geschäftsstelle des NLT die meiste Facharbeit mit den Experten in ihren Reihen, aber er sei in Entscheidungen eingebunden und natürlich in Gesprächen mit den Entscheidungsträgern der Politik in Hannover dabei. Das funktioniere nur, weil er mit seinen politischen Vertretern und den Dezernenten im Kreishaus ein „tolles Team“ dafür habe. Der NLT sei kein Lobbyverband unter vielen, sondern „eine gewichtige Stimme in der Landespolitik“, wie Prietz betont. Auf das, was aus den Landkreisen herangetragen wird, werde gehört. Als Beispiel nennt Prietz die Landespläne zum Windkraftausbau. Vor einem Jahr war insbesondere im Landkreis Rotenburg das Entsetzen groß, dass 4,89 Prozent der Kreisfläche und damit mehr als irgendwo anders im Land Vorranggebiet für große Windräder werden sollen. Der NLT habe damals die Interessen der Kreise gebündelt in die Diskussion eingebracht, mit dem Ergebnis, dass es nun eine landesweite Deckelung auf maximal vier Prozent Kreisfläche gibt. „Es ist ja nicht zielführend, dass diese Interessen jeder Landrat für sich in Hannover vertritt“, betont Prietz. Der NLT übernehme das – künftig mit ihm an der Spitze. Rund 100 000 Euro kostet die Vertretung des NLT den Kreis jährlich.
Prietz will langfristig bleiben
Bei der Frage, ob Rotenburg davon besonders profitiert, hält sich der Landrat bewusst zurück. Er stehe dann ja für alle Landkreise, sagt aber auch: „Mit dem Briefbogen des NLT-Präsidenten hat man leichteren Zugang zu Entscheidern in Hannover.“ Bewusst stelle sich der Verband übrigens so auf, dass Vertreter von Oppositionsführung und Regierungspartei an der Spitze stehen. Bislang seien das auch in Zeiten großer Koalitionen stets Vertreter von SPD und CDU gewesen, oder parteilose Landräte, die von diesen nominiert wurden. Prietz: „So kann man auf allen Seiten gesprächs- und anschlussfähig sein.“
Während der aktuellen Landkreisversammlung in Peine sendet der NLT vor allem Signale an Bund und Land, dass immer mehr übertragene Aufgaben die Kreise finanziell und personell überlasten. Prietz will künftig zudem Schwerpunkte beim geordneteren Ausbau erneuerbarer Energien sowie einer gesicherten Krankenhausfinanzierung setzen. Dafür will er die kommunale Lobbyarbeit intensivieren. Und er betont: Der Landkreistag wünscht sich eine „langfristige Perspektive“ mit seinen Spitzenvertretern. Dass er 2026 wieder zur Landratswahl antrete, „habe ich immer gesagt“.
