Für mehr Lebensperspektiven: Ein Horstedter wird Bundesvorsitzender der Landjugend

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Der Horstedter Lars Ruschmeyer steht – gemeinsam mit Theresa Schmidt aus Hessen – an der Spitze des Bundes der Deutschen Landjugend.
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Rund 100 000 junge Leute sind in Deutschland Mitglied in Landjugendgruppen. Die Dachorganisation ist der Bund der Deutschen Landjugend (BDL), an deren Spitze seit einigen Wochen Lars Ruschmeyer aus Horstedt – gemeinsam mit der wiedergewählten Bundesvorsitzenden Theresa Schmidt – steht.

Horstedt - Für den 27-Jährigen ist dies alles andere als ein Sprung ins kalte Wasser, denn er führte nicht nur sieben Jahre lang die Landjugend Horstedt, sondern fungierte auch zwei Jahre als Mitglied im Niedersächsischen Agrarausschuss, denen vier Jahre als Sprecher folgten.

Die ersten Berührungspunkte gab es bereits 2017, als er bei einem von der Landjugend für Auszubildende der grünen Berufe veranstalteten Wettbewerb Landessieger wurde und sich im Anschluss beim Bundeswettbewerb den vierten Platz sicherte. „Daher kannte ich bereits die Strukturen auf Bundesebene“, erklärt der Horstedter, der sich nach der landwirtschaftlichen Ausbildung und anschließendem Bachelorabschluss in Agrarwissenschaften jetzt kurz vor Abschluss des Masterstudiums befindet.

Da sich vom bisher amtierenden Bundesvorstand nicht mehr alle aufstellen ließen, entschied sich Ruschmeyer – nach Absprache mit Freundin Wiebke und seiner Familie – zur Kandidatur. Im ersten Anlauf bekam der 27-Jährige bei der Versammlung in Heilbronn die notwendige Anzahl an Stimmen.

Landjugend ist sein größtes Hobby

„Meine Hauptmotivation ist, Lebens- und Bleibeperspektiven für junge Leute im ländlichen Raum zu schaffen“, sagt Ruschmeyer, der Landjugend als sein größtes Hobby bezeichnet. Was ihn derzeit stark beschäftigt, sind aber die Übergriffe auf Politiker und Wahlkampfhelfer. „Ich bin für eine tolerante und offene Gesellschaft, in der Meinungen wertgeschätzt werden“, sagt der 27-Jährige. Der Austausch im ländlichen Raum gestalte sich, führt er fort, immer schwieriger: „Die Dorfkneipen, wo sich früher verschiedene Berufsgruppen getroffen haben, fehlen.“

Obwohl der BDL keine politischen Entscheidungsbefugnisse hat, wird dieser dennoch oft von der Politik um Stellungnahme gebeten. Außerdem werden Kontakte zu verschiedenen Ministerien gepflegt. „Dadurch haben wir Verbindung zu den Entscheidern und so bieten sich Chancen, mitdiskutieren zu können“, so Lars Ruschmeyer. Nächstes Beispiel ist ein Treffen des BDL-Bundesvorstandes mit dem Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir am 28. Mai.

„Machen, worauf wir Lust haben“ und Sinnvolles tun

Der Einstieg Ruschmeyers in die Landjugend geht zurück in das Jahr 2015, als er zu den Initiatoren der Horstedter Landjugend gehörte. „Wir haben im Ort viele Vereine, die auch etwas für junge Menschen anbieten“, sagt er zur damaligen Motivation. Und weiter: „Aber es fehlte ein Verein für uns, der Treffen ermöglicht, um das zu machen, worauf wir Lust haben.“

Die Landjugend bietet nicht nur diesen Rahmen, sondern es kann auch etwas Sinnvolles getan werden: Dazu gehört beispielsweise die 72-Stunden-Aktion, bei der in ehrenamtlicher Arbeit etwas für die Allgemeinheit geschaffen wird, oder die bereits mehrfach durchgeführte Tannenbaum-Sammelaktion. „Die Niedersächsische Landjugend bietet Unterstützung an und beteiligt sich finanziell an den gemeinnützigen Aktionen“, so Ruschmeyer. Einen Zuschuss gab es auch für die Miete der Lautsprecheranlage, die für die Scheunengespräche in den Jahren 2017 und 2021 benötigt wurde. Damals waren zu den bevorstehenden Wahlen Kandidaten von der Landjugend zu einer Podiumsdiskussion eingeladen worden.

In Horstedt sollen nun Jüngere Verantwortung übernehmen

2022 entschied sich Lars Ruschmeyer, seine Arbeit als Vorsitzender der Horstedter Landjugend nicht fortzusetzen. Das hatte gleich mehrere Gründe: „Es ist wichtig, dass es bei Jugendverbänden einen regelmäßigen Austausch gibt. Der Altersabstand zu den neuen Mitgliedern, die nach der Konfirmation zu uns kommen, wird zu groß“, so Lars Ruschmeyer. Auch könne, führt er fort, ein Vakuum entstehen, wenn die Vorstandsposten zu lange mit denselben Personen besetzt sind und diese dann aufhören. Außerdem wollte er auch anderen ermöglichen, die Chancen zu nutzen, die das Ehrenamt bietet. „Ein weiterer Grund war, dass ich als Mitglied des Horstedter Gemeinderates neutral sein möchte“, ergänzt er.

Trotz des großen Zeitaufwandes, der mit dem Vorsitz auf Bundesebene verbunden ist, will sich Lars Ruschmeyer weiterhin in seinem Heimatort, wo er auf dem elterlichen Hof beschäftigt ist, einbringen. „Je höher die Ebene ist, desto abstrakter werden die Entscheidungen. Daher ist es umso wichtiger, den Kontakt vor Ort zu halten“, weiß er.

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