Große Lösung für den Landkreis: Sparkasse verkauft Gebäude für drei Millionen Euro

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„Bekenntnis zu Rotenburg“: Kreisrätin Silke Fricke (v.l.), Sparkassenvorstandsvorsitzender Thorben Prenntzell, Landrat Marco Prietz, der Vize-Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Marko Putaro und Christina Schultz vom Kreisamt für Gebäudemanagement vor dem Haus am Pferdemarkt, das in knapp drei Jahren eine Heimat der Kreisverwaltung wird.
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Das ehemalige Sparkassengebäude am Rotenburger Pferdemarkt sei für die Kreisverwaltung ein Sechser im Lotto, sagt Dezernentin Silke Fricke, die unter anderem fürs Personalamt verantwortlich ist. Bei einem solchen Lottogewinn bekommt man normalerweise Millionen, der Landkreis zahlt der Sparkasse Rotenburg Osterholz nun drei Millionen Euro. Dennoch sagt auch Landrat Marco Prietz (CDU): „Der Kauf des Gebäudes ist ein Glücksgriff für die Kreisverwaltung.“

Rotenburg - Für die wird es im Kreishaus am Hopfengarten, das ab 2027 auch renoviert werden soll, immer enger. Deswegen muss neue Bürofläche her. Und die hat der Landkreis nun gleich auf 5 000 Quadratmetern für rund 130, 140 Arbeitsplätze gefunden. Die Sparkasse ist im Sommer in ihren Neubau gezogen, Anfang 2023 hatte die Kreisverwaltung ein Auge auf das Backsteinhaus am Pferdemarkt geworden und sich dann nicht-öffentlich ein Mandat vom Kreistag geholt, der Sparkasse ein Angebot zu unterbreiten und nun den Vertrag zu unterschreiben.

Die Sparkasse hatte zwischenzeitlich die Idee, das Gebäude zu vermieten, und dann auch zwei andere Kaufinteressenten, berichtet ihr Vorstandsvorsitzender Thorben Prenntzell. Einer der beiden waren die Rotenburger Werke. „Es waren wertgleiche Angebote, mit unterschiedlichen Konzepten, die alle attraktiv waren, aber wir konnten das Haus ja nur einmal verkaufen“, sagt Prenntzell. Der Kreis sei für die Stadt Rotenburg ein guter Nachnutzer, das sei der Sparkasse wichtig gewesen.

Landkreis kann frühestens 2026 einziehen

Der Preis sei angemessen und gutachterlich untermauert, beteuern sowohl Bank- als auch Verwaltungsvertreter. Die Kreisverwaltung war vor Jahrzehnten schon einmal am Pferdemarkt ansässig, kehrt so gesehen an alte Wirkungsstätte zurück, allerdings frühestens Ende 2026.

Bis dahin hat Christina Schultz, beim Kreis zuständig fürs Gebäudemanagement, viel zu tun. Das rund 40 Jahre alte Haus muss auf Schadstoffe untersucht werden, der Brandschutz aktualisiert werden. Ende 2024 könnten Kostenberechnungen für die Sanierung stehen, Mitte 2025 die Bauarbeiten beginnen. Prietz meint, dass der Millionenbetrag für den Umbau zweistellig werden könnte.

Raumnot im Kreishaus, 2024 kommen 40 Stellen hinzu

Dafür sei Schluss mit der Suche nach kleineren Einheiten für einzelne Ämter und deren Mitarbeiter. Kostprobe: IT und Elterngeldstelle sitzen in Rotenburg im Gebäude der Pestalozzischule. Prietz zählt auf, dass die Verwaltung im Kreisgebiet 50 Gebäude besitzt oder angemietet hat. Das Areal ums Kreishaus sei ausgereizt, eine Erweiterung im Landschaftsschutzgebiet und wegen des Denkmalschutzes unmöglich. Es gehe aber nicht darum, kleine Standorte dichtzumachen, „dann wäre nichts gewonnen“. Denn 2024 schaffe der Landkreis 40 neue Stellen, in den vergangenen zehn Jahren waren es bereits 200 neue Stellen. Das Jobcenter zum Beispiel werde definitiv bleiben, wo es ist.

Prietz ist kein Freund eines großen Verwaltungsapparats. Es gebe aber den bundesweiten Trend zu einem immer größeren öffentlichen Sektor, der auch vor dem hiesigen Kreis keinen Halt mache, unter anderem durch mehr von Bund und Land vorgegebene Aufgaben. Prietz erwartet, dass dieser Trend etwa mithilfe von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz irgendwann ende. Aktuell gehe es darum, dass die Verwaltung ein attraktiver Arbeitgeber ist, dazu gehöre ein moderner zentraler Arbeitsplatz mit Bahnanschluss. „Der neue Standort ist ein Bekenntnis zu Rotenburg“, so der in Bremervörde beheimatete Landrat.

Bürgermeister findet neuen Nachbarn „insgesamt super“

Welche Ämter in drei Jahren an den Pferdemarkt ziehen, sei noch unklar, ebenso ob das mitgekaufte Parkhaus ausschließlich für die Mitarbeiter da sein werde oder auch für Bürger. Fest steht für Prietz: Die Immobilie sei ein Befreiungsschlag, nachdem der Kreis zuletzt stets nach Übergangslösungen für Unterkünfte suchte. „Wir werden keine Teams auseinanderreißen“, sagt Fricke, eher würden sie zusammengefügt.

Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann kann mit dem neuen Nachbarn gegenüber vom Rathaus gut leben. Er hofft auf Ämter, die für Bürgerinnen und Bürger zugänglich seien, und unter den Verwaltungsmitarbeitern auf Kundinnen und Kunden für den Wochenmarkt und die Mittagstische der angrenzenden Gastronomie.

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