Stadtwerke Rotenburg senken Gaspreise

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Gaskunden der Rotenburger Stadtwerke können sich über fallende Preise freuen – auch wenn das wegen der staatlichen Preisbremse nicht sofort spürbar wird.
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Nach der Kritik im vergangenen Jahr an ihrer Einkaufspolitik können die Rotenburger Stadtwerke eine frohe Botschaft verkünden: Ab Oktober fallen die Preise für die rund 8 000 Gaskunden deutlich. Direkt bemerkbar wird sich das beim Verbraucher durch die staatliche Gaspreisbremse aber noch nicht machen.

Rotenburg – Die rund 8 000 Gaskunden der Rotenburger Stadtwerke (SR) in der Region dürfen sich freuen: Zum 1. Oktober sinken die Preise deutlich. Spürbar wird das auf den Abrechnungen aber zunächst nicht – denn durch die mindestens bis Ende des Jahres geltende Energiepreisbremse des Bundes bleiben die Abrechnungen auf dem Stand der vergangenen Monate. Was danach kommt, ist allerdings offen – die Stadtwerke stellen sich mit einer optimierten Einkaufspolitik neu auf. Die Kunden sollen dadurch von extremen Preisspitzen wie vor einem Jahr verschont bleiben.

5,78 Cent je Kilowattstunde – eine Zahl, die vor zwei Jahren für Gaskunden noch ganz normal war, mittlerweile aber in weite Ferne gerückt ist. Die Welt hat sich verändert, die Energiepreise sind ein deutliches Zeichen dafür, ein Zurück ist nicht erwartbar. Und dennoch: Die Stadtwerke können reagieren und geben die zuletzt wieder deutlich gefallenen Börsenpreise an ihre Kunden weiter. Um mehr als sieben Cent geht es mit Beginn der Heizperiode nach unten. Der neue Arbeitspreis liegt zwischen 11,33 und 14,63 Cent brutto, je nach Vertrag des Kunden. Nach den mehrfachen deutlichen Steigerungen im vergangenen Jahr geht es wieder abwärts. Aber: Mindestens bis Ende des Jahres gilt die staatliche Gaspreisbremse. Mehr als 12 Cent bezahlt derzeit sowieso kein privater Verbraucher. Die Bundesregierung überlegt, diese Förderung bis Ostern zu verlängern. Die Abschläge der Stadtwerke-Gaskunden werden also kurzfristig nicht angepasst. Mehrkosten in der kalten Jahreszeit muss andererseits aktuell auch niemand befürchten – wenn den Bestimmungen der Preisbremse entsprechend weiter sparsam geheizt wird.

Einkaufspolitik wird zum Stolperstein

Im vergangenen Jahr waren die Rotenburger Stadtwerke bundesweit in die Schlagzeilen und vor Ort in die Kritik geraten. Preislich lag man beim Gas plötzlich im Vergleich ziemlich weit oben. Die bisherige Einkaufspolitik der Stadtwerke hatte sich ins Gegenteil verkehrt. Vor ein paar Jahren hatten sich die SR gebunden an ein „80-20“-System. Will heißen: 20 Prozent des Gases können sie aktiv im Voraus einkaufen, aber 80 Prozent werden kurzfristig beschafft. Dieses Beschaffungsmodell zeigte in den vergangenen mehr als zehn Jahren Erfolg, da die SR auf diese Weise ihren Kunden günstige und stabile Preise anbieten konnten. Als die Preise auch durch den Krieg in der Ukraine aber durchs Dach schossen, ging es auf einmal mit den hiesigen Tarifen ebenso steil bergauf. Bis Ende 2024 sind die SR noch an dieses System gebunden, haben aber bereits gegengesteuert. Der strategische Nachteil der Zwischenzeit wurde durch intensivere Marktbeobachtungen ausgesteuert, heißt es. „Wir haben heute viel mehr Informationen“, sagt Lukas Klencke als Leiter des Energieeinkaufs bei den Stadtwerken.

„Balance zwischen Risiko und Chance“ per Verbund

Ab 2025 werde es dann „eine ganz neue Welt“ geben, ergänzt Stadtwerke-Chef Volker Meyer. Mit mehr als 80 anderen Stadtwerken bilde man dann einen Einkaufsverbund, um die richtige „Balance zwischen Risiko und Chance“ zu finden. Dumping-Preise von Onlineanbietern werde man nie bieten können – aber das Risiko, von einem solchen Anbieter in Krisenzeiten einfach ausgeschlossen zu werden, bestehe bei den SR auch nicht. Man sei der Ansprechpartner mit fairen Lösungen vor Ort: In Rotenburg beziehen mehr als 90 Prozent der Gaskunden über die SR.

Die Preissenkung sei zwar ein gutes Zeichen, aber keine Garantie. Werde der Winter sehr kalt, geraten die Gasspeicher wirklich an ihre Grenzen und entspanne sich die Weltlage nicht, könne es auch schnell wieder nach oben gehen. Der Markt sei weiterhin extrem sensibel. „Es ist eine unruhige See“, so Meyer. Es bleibe eine Herausforderung. „Die Preise können unter Umständen wieder deutlich steigen“, heißt es in dem Info-Schreiben, das in diesen Tagen an alle Kunden verschickt wird. Darin wird auch darauf hingewiesen, dass bei Preisänderungen ohne Frist der Vertrag gekündigt oder in ein anderes Tarifmodell gewechselt werden kann. Die Stadtwerke selbst können mittlerweile wieder für alle – auch Neukunden – ein breites Angebot bereithalten. Wichtigstes Ziel bleibt es, die erwünschten Einsparziele beizubehalten. Die Disziplin der Kunden sei diesbezüglich sehr gut, so Meyer.

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