Strompreise 2025

Strompreise in Deutschland steigen – so viel müssen Verbraucher 2025 im Norden bezahlen

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Trotz Umverteilung der Netzkosten dürfte Strom im kommenden Jahr teurer werden. Wie genau regionale Unterschiede zum Tragen kommen, zeigt ein deutschlandweiter Vergleich.

Bremen/Hannover – Nirgends in Europa ist Strom so teuer wie in Deutschland, wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Im ersten Halbjahr 2024 zahlten Verbraucher hierzulande demnach 40 Cent pro Kilowattstunde, im EU-Durchschnitt beträgt der Preis dagegen nur 29 Cent. Manch ein Verbraucher dürfte so vielleicht in Betracht ziehen, künftig einen dynamischen Stromtarif statt eines festgelegten Betrags zu zahlen, schließlich müssen Versorger variable Preise ab 2025 verpflichtend anbieten

Neben dieser Neuerung erwartet viele Haushalte bundesweit im kommenden Jahr jedoch auch eine Erhöhung des Strompreises. Flächendeckend ist dies allerdings nicht der Fall, denn in wenigen Bundesländern fällt der Strompreis 2025 sogar. Um den Überblick der Strompreisentwicklung fürs kommende Jahr trotz einiger markanter regionaler Unterschiede nicht zu verlieren, lohnt es sich deshalb umso mehr, einmal auf die aktuellen Entwicklungen und Ankündigungen für 2025 zu blicken.

Bundesregierung will Netzentgelte ab 2025 mit einer Umverteilung gerechter machen

Ein bedeutender Faktor für den letztendlichen Strompreis, den Verbraucher an ihren Dienstleister zahlen, ist das Netzentgelt – es macht rund ein Drittel der letztendlichen Stromkosten aus. Die Höhe der Netzentgelte unterscheidet sich je nach Region jedoch mitunter deutlich: 2024 zahlen Verbraucher im Nordosten Deutschlands deutlich mehr als in anderen Regionen, etwa als im Süden oder im Westen, wie aus Daten der Bundesnetzagentur hervorgeht.

Ein Strommast und Windräder bei Norden in Ostfriesland

Das Netzentgelt-Gefälle existiert, weil der Netzausbau in manchen Teilen Deutschlands deutlich teurer ist als in anderen. Zu ihnen gehören Regionen, die mehr als andere auf erneuerbare Energiegewinnung wie Wind- oder Solarkraft setzen, wie etwa Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern. Weil der hier erzeugte Strom aber längst nicht nur hier verbraucht wird, sondern oft in Landesteile mit weniger Solar- oder Windkraftanlagen geleitet wird, finanzieren Verbraucher aus Regionen mit hohen Netzentgelten günstigen Ökostrom für andere Landesteile mit.

Um die Benachteiligung von Verbrauchern hinsichtlich der Netzentgelte in bestimmten Regionen zu kompensieren und die deutschlandweite Verteilung der Stromkosten gerechter zu gestalten, hat die Bundesregierung im August Maßnahmen zu ihrer Umverteilung ab 2025 beschlossen. Haushalte in Regionen mit großflächiger Energieerzeugung aus Erneuerbaren und hohen Netzentgelten sollen ab kommendem Jahr anteilig weniger zahlen, weil Netzbetreiber künftig einen Ausgleich für ihre Mehrbelastung erhalten sollen. In anderen Regionen, die bislang geringe Netzkosten zahlten, steigen sie dagegen an. Wie aber sieht die bundesweite Lage ab 2025 konkret aus?

Strompreise steigen 2025 fast flächendeckend – nur in drei Bundesländern sinken sie

Finanziert wird die künftige Entlastung von Netzbetreibern in Regionen, die vorwiegend auf erneuerbare Energien setzen, unter anderem, indem eine besondere Stromumlage – der sogenannte Aufschlag für besondere Netznutzung – deutschlandweit um einen Cent pro Kilowattstunde steigt. Auf dieser Grundlage und unter Bezugnahme auf Daten des Strompreis-Vergleichsportals Verivox haben die Finanztip-Experten eine Karte erstellt, in der bundesweite Entwicklung der Strompreise deutlich wird und zeigt, wie viel Verbraucher je nach Region im kommenden Jahr bezahlen müssen. Als Ausgangspunkt legte finanztip.de den Berechnungen einen Beispielhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden zugrunde.

Als Ergebnis geht daraus hervor, dass die Strompreise 2025 insgesamt nur in drei Bundesländern sinken – in den übrigen dreizehn Ländern dagegen müssen sich Strombezieher 2025 dagegen auf erneute Preiserhöhungen einstellen. Über im Schnitt sinkende Stromkosten dürfen sich Haushalte ab Januar in den Regionen Deutschlands freuen, in denen die Netzentgelte bis hierhin besonders hoch waren: Darunter in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg.

Durch die neue Umverteilung fällt der durchschnittliche jährliche Strompreis für den Beispielhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden in Mecklenburg-Vorpommern laut finanztip.de um rund 72 Euro. In Brandenburg fällt er um rund 46 Euro auf durchschnittliche 605 Euro und in Schleswig-Holstein um etwa 73 Euro auf 645 Euro im Schnitt. Die größten Zuschläge dürfte es 2025 für Hamburg (+103 Euro), Berlin (+78 Euro) und Baden-Württemberg (+73 Euro) geben. Am niedrigsten dürften die Stromkosten 2025 den Finanztip.de-Berechnungen zufolge trotz einer Steigerung von rund 38 Euro im kommenden Jahr in Bremen sein: Für den Beispielhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden werden in der Weser-Metropole nur rund 509 Euro fällig. In Niedersachsen dagegen steigt der Strompreis für den Beispielhaushalt in der Studie um 34 Euro auf 584 Euro.

Energiedienstleister: „Die Finanzierung der Netze wird zu einer wachsenden Belastung für Verbraucher“

Das Hamburger Energieversorgungsunternehmen LichtBlick begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung zu einer Umverteilung der Netzkosten im kommenden Jahr grundsätzlich, wie seine Vertreter vor Kurzem (25. Oktober) in einer Pressemitteilung verlauten ließen. Ohne Kritik bleibt die Verteilung der Netzentgelte fürs kommende Jahr von den Experten aber nicht. 

„Die Verteilung eines Teils der Energiewende-Kosten auf alle Verbraucher ist auch aus unserer Sicht sinnvoll“, erklärte LichtBlick darin. Jedoch sei erst mit der Gesamtschau aus Netzentgelten und Umlagen sichtbar, dass die Netzkosten für viele Verbraucher erneut steigen. Das Hamburger Energieunternehmen resümiert deshalb: „Die Finanzierung der Netze wird zu einer wachsenden Belastung für Verbraucher.“ (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Jochen Tack

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