VonJudith Tausendfreundschließen
In Visselhövede wird intensiv über die Zukunft der Windkraft diskutiert. Die Stadtverwaltung steht vor der Herausforderung, zwischen dem Potenzial der Windkraft und dem Schutz der Landschaft und der Anwohner abzuwägen. Die Zeit für eine Entscheidung drängt.
Visselhövede – Das Thema Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) bewegt aktuell alle Kommunen im Landkreis. Die Stimmung zu immer mehr Windrädern ist gemischt, auch in Visselhövede.
Dabei müssen jetzt Entscheidungen getroffen werden. Denn zu Ende November läuft die Frist ab. Bis dahin müssen die Stellungnahmen gegenüber dem Landkreis abgegeben werden.
Diskutiert wurde die Angelegenheit in der Visselstadt vor dem Ausschuss für Umwelt, Klima und Landwirtschaft. Die Verwaltung hatte eine entsprechende Vorlage erarbeitet.
Aufgeschlossen gegenüber dem Thema Windkraft, aber es muss abgewägt werden
Bauamtsleiter Gerd Köhnken fasst später zusammen: Das Thema ist maßgeblich, und zwar auch für alle Anwohner. Denn – keine Frage, wer hier lebt – der wird es bemerken, wenn die Landschaft von immer mehr Windrädern zerschnitten wird.
Das Thema ist jedoch nicht einseitig zu betrachten: „Generell sind wir dem Thema Windkraft gegenüber aufgeschlossen“, so Köhnken.
Welche Flächen sind in Visselhövede von den jetzigen Überlegungen betroffen? Im Nordwesten des Stadtgebiets sind insgesamt sechs Vorrangflächen in den Ortschaften Rosebruch, Wittorf, Lüdingen, Dreeßel und Jeddingen betroffen, eine Fläche bleibt außen vor.
Kilometerweite Schutzradien um Hiddingen und Egenbostel
Die Flächen im Osten und Süden des Stadtgebietes bleiben in der Entwurfsplanung unberücksichtigt. Vonseiten der Regionalplanung wurde ein Radius von fünf Kilometern rund um die Radarstellung in Hiddingen gezogen. Hinzu kommt rund um die seismologische Messstation in Egenbostel ein Schutzradius von drei Kilometern.
Und worüber beraten die Kommunalpolitiker aktuell? Insgesamt drei Punkte sind es, die vor allem mit Blick auf Visselhövede wichtig sind. So wirkt sich die Suedlink-Trasse, von Scheeßel aus kommend, auf die Vorranggebiete aus.
Betroffen ist hier ein Korridor von einem Kilometer. Der beschneidet die Gebiete, die eben schon als Vorranggebiete vorgesehen waren. Das Thema duldet keinen Aufschub: Schon zu Beginn des kommenden Jahres geht es in Sachen Suedlink weiter. Der Planfeststellungsbeschluss der Trasse wird nach Auskunft von Köhnken zu Beginn des Jahres 2025 auf der Agenda stehen.
Stadt hält den Schutzradius um Egenbostel für zu groß
Der zweite Punkt, der in Visselhövede eine Rolle spielt, ist der bereits benannte Schutzradius von fünf Kilometern und um die seismologische Messstation in Egenbostel ein Schutzradius von drei Kilometern. Hier ist eine Art Erdbebenfrüherkennung installiert.
Bezüglich des Schutzradius liegen unterschiedliche Auffassungen vor. In einer Windpotenzialstudie des Landes Niedersachsen wird lediglich ein Kilometer als Ausschlussbereich berücksichtigt. Der Landkreis Rotenburg wiederum hat sich im Entwurf auf den Mittelwert von drei Kilometern festgelegt.
„Wir sind der Meinung, ein Kilometer hätte es auch getan.“ Im Raum Egenbostel/Lehrden gebe es durchaus Interesse an der Errichtung von Windkraftanlagen. Ein weiteres Argument bringt die Stadtverwaltung vor: Derzeit wird im Nahbereich der Station von Vermilion Energy ein Bohrturm errichtet, mittelfristig soll hier über Jahre Erdgas gefördert werden.
Menschenschutz und Landschaftsschutz im Fokus der Stadt
Im Erfolgsfall – so kündigt Vermilion an – könnte die „Weißenmoor Süd Z1“ jährlich rund 60.000 Haushalte mit heimischem Erdgas versorgen. Doch diese Aktivitäten dürften nicht erschütterungsfrei sein, sodass die Erdbeben-Station nicht betrieben werden kann – auch daher würde, so die Überlegung, ein Kilometer ausreichen.
Bezüglich der ersten Punkte plädiert die Stadtverwaltung jeweils für ein mehr an Möglichkeiten. Einen anderen Ansatz sieht das Bauamt bezüglich der Ortschaften Wittorf, Lüdingen und Dreeßel. Diese Ortschaften werden in Zukunft durch verschiedene Faktoren von Windkraftpotenzialen umzingelt.
Es wird von einer Umfassungswirkung gesprochen. Fakt ist, dass es einfach zu viel werden könnte. „Uns geht es um Menschenschutz, um Landschaftsschutz.“ Daher wolle man hier gegebenenfalls den Landkreis bitten, auf Flächen zu verzichten.
Ausschuss stimmt dem Entwurf zu
Um die Stellungnahme der Stadt zu vervollständigen, ergänzen die Ortschaften Wittorf, Jeddingen, Dreeßel und Lüdingen das Werk, welches final an den Landkreis geht, noch um eigene Stellungnahmen.
Auch hier wird es um die Frage gehen, wie viel Windkraft dann am Ende doch irgendwie auch zu viel ist. „Wir widersprechen uns ein Stück weit, indem wir an zwei Stellen sagen, hier könnte das Potenzial erweitert werden und an einer dritten Stelle sagen, hier wird es aber jetzt zu viel.“
Notfalls müsse man verzichten. Mit dem Widerspruch können die Ausschussmitglieder wohl gut leben, dem Entwurf wurde zugestimmt.
