Stiftung Naturschutz über die Wiedervernässung von Mooren im Landkreis Rotenburg

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Zufrieden mit der erfolgreichen Wiedervernässung sind Heike Vullmer und Jürgen Cassier von der Stiftung Naturschutz.
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Als Retter feuchter Lebensräume arbeitet die Stiftung Naturschutz. Jürgen Cassier und Heike Vullmer geben Einblick in die Arbeit.

Rotenburg – Greift der Mensch in das fein aufeinander eingestimmte Räderwerk der Natur ein, lassen kleinere, größere oder gar existenzbedrohende Reaktionen nicht auf sich warten. Das trifft auch auf Moore zu, jene Wasserspeicher, die zu den effizientesten Kohlenwasserstoffreservoiren im Kampf gegen den Klimawandel zählen. Intakte Moore sind in Deutschland, in Niedersachsen und im Kreis Rotenburg immer seltener geworden. Um zu retten, wo es noch zu erhalten und zu renaturieren gibt, heißt die Devise also gegensteuern.

Die Stiftung Naturschutz im Kreis Rotenburg hat auf ihre Fahnen geschrieben: Erhalt sowie die Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft. Sie trägt dazu bei, Lebensräume gefährdeter Tiere und Pflanzen und ein Stück Natur und Heimat im Landkreis Rotenburg zu bewahren. An der Spitze der Stiftung, deren Arbeitsschwerpunkt in der Planung, Organisation und Umsetzung regelmäßiger Pflegemaßnahmen auf rund 180 Hektar eigenen Flächen besteht, fungiert als Vorsitzender Jürgen Cassier aus Kirchwalsede. Hauptamtliche Mitarbeiterin ist die Biologin Heike Vullmer, Verden.

Wir besuchten mit Vullmer und Cassier das Breitenfeldermoor in der Gemarkung Hellwege, etwa 40 Hektar groß, idyllische Landschaft, Hauptbaumart: Kiefern. Hier wurde von der Bevölkerung bis etwa Mitte des zurückliegenden Jahrhunderts Torf gestochen als Brennmaterial. Heike Vullmer zu den Wiedervernässungsarbeiten im Breitenfeldermoor der Stiftung Naturschutz, die jetzt abgeschlossen wurden: ,,Diese und andere vergleichbare Maßnahmen dienen dazu, kurzfristig den weiteren Torfschwund zu stoppen. Hochmoore sind im Laufe von vielen Tausend Jahren entstanden, und es wird deshalb eine lange Zeit dauern, bis hier wieder ein Hochmoorwachstum stattfindet. Den Erfolg der Maßnahmen werden erst nachfolgende Generationen hoffentlich erleben können.“

Um den Erfolg sicherstellen zu können, ergänzt Jürgen Cassier, würden ausreichend Niederschläge benötigt. „Sollten diese ausbleiben, gibt es für Hochmoore keine alternative Bewässerungsmöglichkeit. Sollten wir in Mitteleuropa langfristig mediterrane Klimaverhältnisse bekommen, wäre dies das Aus für Hochmoore.“

Im Zusammenhang mit der Wiedervernässung des Breitenfeldmoors sei das zentrale Problem ein quer durch das Moor verlaufender Entwässerungsgraben gewesen, der mehrere Grundstücke entwässere, erklärt Vullmer. Im Zusammenhang mit der Wiedervernässung sei dieser Graben verrohrt worden.

Um diese Maßnahme realisieren zu können, wurde ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren durchgeführt. Förderung wurde bei der Bingo-Umweltstiftung, bei der Manfred-Hermsen-Stiftung und beim Landkreis Rotenburg beantragt. Die Gesamtkosten hätten sich auf 170 000 Euro belaufen. Projektträger sei die Stiftung Naturschutz. Dazu hätten die Planung, die Beantragung des wasserrechtlichen Verfahrens sowie die Baubegleitung gehört.

Wiedervernässung der Moore als Ziel

Vorsitzender Cassier: ,,Wir sind weiterhin auf der Suche nach renaturierfähigen Mooren, die wir in Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern wiedervernässen können.“ Das Problem, ergänzt Cassier, sei immer die freiwillige Mitwirkung der Grundeigentümer. Diese hätten vielfach Sorge oder Angst vor Auswirkungen oder Jagd. Alle Maßnahmen kämen jedoch dem Arten- und Biotopschutz zugute, ,,denn die Tier- und Pflanzenarten sind sämtlich gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht“, betont Heike Vullmer.

Die Wiedervernässung der Moore setzt in sehr vielen Fällen voraus, dass die Verhandlungspartner, also die Grundstückseigentümer, sehr oft Landwirte, und die Behörden verständnisvoll zusammenarbeiten. Dazu Alexander Kasten, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Rotenburg-Verden, der kürzlich in Osterholz-Scharmbeck am Moorgipfel des Landkreises Osterholz, des dortigen Landvolks, der Biologischen Station Osterholz und des Gewässer- und Landschaftspflegeverbands Teufelsmoor teilgenommen hat: ,,Der Moorgipfel hat sich dadurch ausgezeichnet, dass eine sehr sachliche und in die Tiefe gehende Diskussionsbereitschaft aller Beteiligten vorhanden war. Im Ergebnis bleibt jedoch festzustellen, dass die für die Landwirtschaft notwendigen Rahmenbedingungen durch die Politik zu schaffen sind und damit für eine verlässliche Betriebsführung unserer Mitglieder unerlässlich notwendige Aufgabe noch zu bewältigen ist.

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