VonEva Burghardtschließen
Bei Ebbe zieht sich das Meer bei Cuxhaven bis zu 15 Kilometer zurück. Doch wer das Watt erkunden will, sollte einige Sicherheitshinweise beachten.
Cuxhaven – Die Gezeiten an der Nordsee-Küste zu beobachten, ist für viele Urlauber und Touristen etwas Besonderes. Zu sehen, wie sich das Meer kilometerweit zurückzieht und bei Flut wieder an den Strand schwappt, fasziniert die Menschen seit je her. In Niedersachsen gibt es einen Ort, an dem sich das Meer besonders weit zurückzieht. Doch wer das nutzen will, um einen Spaziergang durch das zurückbleibende Watt zu machen, sollte einiges beachten.
Meer bei Cuxhaven zieht sich bei Ebbe etliche Kilometer vom Strand zurück
Von Cuxhaven, dem nördlichsten Landkreis in Niedersachsen, hat man einen besonders guten Blick über das Wattenmeer. Nach Angaben der Touristeninformation Cuxhaven zieht sich das Meer bei Ebbe zwischen 12 und 15 Kilometer weit zurück und legt den Meeresboden bis hinter die Inseln Neuwerk und Scharhörn frei.
Zurück bleibt das Watt, eine einzigartige Naturlandschaft, in der rund 10.000 verschiedene Tiere, Pflanzen und andere Organismen leben, berichtet das Wattenmeer-Besucherzentrum Cuxhaven auf seiner Website. Seit 2009 gilt das Wattenmeer, das sich auf einer Länge von 400 Kilometern entlang der deutschen und niederländischen Küste erstreckt, als UNESCO-Welterbe. Damit steht es in einer Reihe mit dem Great Barrier Reef in Australien oder dem Grand Canyon in den USA.
Das Watt in Cuxhaven bietet also eine einzigartige Naturlandschaft. „Auf und im Wattboden leben unzählige Krebse, Muscheln und Wattwürmer“, heißt es von der Tourismusinformation Cuxhaven. Die wiederum sind Nahrung für Fische, Seehunde und Millionen von Zugvögeln.
Falsches Verhalten im Watt kann zu gefährlichen Situationen führen
Kein Wunder also, dass viele Menschen das Wattenmeer bei Cuxhaven erkunden möchten. Das sei nämlich besonders weitläufig, heißt es von der Tourismusinformation auf Anfrage von kreiszeitung.de. „Durch den Rückzug von 15 Kilometern hat man das Gefühl, endlos in die Ferne laufen zu können“.
Einzigartig sei auch, dass man bei Ebbe 12 Kilometer durchs Watt bis zur Insel Neuwerk laufen kann. „Gefahrlos ist dies mit einem ausgebildeten Wattführer“, heißt es von der Tourismusinformation. Von Cuxhaven gibt es mehrere geführte Touren. Theoretisch können die Menschen das Watt auch auf eigene Faust erkunden. Trotzdem ist dort Vorsicht geboten, denn wer sich im Watt nicht richtig verhält, kann in Gefahr geraten.
So erging es etwa 2015 zwei jungen Menschen, die im Watt vor Cuxhaven feststeckten. Wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) berichtet, sanken die beiden bis zur Brust ein. „Zahlreiche Zuschauer mussten vom Deich aus mit ansehen, wie es den beiden nicht mehr gelang, sich (...) an Land zu retten, obwohl das Ufer nicht weit entfernt war.“
Seenotretter müssen immer wieder Hilflose aus dem Watt befreien
Weil eine direkte Hilfe von Land nicht möglich war, griffen schließlich die Seenotretter der DGzRS-Station Cuxhaven ein, um den Mann (22) und die Frau (19) aus dem Schlick zu ziehen. Erst kürzlich hatten Seenotretter zwei Männer gerettet, die das Ruder ihrer Yacht verloren hatten.
„Ungewollt möchte gewiss niemand den Gezeitenwechsel jenseits aller Ufer besichtigen“, schreibt die DGzRS auf ihrer Website. Schließlich sei das Watt Meeresgrund. „Sand, Schlick und Mischwatt können für unvorhergesehene Überraschungen sorgen“, bei denen Wattwanderer bis zur Hüfte in den Boden einsinken und sich nicht mehr befreien können.
Wer im Watt unterwegs ist, sollte einiges beachten
„Menschen sollten niemals alleine ins Watt aufbrechen, sondern sich immer einer geführten Tour mit erfahrener Führung anschließen“, empfiehlt die DGzRS. Dennoch komme es immer wieder vor, dass Menschen trotz Warnung alleine losziehen, sich überschätzen und schließlich gerettet werden müssen. Für den Ausflug ins Watt hat die DGzRS einige Sicherheitshinweise:
- Nicht im Schneesturm oder bei Regen mit geringer Sichtweite ins Watt starten.
- Wanderer sollten regenfeste Kleidung und passendes Schuhwerk mitnehmen, etwa feste Leinensportschuhe, fest sitzende hohe Sport-, Wander- oder Surfschuhe.
- Einen Rucksack mit Ersatzkleidung mitnehmen für den Fall, dass man im Watt ausrutscht.
- Weil der feuchte Untergrund des Watts die Sonne reflektieren kann, sollten Wanderer Sonnencreme und eine Sonnenbrille mit dabei haben.
- Zudem sollten Wanderer eine Kopfbedeckung, genügend Trinkwasser und Essensvorräte mitnehmen.
Wichtige Hinweise von Wattwanderern am Strand von Cuxhaven
Auch die Tourismusinformation Cuxhaven empfiehlt unerfahrenen Wattwanderern, zu ihrer eigenen Sicherheit an einer geführten Wattwanderung teilzunehmen. Diejenigen, die das Watt auf eigene Faust erkunden wollten, sollten sich demnach zunächst immer über die aktuellen Wetterverhältnisse informieren. „Wenn man alleine ins Watt geht, sollte man nur so weit gehen, dass man den Strand noch gut sehen kann“, heißt es von der Tourismusinformation gegenüber kreiszeitung.de.
Man sollte zudem immer ein Handy dabei haben, um im Notfall Hilfe rufen zu können. Wer alleine im Watt ist, sollte sich an den gestreckten Pricken im Watt orientieren, erklärt die Tourismusinformation. Demnach empfiehlt sich für einen kleinen Spaziergang der Weg bis zum ersten Wasserlauf, dem Priel, diesen aber nicht zu durchqueren.
„Gerade ortsfremde Personen unterschätzen die Schnelligkeit, mit der das Wasser ausläuft“, schreibt die Tourismusinformation. Wenn das Wasser in den Prielen steigt, kann der Rückweg abgeschnitten werden. Wenn das passiert, sei es ratsam, „lieber zu früh als zu spät die 112 zu rufen.“ Niemals sollte man versuchen, durch den Priel zu schwimmen und so zu entkommen. „Die Strömung ist unberechenbar.“
Informationstafeln am Strand klären auf über die täglichen Hoch- und Niedrigwasserzeiten. So sollten Ausflügler „niemals bei auflaufendem Wasser (Flut)“ zu einer Wattwanderung aufbrechen, auch nicht bei Dunkelheit, Sturm, Nebel oder Gewittergefahr. Spätestens bei Niedrigwasser sollte außerdem der Rückweg zum Strand angetreten werden.
Vorsicht im vor auflaufendem Wasser im Wattenmeer
Die Tourismusinformation weist darauf hin, dass Wattwanderer auf keinen Fall den 10 Kilometer langen Steindamm am Fahrwasser der Schiffe überqueren sollten. Dort besteht die Gefahr, durch Sog oder Wellenschlag zu ertrinken. Im Wattgebiet sind während der Saison insgesamt acht Rettungsbaken aufgestellt. „Sie können sich dort in Sicherheit bringen, wenn Sie vom auflaufenden Wasser überrascht werden.“
Wenn durchs Watt wandert, sollte auch Ausschau nach orangen Signalbällen halten, die an einem Fahnenmast am Strand hochgezogen werden. Wenn die zu sehen sind, sollten Wanderer das Watt zügig verlassen.
Rubriklistenbild: © Panthermedia/imago


