Hochwasser in Verden: Gelbe Trutzburg in der Allerflut
VonMarkus Wienken
schließen
Überall Wasser rund um Verden und mittendrin ein gelber Lichtblick auf einer kleinen Warft...
Verden – Da, wo sonst grüne Wiesen sprießen, fließt, nein es strömt Wasser, ganz anders und viel stärker als sonst. Mittendrin in der Seenplatte, in der Ferne, trotz Nebel und Dunst zu erkennen, ein schwacher Gelbton. Gleich einer Trutzburg scheint sich Verdens Bienenzentrum erfolgreich gegen aufgewühlte Aller und Alte Aller zu stemmen. „Wie auf einer Hallig“, so Wilhelm Haase-Bruns. Der Vorsitzende des Imkervereins sieht sein „Volk“ bislang gut geschützt. „Das Wasser stand 30 Zentimeter vor der Tür. Da blieb es. Wir sollten hoffen, dass es da bleibt.“
Fotos aus Niedersachsen zeigen Ausmaß der dramatischen Hochwasser-Lage im neuen Jahr
Bei der starken Strömung kein Boot zum Verdener Bienenzentrum
Glück auch deshalb, weil auf der Warft, die sich dann, wenn Aller und Alte Aller gewöhnlich in ihrem „Bett“ ruhen, mehrere Meter über den Wiesen erhebt, zehn Bienenstöcke stehen. Jetzt aber ist der Hügel nicht zu sehen. Dennoch geht’s den Bienen gut. Aufgeständert auf einem Wagen, noch einmal 40 Zentimeter aufgebockt, dürfen sich die Völker nach bisherigen Meldungen in Sicherheit wiegen.
Die Technik macht’s möglich, per Handy sind die Stöcke mit Haase-Bruns vernetzt, kann er kontrollieren, was in den Bienenhäusern los ist. Das muss reichen, mehr geht derzeit auch nicht. Das letzte Mal konnte Haase-Bruns per Boot kurz vor Heiligabend direkt vor Ort nach dem Rechten sehen. „Danach stieg das Wasser rapide an“, so der Imker. Nun führt kein Weg mehr auf die Hallig. „Zu gefährlich, die Strömung stark, Treibgut im Wasser, da lässt sich das Boot in dem Bereich nur schwer bis gar nicht steuern. Wir müssen warten, bis der Pegel deutlich fällt, dann fahren wir rüber.“
Auf der anderen Flussseite, in Wahnebergen, ist derweil die Wasserstraße frei. In einem alten Hirtenhaus stehen drei Schafe trotz Flut im Trockenen. „Regelmäßig macht sich eine Schäferin mit einem Boot auf den Weg, kümmert sich darum, dass es so bleibt und versorgt die Tiere“, weiß Fotograf Peter Roegglen. Den Tieren scheint das Wetter, die Unruhe bislang nichts auszumachen.
Landunter in der niedersachsenweiten Hochwasser-Situation herrscht nach wie vor im Allerpark an der Reeperbahn. Bänke und Spielplatz stehen kniehoch im Wasser, überall Sandsäcke und rot-weißes Flatterband. Schilder warnen. Spaziergänger und Radfahrer müssen außen vor bleiben. Klappt meistens auch, und so weichen Frauchen und Herrchen mit Hund auf die angrenzende Reeperbahn hinter die sichere Schutzmauer aus – oder lassen den Vierbeiner auf der Mauer turnen. Der Verkehr rollt auf der Reeperbahn. Auch geparkt werden kann wieder.
Noch trauen die Wetterexperten trotz fallender Pegelstände dem Frieden allerdings nicht. In Verdens Altstadt, im Fischerviertel, bleibt die Kleine Fischerstraße weiter gesperrt. Andreas Harnacke und Sören Otte vom städtischen Betriebshof räumten nach Ablauf des Wassers schon mal ein wenig auf, wohlwissend, dass die Wolken immer neuen Regen mitbringen werden. „Wir hoffen aber mal, dass es nicht wieder so schlimm wird“, so das Duo.