Hochwasser in Verden: Gelbe Trutzburg in der Allerflut

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Überall Wasser rund um Verden und mittendrin ein gelber Lichtblick auf einer kleinen Warft...

Verden – Da, wo sonst grüne Wiesen sprießen, fließt, nein es strömt Wasser, ganz anders und viel stärker als sonst. Mittendrin in der Seenplatte, in der Ferne, trotz Nebel und Dunst zu erkennen, ein schwacher Gelbton. Gleich einer Trutzburg scheint sich Verdens Bienenzentrum erfolgreich gegen aufgewühlte Aller und Alte Aller zu stemmen. „Wie auf einer Hallig“, so Wilhelm Haase-Bruns. Der Vorsitzende des Imkervereins sieht sein „Volk“ bislang gut geschützt. „Das Wasser stand 30 Zentimeter vor der Tür. Da blieb es. Wir sollten hoffen, dass es da bleibt.“

Fotos aus Niedersachsen zeigen Ausmaß der dramatischen Hochwasser-Lage im neuen Jahr

Hochwasser in Niedersachsen - Ems
Blick auf das Hochwassergebiet, nachdem der Fluss Ems über die Ufer getreten ist steht das Wasser auf vielen flachen im Landkreis Emsland. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Lilienthal
Sandsäcke liegen auf einem Deich vor evakuierten Wohnhäusern an der Wörpe. In Lilienthal dürfen wegen des Hochwassers auch die Deichanlagen und die deichnahen Bereiche nicht betreten werden. © Sina Schuldt/dpa
Blick auf einen überfluteten Weg.
In Oldenburg werden noch einmal deutlich höhere Pegelstände erwartet – wegen des aktuellen Dauerregens. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Hochwasser-Sicherung: Mehrere Tonnen stehen nebeneinander und bilden ein Deichsystem.
Ein mobiles Deichsystem, bestehend aus zahlreichen mit Wasser gefüllten Behältern, steht in Oldenburg, um ein Wohngebiet vor dem drohenden Hochwasser zu schützen. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Ein Traktor fährt über eine überflutete Straße im Hochwassergebiet. Nachdem der Fluss Ems über die Ufer getreten ist, steht das Wasser auf vielen Flächen unter Wasser.
Ein Traktor fährt über eine überflutete Straße im Hochwassergebiet. Nachdem der Fluss Ems über die Ufer getreten ist, steht das Wasser auf vielen Flächen unter Wasser. © Lars Penning
Ein Hof im Bremer Ortsteil Timmersloh steht unter Wasser (Aufnahme mit einer Drohne).
Ein Hof im Bremer Ortsteil Timmersloh steht unter Wasser (Aufnahme mit einer Drohne).  © Sina Schuldt/dpa
Weite Teile des Deichvorlandes sind überschwemmt. Wasser steht auf den Feldern und zerstört das Saatgut.
Weite Teile des Deichvorlandes sind überschwemmt. Wasser steht auf den Feldern und zerstört das Saatgut. © Bartz
An der Sandkruger Straße wird der mobile Deich aufgebaut.
An der Sandkruger Straße in Oldenburg wird ein mobiler Deich aufgebaut. © Sascha Stüber/Stadt Oldenburg
Mit schwerem Gerät wurden die Deiche gesichert.
Mit schwerem Gerät wurden vielerorts in Niedersachsen die Deiche gesichert.  © dpa/Uwe Arndt
Eine kräftige Pumpe entlastet in Kirchwahlingen das örtliche Schöpfwerk.
Eine kräftige Pumpe entlastet in Kirchwahlingen das örtliche Schöpfwerk. © Meyer
Einige Regionen sind nach wie vor von Überschwemmungen betroffen. Dazu gehört unter anderem der Landkreis Verden.
Einige Regionen sind nach wie vor von Überschwemmungen betroffen. Dazu gehört unter anderem der Landkreis Verden. © Str/dpa
Luftaufnahme: Auf einem Deich bei Haren bilden zahlreiche Menschen eine Sandsand-Kette.
In Haren an der Ems bildeten Hunderte Freiwillige eine Menschenkette und halfen den Einsatzkräften beim Platzieren von Sandsäcken. © dpa/Nord-West-Media TV/Torsten Albrecht
Faeser besucht Hochwassergebiet
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) triff in Sandkrug Einsatzkräfte von Technischem Hilfswerk (THW) und der Bundespolizei.  © Markus Hibbeler
Hochwasser - Niedersachsen
Wasser steht in einer evakuierten Wohnstraße nahe der Wörpe in Lilienthal. © Focke Strangmann/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Achim
Bäume ragen aus dem Hochwasser der Weser in Achim-Baden. © dpa
Hochwasser - Niedersachsen
Sandsäcke und Bigbacks liegen bereit, um mit einem Hubschrauber an die Hunte bei Oldenburg gebracht zu werden. © Jörn Hüneke/xoyo/dpa
Silvester auf dem Deich: Der DLRG ist seit Tagen im Hochwasser-Dauereinsatz.
Silvester auf dem Deich: Der DLRG ist in Niedersachsen seit Tagen im Hochwasser-Dauereinsatz.  © DLRG Landesverband Niedersachsen / Facebook / Screenshot
Blick auf einen unter Wasser stehenden Spielplatz im Butendieker Gehölz.
In Lilienthal im Landkreis Osterholz steht ein Spielplatz im Butendieker Gehölz unter Wasser. © Sina Schuldt/dpa
Der DLRG ist seit Tagen im Hochwasser-Dauereinsatz, hier in Wathlingen, wo mit über 10.000 Sandsäcken ein Deich per Menschenkette gesichert wurde.
Der DLRG ist seit Tagen im Hochwasser-Dauereinsatz, hier in Wathlingen, wo mit über 10.000 Sandsäcken ein Deich per Menschenkette gesichert wurde. © DLRG Landesverband Niedersachsen / Facebook / Screenshot
Hochwasser in Achim: Ein Ortsschild von Baden unter Wasser.
Im Landkreis Verden, hier bei Achim-Baden, ist die Hochwasser-Lage weiterhin kritisch. © dpa

Bei der starken Strömung kein Boot zum Verdener Bienenzentrum

Glück auch deshalb, weil auf der Warft, die sich dann, wenn Aller und Alte Aller gewöhnlich in ihrem „Bett“ ruhen, mehrere Meter über den Wiesen erhebt, zehn Bienenstöcke stehen. Jetzt aber ist der Hügel nicht zu sehen. Dennoch geht’s den Bienen gut. Aufgeständert auf einem Wagen, noch einmal 40 Zentimeter aufgebockt, dürfen sich die Völker nach bisherigen Meldungen in Sicherheit wiegen.

In Eitze musste Imker Wilhelm Haase-Bruns einen Bienenstock vor dem anlaufenden Wasser retten.

Die Technik macht’s möglich, per Handy sind die Stöcke mit Haase-Bruns vernetzt, kann er kontrollieren, was in den Bienenhäusern los ist. Das muss reichen, mehr geht derzeit auch nicht. Das letzte Mal konnte Haase-Bruns per Boot kurz vor Heiligabend direkt vor Ort nach dem Rechten sehen. „Danach stieg das Wasser rapide an“, so der Imker. Nun führt kein Weg mehr auf die Hallig. „Zu gefährlich, die Strömung stark, Treibgut im Wasser, da lässt sich das Boot in dem Bereich nur schwer bis gar nicht steuern. Wir müssen warten, bis der Pegel deutlich fällt, dann fahren wir rüber.“

Im Allerpark herrscht noch landunter: Für Spaziergänger bleibt das Areal noch gesperrt.

Auf der anderen Flussseite, in Wahnebergen, ist derweil die Wasserstraße frei. In einem alten Hirtenhaus stehen drei Schafe trotz Flut im Trockenen. „Regelmäßig macht sich eine Schäferin mit einem Boot auf den Weg, kümmert sich darum, dass es so bleibt und versorgt die Tiere“, weiß Fotograf Peter Roegglen. Den Tieren scheint das Wetter, die Unruhe bislang nichts auszumachen.

Aller und Alte Aller bilden rund um das Bienenzentrum eine Seenplatte. Auch mit dem Boot ist das Haus wegen der Strömung nicht erreichbar.

Noch immer landunter in Verdens Allerpark

Landunter in der niedersachsenweiten Hochwasser-Situation herrscht nach wie vor im Allerpark an der Reeperbahn. Bänke und Spielplatz stehen kniehoch im Wasser, überall Sandsäcke und rot-weißes Flatterband. Schilder warnen. Spaziergänger und Radfahrer müssen außen vor bleiben. Klappt meistens auch, und so weichen Frauchen und Herrchen mit Hund auf die angrenzende Reeperbahn hinter die sichere Schutzmauer aus – oder lassen den Vierbeiner auf der Mauer turnen. Der Verkehr rollt auf der Reeperbahn. Auch geparkt werden kann wieder.

Räumten im Fischerviertel schon mal ein wenig auf: Sören Otte und Andreas Harnacke (r.) vom Betriebshof.

Aufräumungsarbeiten im Verdener Fischerviertel

Noch trauen die Wetterexperten trotz fallender Pegelstände dem Frieden allerdings nicht. In Verdens Altstadt, im Fischerviertel, bleibt die Kleine Fischerstraße weiter gesperrt. Andreas Harnacke und Sören Otte vom städtischen Betriebshof räumten nach Ablauf des Wassers schon mal ein wenig auf, wohlwissend, dass die Wolken immer neuen Regen mitbringen werden. „Wir hoffen aber mal, dass es nicht wieder so schlimm wird“, so das Duo.

Rubriklistenbild: © Verdener Imker

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