Verkehrssicherheit statt Besitzkontrolle: Drogenkontrollen vor dem Hurricane
VonPauline Vockenroth
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Die Drogenkontrollen beim Hurricane Festival haben sich gewandelt. Statt auf den Besitz von Drogen zu achten, liegt der Fokus nun auf der Verkehrssicherheit. Spezialisten sind im Einsatz, um Autofahrer unter Drogeneinfluss zu identifizieren.
Sottrum – Fast schon entspannt wirkt es bei der Drogenkontrolle in Sottrum am Donnerstag vor dem Hurricane Festival in Scheeßel. Immer wieder werden auf der Bremer Straße Autos aus dem Verkehr gewunken. Nach und nach rollen sie auf den größten Kontrollstützpunkt im Landkreis. Immerhin regnet es nicht.
Drei Monate ist die gesetzliche Teillegalisierung von Cannabis her. Vieles habe sich bei den Kontrollen dadurch verändert, sagt Rotenburgs Polizeisprecher Heiner van der Werp. „Unser Ziel ist jetzt ein ganz anderes.“ Noch bis im vergangenen Jahr wurden die Kontrollen durchgeführt, um den bis dato verbotenen Besitz zu untersuchen. Doch heute gehe es nur noch darum, ob Autofahrer unter Drogeneinfluss stünden. „Es geht hierbei hauptsächlich um die Verkehrssicherung“, so van der Werp. Autofahrer unter Drogeneinfluss seien nicht nur eine Gefahr für sich selbst, sondern auch für die anderen Verkehrsteilnehmer, und damit andere Festivalbesucher.
„Dafür haben wir Spezialisten hier, die darin geschult sind, Drogeneinfluss zu erkennen.“ Ein Blick würde für die Spezialisten ausreichen, um zu erkennen, ob jemand Drogen konsumiert hat. „Diese geben ihr Wissen auch an ihre Kolleginnen und Kollegen weiter“, sagt der Polizeisprecher. Vergangenes Jahr kamen die Kolleginnen und Kollegen unter anderem aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen. Wo sie diesmal herkommen, wüsste er nicht genau. „Es gibt dafür einen Nordverbund der Polizei.“ Von dort würden die Kollegen alle zusammengerufen.
Bis zum frühen Nachmittag habe es lediglich zwei Blutuntersuchungen auf Drogen gegeben. Die Kontrollen verlaufen entspannt, aber eine Prognose möchte van der Werp nicht abgeben. Seine Erfahrung: „Tatsächlich ist bei den Abreisetagen deutlich mehr los.“ Trotzdem war er die vergangenen Jahre immer wieder erstaunt, dass die Stimmung bei den Kontrollen sehr entspannt sei. „Die meisten, die wir kontrollieren, sind gut gelaunt und räumen meistens auch bereitwillig für den Hund ihr Auto aus.“ Von Unfreundlichkeiten gegenüber den Kolleginnen und Kollegen höre er selten. Aus keiner der Kontrollstationen. Er sieht den Kontrollpunkt als eine Art Tradition: „Wir stehen jedes Jahr wieder hier und wir kündigen das ja auch immer vorher an.“ Die Anreisenden müssten also eigentlich schon wissen, dass sie auf dieser Strecke kontrolliert werden.
Zwar hat das Team nur noch einen Spürhund im Einsatz, der an diesem Nachmittag zum Einsatz kommt. Drei Festivalbesucher müssen ihr Auto ausräumen, bevor der Hund auf die Suche geht. Einer der drei muss eine Blutuntersuchung mitmachen – damit sind es bis dahin insgesamt drei.
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Die Blutabnahme führt Dr. Christian Hohmann durch. Normalerweise arbeitet er in einem Krankenhaus in Bremen Mitte. Seine Frau ist bei der Polizei, sagt er. Es sei wohl nicht leicht, einen Arzt zu finden, der bei den Kontrollen helfe, also seien die Beamten mit dem Angebot auf ihn zugekommen.
Obwohl kaum etwas los ist, ist das mediale Interesse ungebrochen. Zwei Kamerateams – eins von „Taff“ und eins von „Buten un Binnen“ – sind ebenfalls da und verfolgen das Geschehen.