VonMichael Krügerschließen
Das war zu befürchten: Wie an vielen anderen Schulen in Niedersachsen fehlen der Kantor-Helmke-Grundschule in Rotenburg Lehrer, die Leitungsposition ist vakant. Die Außenstelle in Waffensen kann mit 24 Schülern nicht betrieben werden – eine Pause für ein nur ein Schuljahr.
Waffensen – Auch wenn es schwerfällt: Die Stadt Rotenburg zieht kurz vor Ende der Sommerferien die Notbremse und lässt die Türen der Grundschule in Waffensen im kommenden Schuljahr geschlossen. Weil es an der Kantor-Helmke-Schule wie an vielen anderen Schulen in Niedersachsen einen akuten Lehrermangel gibt, wäre der Aufwand zu groß, die Außenstelle offen zu halten. 24 Schüler, die eigentlich in Waffensen unterrichtet werden sollten, müssen nun nach Rotenburg fahren.
Das Problem hatte sich schon länger abgezeichnet, über Soziale Medien hatte Ortsbürgermeister Henning Poppe (CDU) einen Aufruf gestartet, dass sich Lehrer für die Dorfschule melden sollen, doch es half alles nichts: Bei einem Austausch zwischen Verwaltung, Landesamt für Schule und Bildung sowie Eltern am Freitag wurde klar, dass die Hoffnung, im kommenden Jahr in Waffensen einen Schulbetrieb aufrecht zu erhalten, gestorben ist. Am Dienstagabend sollte ein weiteres Treffen mit Eltern zum weiteren strategischen Vorgehen folgen. Denn klar ist: „Wir werden bei der Landesbehörde keinen Antrag stellen, die Außenstelle zu schließen“, betont Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann.
Pause - nicht Schließung
Das Grundproblem verdeutlicht Bianca Trogisch, Sprecherin der Schulbehörde: „Für zwei Stellen konnten wir Vertretungslehrkräfte gewinnen, eine Stelle ist noch ausgeschrieben.“ Zudem gibt es nach dem Abgang von Catrin Cramme die Vakanz in der Leitungsposition. „Das Verfahren zur Besetzung des Schulleitungspostens dauert noch an, sodass es zunächst eine kommissarische Lösung geben wird.“ Die Vertreterinnen in der Schulleitung seien aufgrund der aktuellen Situation „nicht zu beneiden“, sagt Oestmann. Die Stadt komme der Schule und der Landesbehörde mit dem aktuellen Schritt entgegen, auch wenn es nicht die Aufgabe des Schulträgers sei, für eine ausreichende personelle Ausstattung des Kollegiums zu sorgen. Die Schülerzahl in Waffensen wäre in diesem Schuljahr um ein Kind gesunken, fraglich wäre gewesen, ob man überhaupt weiterhin zwei jahrgangsübergreifende Klassen hätte bilden können. Fürs kommende Jahr sieht es den Angaben nach aber wieder deutlich besser aus: 36 Schüler werden dann aus Waffensen erwartet – genug, um die örtliche Schule mit über 300-jähriger Geschichte wieder zu beleben. Sofern es dann auch genug Lehrer gibt, die den Mehraufwand mit der Außenstelle tragen können. Oestmann betont jedenfalls, dass es sich um eine Pause, nicht um eine Schließung handelt.
Und wie kommen die Schüler nach Rotenburg?
Bleibt noch ein Problem: Wie kommen die Waffensener Schüler eigentlich nach Rotenburg? Zuständig für die Schülerbeförderung ist der Landkreis, und von dort hieß es am Dienstagnachmittag: „Die Information, dass die Außenstelle der Rotenburger Kantor-Helmke-Schule für ein Jahr geschlossen wird, ist uns gegenüber noch nicht vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung definitiv bestätigt worden.“ Nichtsdestotrotz habe man bereits ein Vergabeverfahren gestartet und gehe davon aus, dass trotz der angespannten Personalsituation bei den Busunternehmen kurzfristig eine Lösung zu finden ist, die Fahrten zur ersten Stunde hin und nach der vierten, fünften und sechsten zurück ermöglicht.
Eltern helfen
Nach Angaben von Ortsbürgermeister Henning Poppe haben die Waffensener Schüler zur Eingewöhnung am Dienstag bereits eine Schulführung in Rotenburg erhalten. Und auch die Eltern ziehen sehr gut mit: Sie organisieren zunächst selbstständig die Fahrten, „um den Kindern eine gute Eingliederung zu ermöglichen“.
