Zu wenig Schüler, zu wenig Lehrer: Grundschule Waffensen vor dem Aus

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Die Zukunft der Grundschule in Waffensen ist ungewiss. Wird hier bald noch unterrichtet?
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Die Grundschule in Waffensen hat eine lange Tradition. Für das Schuljahr 22/23 sieht es aber düster aus: Weil es zu wenig Schüler und Lehrer gibt, steht die Außenstelle der Kantor-Helmke-Schule vor dem Aus. Bemühungen, doch noch Lehrkräfte zu finden, dauern an.

Rotenburg – Die Grundschule in Waffensen steht vor dem Aus. Seit 1976 als Außenstelle der städtischen Kantor-Helmke-Schule betrieben, gab es immer mal wieder Jahre, in denen die Schülerzahl nicht ausreichte, um einen eigenen Betrieb aufrecht zu erhalten. Trotz in Rotenburg insgesamt steigender Schülerzahlen wird dieses Szenario eine Woche vor dem Start des Schuljahres 22/23 für die Nebenstelle mit rund 300-jähriger Historie wieder aktuell – der Lehrermangel an der Grundschule und die unklare Situation nach dem Abgang von Rektorin Catrin Cramme spielen auch mit hinein.

Rotenburg will die Grundschule in Waffensen nicht schließen. Das betonen alle Seiten, insbesondere Ortsbürgermeister Henning Poppe (CDU) und Rotenburgs Rathauschef Torsten Oestmann. Die Schülerzahl fällt nach den bisherigen Anmeldungen allerdings von 25 auf 24, sodass übergreifend nur noch eine Klasse eingerichtet werden dürfte. Zuletzt und über die Jahre bewährt waren es zwei. Zwar habe man den Betrieb auch schon mal mit nur 18 Schülern aufrecht erhalten können, so Poppe, aber das sei eine Zeit gewesen, in der es an der Kantor-Helmke-Schule nicht zudem an Lehrkräften mangelte.

Schulleitungsposten vakant

Nach Angaben des Regionalen Landesamts für Schule und Bildung in Lüneburg ist es „trotz intensiver Bemühungen noch nicht gelungen, alle ausgeschriebenen Stellen zu besetzen“. Man arbeite mit „Hochdruck“ daran, doch der Markt sei schwierig. Sprecherin Bianca Trogisch: „Für zwei Stellen konnten wir Vertretungslehrkräfte gewinnen, eine Stelle ist noch ausgeschrieben.“ Zudem gibt es die Vakanz in der Leitungsposition. „Das Verfahren zur Besetzung des Schulleitungspostens dauert noch an, sodass es zunächst eine kommissarische Lösung geben wird.“ Entscheidungen werden dadurch nicht einfacher.

Oestmann: „Wir haben keine Absicht, die Schule zu schließen!“

Die Absicht, die Waffensener Außenstelle der Kantor-Helmke-Schule für wenigstens ein Jahr zu schließen, hat niemand. Soweit die Theorie, die Bürgermeister Torsten Oestmann auf Nachfrage untermauert. Nur: Trotz des Willens ist dieser Schritt möglicherweise unumgänglich. Das betont das Landesamt für Schule und Bildung auf Basis des Niedersächsischen Schulgesetz’ (NSchG). Nach diesem sollen Schulen grundsätzlich als einheitliche Organisationseinheiten räumlich gebündelt an einem Schulstandort geführt werden. Die durch eine Außenstelle entstehenden ungünstigeren Klassenbildungen und organisatorischen Schwierigkeiten sollen vermieden werden. Außenstellen können aber räumlich getrennt untergebracht werden, wenn die Schulleitung, der Schulvorstand und die Konferenzen trotz der räumlichen Trennung ihre Aufgaben ordnungsgemäß erfüllen können, ein ausreichend differenziertes Unterrichtsangebot, ausreichend große Klassen und Lerngruppen gewährleistet bleiben und die Außenstelle für die Schüler unter zumutbaren Bedingungen erreichbar ist. Ob das noch gegeben ist, müsse jetzt entschieden werden. Das müsse vom Schulträger, der Stadt, ausgehen. Die Behörde haber aber noch keinen Antrag erhalten.

Ob und wie man die Außenstelle noch retten kann, soll an diesem Freitag Inhalt einer Online-Konferenz von Verwaltung, Eltern und Landesschulbehörde sein. Ortsbürgermeister Henning Poppe betont, man habe „noch die stille Hoffnung, es abwenden zu können“. Über die Sozialen Medien haben Poppe und die Waffensener Ortsgemeinschaft in den vergangenen Tagen viele Aufrufe versandt, um doch noch ein bis zwei Lehrer für den etwas anderen Job in der Außenstelle zu begeistern. Auch Oestmann hofft, eine Lösung mit Waffensen zu finden. Es sei eben auch „nicht besonders glücklich, Kinder da jetzt rauszureißen“, so der Bürgermeister mit Blick auf die Schüler, die schon ein, zwei oder drei Jahre in Waffensen unterrichtet wurden. Für sie wie die neuen Erstklässler würde die Schließung zumindest für ein Jahr bedeuten, nach Rotenburg in die „große“ Kantor-Helmke-Schule gehen zu müssen – Busfahrt inklusive. Offen sei zudem, ob man anschließend wieder zurück zum alten System kommen könne. Die erwarteten Schülerzahlen ließen das wieder problemlos zu, so Poppe. Für 23/24 erwarte man 36 Schüler in Waffensen. Doch ist der Schritt zurück dann wieder umsetzbar?

Keine Probleme an anderen Grundschulen der Stadt

Waffensen ist die einzige Außenstelle in den Rotenburger Ortschaften. Die anderen beiden städtischen Grundschulen, die Schule am Grafel und die Stadtschule, haben keine. Zudem gibt es die privat geführte Montessori-Grundschule. Nach Angaben von Schulamtsleiter Uwe Radtke sind ähnliche Personalprobleme wie an der Kantor-Helmke-Schule sonst nicht bekannt. Erst kürzlich habe eine Abfrage der Haushaltsvoranschläge für das kommende Haushaltsjahr stattgefunden. Im Zuge dieser Abfrage sei kein weiterer Gesprächsbedarf seitens der Grundschulen oder der weiterführenden IGS, die auch in Trägerschaft der Stadt liegt, angemeldet worden. Die Kantor-Helmke-Schule hatte zuletzt 255 Schüler, die Grafelschule 260 und die Stadtschule 273.

Kontakt

Interessierte Lehrer können sich bei Henning Poppe unter 0151/62813821 melden.

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