VonUlla Heyneschließen
Nicht nur meckern, sondern auch machen: Die Waffensener Ortsgemeinschaft engagiert sich für Erhalt der Grundschule und packt kräftig mit an.
Waffensen – Die Parkplätze an der Straße vor der Grundschule in Waffensen sind alle belegt, ebenso die Fahrradständer. Ein ungewohnter Anblick, ist die „Zwergenschule“ doch für dieses Schuljahr geschlossen. Gleichwohl herrscht an diesem Samstagvormittag reges Treiben: Kinder flitzen mit Trettreckern über „ihren“ Schulhof, Bälle fliegen zwischen den Toren. Andere Kinder und ihre Eltern attackieren das Laub auf dem Rasen und den Beeten mit Rechen, der geparkte Hänger hinter dem Trecker ist schon halb voll.
Beförderung selbst organisiert
„Kalt am Kirschlorbeer erwischt“, grinst Sunhild Holsten, als sich die Kameralinse auf sie richtet. Sie gehört zu den gut 30 Teilnehmern, die den Schulhof auf Einladung des im Sommer gegründeten Arbeitskreises winterfest machen. Damals, so erinnert sich Mitinitiator Sebastian Rütter, der zum Kern der acht AK-Mitglieder gehört, wurden die Eltern informiert, dass für die Fortführung des Betriebs der Kleinstschule mit zwei übergreifenden Klassen ein Schüler fehle. Die Verlegung des Schulbetriebs in die Rotenburger Kantor-Helmke-Schule: Für viele ein Schock, „und das gerade mal eine Woche vor der Einschulung“, erinnert sich Rütter.
Davon kann auch Olga Müller ein Lied singen. Ihre beiden Kinder sind hochsensibel – für den Erstklässler nicht einfach, woanders zu landen als dort, wo er geschnuppert hatte. Für die Bedürfnisse ihrer Kinder waren die kleineren Klassen und das persönliche Umfeld ideal. Die alleinerziehende Mutter hat der Wechsel besonders hart getroffen: Die Beförderung, die einige Wochen lang komplett durch die Eltern gestemmt wurde, sei mit dem Beruf als Soldatin kaum zu vereinbaren gewesen.
Hier zeigte sich – wieder einmal – der gute Zusammenhalt der Eltern: per Whatsapp-Gruppe organisierten sie die Beförderung kurzerhand selbst, stellten Fahrpläne auf. Die funktionierende Dorfgemeinschaft, die auch den neu zugezogenen Rütter begeistert, sie hat auch an diesem nasskalten Vormittag viele Familien an Harke und Schubkarre gelockt. Etwa die Kochs: Sohn William ist Viertklässler, wird beim „Rück-Umzug“ schon zu einer weiterführenden Schule gewechselt sein; aber auch der „große Bruder“ Winston hilft – für den Siebtklässler eine Selbstverständlichkeit. Rotenburg sei alles in Ordnung und man gäbe sich Mühe, konstatiert seine Mutter, allerdings herrsche in der größeren Schule ein rauerer Ton; öfter mal müsste Streit geschlichtet werden. Viele Kinder sehnen sich nach ihrem alten Umfeld mit den Freunden im Dorf zurück – sich jetzt nachmittags mit Klassenkameraden zu verabreden, ist wegen der Fahrerei schwierig. „Rotenburg ist OK, aber Waffensen ist unschlagbar“, bringt es Schülerin Lotte Poppe auf den Punkt.
Andere sehen vor allem die Vorteile wie den Schwimmunterricht – an den Nachmittagsangeboten dürfen die Waffensener allerdings nicht teilnehmen: keine Kapazitäten. Wieder andere Kinder sind unentschieden: „Meine Tochter war zuerst Feuer und Flamme, inzwischen ist der Neureiz verflogen“, so Müller. Gerade auf diese Kinder könnte es im Sommer ankommen, wenn die sogar vom ehemaligen Kultusminister Grant Henrik Tonne per Willensbekundung bescheinigte Wiederaufnahme des Schulbetriebs ansteht: Trotz des starken Jahrgangs mit 14 potenziellen Abc-Schützen könnten die Drittklässler das Zünglein an der Waage sein.
Lehrer gesucht für Dorfschule
So dient für Ortsbürgermeister Henning Poppe die Garten-Aktion nicht nur dazu, öffentlich Flagge zu bekennen und der Öffentlichkeit zu zeigen, „wie viel Eigenengagement und Energie wir in den Erhalt stecken“, sondern auch dem Zusammenhalt der Eltern untereinander. Der scheint wunderbar zu funktionieren – die Fraktion am Grill, die Mutter, die Apfelpunsch herumreicht: auch die „Belohnung“ nach getaner Arbeit, ein eingespieltes Team.
Die Wogen zwischen Landkreis, der Stadt als Schulträger und den Eltern haben sich nach dem Sommer längst geglättet, die Kommunikation aller Beteiligten sei gut, stellt Rütter fest; sogar die Schulleiterin der Kantor-Helmke-Schule, Nicole Bacinovic, hatte morgens mit angepackt. Vater und Ortsratsmitglied Patrick Bumberger appelliert an die Schulbehörde: „Jetzt fehlen nur noch zwei Lehrer, die zu uns abgeordnet werden müssen.“ Und Rütter ergänzt: „Gern auch welche, die auf dieses doch sehr spezielle Konzept und das persönliche Umfeld hier Lust haben.“

