Sturmflut an der Küste: Wie das Phänomen an Nordsee oder Ostsee entsteht
VonMarvin Köhnken
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Sturmfluten sind im Norden Deutschlands nicht ungewöhnlich. Doch was bedeutet es, wenn an Nordsee oder Ostsee das Wasser an den Küsten ungewöhnlich schnell und hoch steigt?
Cuxhaven/Lübeck – Sturmfluten bringen das Leben der Menschen an den Küsten Norddeutschlands schon seit Jahrtausenden immer wieder aus den Fugen. Historisch sind überaus hoch steigende Wassermassen bis zurück ins Mittelalter gut überliefert. Mitunter veränderten die gefährlichen Fluten ganze Landstriche. Sturmfluten setzen an den Küsten mitunter auch heute noch ganze Stadtteile unter Wasser.
Tide und Wind bestimmen Ausmaß einer Sturmflut an Nordsee und Ostsee
Mehrere Faktoren spielen beim Auftreten von Sturmfluten eine Rolle. Herrscht in den von Tiden bestimmen Gewässern der Nordsee oder Ostsee Flut und drückt ein starker Windschub das Wasser an die Küsten, steigen dort die Pegelstände besonders hoch. Aber auch bei Ebbe können ungewöhnlich starke oder lang anhaltende Winde eine Sturmflut auslösen. Es kommt dann zu an die Küste anbrandenden Seegang, bei Meeren wie der Nordsee und der Ostsee sind diese zusätzlich beeinflusst durch die Eigenschwingung der Wassermassen.
Sturmfluten werden unter anderem vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in mehreren Klassen eingeteilt. Für die Ostsee gibt es vier Klassen, für die Nordsee drei. Seit Juli 2022 registrierte das BSH für die Nordsee eine örtlich begrenzte Sturmflut: Auf St. Pauli in Hamburg stieg das Wasser der Elbe am 2. Februar 2023 auf 1,51 Meter über den Wert des mittleren Hochwassers – und damit nur einen Zentimeter über die Marke, die eine Sturmflut kennzeichnet. Im selben Zeitraum gab es an der Ostsee wiederum fünf Sturmfluten, die vom BSH alle als leicht in der ersten Klasse eingeordnet wurden.
Sturmfluten an der deutschen Ostseeküste
Sturmflut
1,00 bis 1,25 Meter über mittlerem Wasserstand
mittlere Sturmflut
1,25 bis 1,50 Meter über mittlerem Wasserstand
schwere Sturmflut
1,50 bis 2,00 Meter über mittlerem Wasserstand
sehr schwere Sturmflut
mehr als 2,00 Meter über mittlerem Wasserstand
Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste
Sturmflut
1,5 bis 2,5 Meter über mittlerem Hochwasser (MHW)
schwere Sturmflut
2,5 bis 3,5 Meter über mittlerem Hochwasser (MHW)
sehr schwere Sturmflut
mehr als 3,5 Meter über mittlerem Hochwasser (MHW)
Sturmfluten treten in Deutschland oft bei West- bis Nordwestwind auf
Sturmfluten hängen laut der Wetter-Experten des DWD oft mit Stürmen zusammen, die die Wassermassen in einem großen Winkel auf die Küstenlinien treiben. Während am Freitag, 20. Oktober, Ostwinde zu einer Sturmflut an der Ostseeküste führten, beobachten Meteorologen an der Deutschen Bucht Sturmfluten in der Regel bei West- bis Nordwestwind.
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Einige Zugrichtungen von Tiefdruckgebieten begünstigen eine solche Windrichtung. Besonders markant sind von Island aus in Richtung Skandinavien heranziehende Tiefdruckgebiete oder solche auf einer südlicheren Bahn vom Ostatlantik über die südliche Nordsee nach Dänemark.
Ein weiterer Faktor für Sturmfluten an den deutschen Küsten, der Stand der Erde zu Sonne und Mond. Laut DWD-Angaben treten besonders hohe Wasserstände – sogenannte Springtiden – auf, wenn Sonne, Erde und Mond in einer Reihe stehen und sich die Gezeitenwirkung von Sonne und Mond addieren.