DB kauft bis zu 60 Busse

Wasserstoff-Busse in Niedersachsen setzen schon heute EU-Vorschläge um

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Auf EU-Ebene beschlossen und lokal umgesetzt. Die ersten Busunternehmen bereiten sich auf die strengeren Abgasnormen vor und setzen auf Wasserstoff.

Brüssel/Oldenburg – Die Europäische Union (EU) hat sich mit dem Programm „Fit for 55“ (Green Deal) ehrgeizige Ziele gesteckt. Die ersten Auswirkungen sind für die Bürger spürbar: das Aus für Autos mit Verbrennermotoren. Im Straßenverkehr gibt aber noch weitere Teilnehmer, wie Busse (ab 7,5 Tonnen) und Lkws (ab fünf Tonnen). Um die CO₂-Ziele zu erreichen, hat die Europäische Kommission nun Vorschläge gemacht. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein fangen die ersten Busunternehmen an, ihre Flotte umzustellen – von Diesel auf Wasserstoff (H2) oder CNG.

EU-Ziele im Detail

Die EU-Kommission schlägt eine schrittweise Einführung strengerer CO₂-Emissionsnormen (bezogen auf den Stand von 2019) mit zertifizierten CO₂-Emissionen für nahezu alle neuen schweren Nutzfahrzeuge vor, und zwar:

45 Prozent weniger Emissionen ab 2030
65 Prozent weniger Emissionen ab 2035
90 Prozent weniger Emissionen ab 2040

Um die schnellere Einführung emissionsfreier Busse in Städten zu fördern, schlägt die Kommission außerdem vor, alle neuen Stadtbusse ab 2030 emissionsfrei zu machen. Quelle: europa.eu

Frans Timmermans, Exekutiv-Vizepräsident der Europäischen Kommission für den europäischen Grünen Deal, sagte: „Damit wir unsere Klima- und Null-Schadstoff-Ziele erreichen, müssen alle Teile des Verkehrssektors aktiv mitwirken. Im Jahr 2050 müssen fast alle Fahrzeuge auf unseren Straßen emissionsfrei sein. So steht es in unserem Klimagesetz. Auch unsere Städte fordern das, und unsere Hersteller machen sich dafür bereit.“

Wasserstoff-Busse in Niedersachsen setzen EU-Vorschläge um

Die Beschlüsse, die in Brüssel gefasst werden, müssen schlussendlich lokal umgesetzt werden. Die Bussparte der Deutschen Bahn (DB) will daher Wasserstoff-Busse einsetzen. Ab 2024 sollen sie in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen rollen. Wie das Unternehmen am Donnerstag, 16. Februar 2023, mitteilte, werden zwei Fahrzeuge in Rendsburg-Eckernförde eingesetzt und fünf im Raum Jever. Insgesamt ermögliche ein Rahmenvertrag die Lieferung von 60 Wasserstoffbussen bis 2026. Das Auftragsvolumen dafür betrage fast 40 Millionen Euro. Lieferant ist der portugiesische Hersteller Caetanobus. Die Brennstoffzellen stammen von Toyota.

Die Busse sind zwölf Meter lang, haben 34 Sitz- und 47 Stehplätze. Der Fahrgastraum hat keine Stufen und bietet einen zwei Meter breiten Platz für Rollstühle. Mit einer Tankfüllung Wasserstoff können die Fahrzeuge zwischen 350 (Winter) und 550 (Sommer) Kilometer weit fahren. In den Bussen sind elektronische Sicherheitssysteme eingebaut, die beispielsweise vor einer möglichen Kollision mit Fußgängern warnen.

Noch ein Exot, doch der Wasserstoffbus soll nach und nach die Dieselfahrzeuge in Niedersachsen ersetzten. Dieser fährt in schon Oldenburg.

2038 will der Konzern den letzten Dieselbus ausmustern. DB Regio Bus ist mit rund 470 Millionen Fahrgästen jährlich der größte Anbieter im deutschen Busverkehr. „Wasserstoffbusse sind klimafreundlich unterwegs und haben einen weiteren Vorteil: Sie sind schneller vollgetankt als die Batterien eines reinen Elektrobusses geladen sind“, erläuterte Evelyn Palla, Vorstandsmitglied Regionalverkehr der DB. Mit ihrer hohen Reichweite könnten Wasserstoffbusse auf dem Land besonders gut die bisherigen Dieselfahrzeuge ersetzen.

Zwei Vorgängerversionen der nun bestellten Busse fahren bereits bei der DB-Tochter Autokraft im Zuge des Wasserstoff-Pionierprojektes eFarm im Kreis Nordfriesland. Sie nehmen dort produzierten Wasserstoff an Tankstellen in Husum und Niebüll auf.

Auch in Niedersachsen sind bereits Wasserstoffbusse von anderen Unternehmen im Einsatz. Die ersten vier Wasserstoffbusse werden nach einer Testphase in den nächsten Wochen in Linienverkehr in Oldenburg eingesetzt. Sie stammen ebenfalls von dem Herstellers Caetano und sind baugleich mit denen in Bremerhaven. Dort sind bereits seit Mitte Januar drei Linienbusse mit Brennstoffzellenantrieb unterwegs.

Wasserstoff in der Transportlogistik

Im Landkreis Oldenburg setzen die Verkehrsbetriebe Oldenburg-Land auf Biogas, also CNG (Compressed Natural Gas). Die neuen Fahrzeuge werden laut dem Unternehmen aber rund 90 Prozent weniger CO₂ als Dieselmotoren produzieren. Und in Hoya setzt man auf Klima-Diesel.

Doch die EU-Pläne sehen auch eine Liste an Ausnahmen vor. Ausgenommen werden sollen Fahrzeuge, die in der Forst- und Landwirtschaft, Bergbau, Feuerwehr und im Katastrophenschutz eingesetzt werden. Ebenfalls ausgenommen sind: Kleinserien, Müllfahrzeuge, Polizeiautos, militärische Fahrzeuge und Fahrzeuge, die für medizinische Versorgung eingesetzt werden, wie Krankenwagen.

Gründe für die Umstellung von Diesel auf Wasserstoff bei Nutzfahrzeugen

Die Emissionen im Bereich der schweren Nutzfahrzeuge sind seit 2014 jedes Jahr gestiegen, mit Ausnahme des Jahres 2020 aufgrund der Corona-Pandemie. Besonders stark steigen die Emissionen im Güterverkehrssektor. Das ist vor allem auf die wachsende Nachfrage im Straßengüterverkehr zurückzuführen. Dieser Trend dürfte sich in Zukunft weiter fortsetzen. 2019 waren die Emissionen aus dem Güterverkehr um 44 Prozent höher als die Emissionen aus dem Luftverkehr und um 37 Prozent höher als die Emissionen aus dem Seeverkehr, schreibt die Europäische Kommission.

Die aktuellen Emissionsnormen für schwere Nutzfahrzeuge wie Busse und Lkw stammen aus dem Jahr 2019 und stehen mit den Klimazielen der EU nicht mehr im Einklang, heißt es weiter. Die derzeitigen Rechtsvorschriften sind für Investoren nicht ausreichend langfristig ausgelegt und spiegeln nicht die neue Realität im Energiesektor und die rasanten Entwicklungen bei den Herstellern schwerer Nutzfahrzeuge weltweit wider. Die vorgeschlagenen neuen CO₂-Normen stehen im Einklang mit den ehrgeizigeren Klimazielen der EU.

Die Industrie hat bereits drei Schlüsseltechnologien für die Umstellung auf Emissionsfreiheit benannt: batteriebetriebene Elektrofahrzeuge, Brennstoffzellen und Wasserstoffverbrennung. Damit lassen sich die meisten Verwendungszwecke in zunehmendem Umfang abdecken – vom Kurzstrecken- und Stadtverkehr bis hin zum Lkw-Fernverkehr, schreibt die EU-Kommission.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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