Alles unter Kontrolle am Dümmer, aber das Hochwasser hat Folgen: Der Deich weicht an einigen Stellen langsam auf.
Hüde/Lembruch – Die Nachricht als solche ist gewiss keine Überraschung: Die Pegelstände am und im Dümmer steigen wieder. Das war nach den teils ergiebigen Regenfällen der vergangenen beiden Tage so zu erwarten gewesen. Doch bloß, weil man es hatte kommen sehen, macht es die Situation an Niedersachsens zweitgrößtem Binnensee nicht besser. Bernd Fredrich, Geschäftsführer des für das Wassermanagement des Dümmers zuständigen Hunte-Wasserverbands sieht zwar nach wie vor eine gut zu beherrschende Hochwasserlage, er sagt aber: „Die Niederschläge jetzt sind unglücklich, die braucht kein Mensch.“
Nachdem die Pegel vor dem Jahreswechsel schon wieder auf dem Rückzug waren und am Messpunkt Schäferhof, wo die Hunte in den Dümmer fließt, an Neujahr die Marke für die erste Meldestufe deutlich unterschritten wurde, ist nun sogar Meldestufe zwei wieder in Sicht. Mit 38,09 Meter über NN fehlte am Mittwochmittag nur noch ein Zentimeter, um den Wert zu knacken. Und die Prognose sagt im Verlauf des Donnerstags sogar einen Anstieg von weiteren zehn Zentimetern voraus. In der Konsequenz bedeutet das: Es bleibt weiterhin viel Wasser im Dümmer.
Ein tristes Dümmerbild. In der Nähe des British Yacht Club in Lembruch wird eine Bank, die normalerweise Spaziergänger zum Ausruhen einlädt, von Wasser umspült. Der Pegel am Dümmer ist zuletzt wieder deutlich gestiegen.
Schon seit Weihnachten geht das so. Maßnahmen wie an Silvester, als 70 Feuerwehrleute einen 250 Meter langen Abschnitt der Verwallung mit Sandsäcken absichern mussten, sind Beleg dafür, dass der hohe Wasserstand im See – am Dienstag waren es 37,60 Meter über NN – Folgen hat. Kurz gesagt: Der Deich wird weich. Die Verwallungen – offizieller Name für den Deich rund um den Dümmer – „weichen so langsam auf“, bestätigt Bernd Fredrich: „Deshalb kommt es zu Maßnahmen, damit der Deichfuß stabilisiert wird.“
Dabei ist die Wassermenge allein gar nicht das ganz große Problem. „Es ist immer die Kombination aus Wasserstand und Wellen, die gefährlich ist“, erklärt Fredrich. Stehendes Wasser setze dem Deich zwar zu, in Bewegung befindliches Wasser aber noch viel mehr. Weshalb zuletzt auch für den Wind galt: Braucht kein Mensch.
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Insgesamt wirkt die Situation am Dümmer allerdings noch harmlos. Das Wasser hat sich zwar ausgebreitet, ist vom Deich und der Deichkrone aber noch ein gutes Stück entfernt. Doch diese optische Einschätzung ist die eines Laien, betont der Experte vom Hunte-Wasserverband. Für den Dümmer gelte: „Wenn es für das ungeübte Auge spektakulär aussieht, ist es eigentlich schon zu spät.“ Als reiner Sanddeich käme die Verwallung um den Dümmer dann an ihre Grenzen. Aber, und das betont Bernd Fredrich immer wieder: Die Lage am Dümmer sei stabil, die Deichbereiche seien unter ständiger Beobachtung und größere Schäden bislang nicht festgestellt worden.
Dass wieder mehr Wasser in den Dümmer einfließt, bedeutet freilich auch, dass dieses Plus abgeleitet werden muss – und zwar über Hunte, Lohne und Grawiede Richtung Norden, Richtung Diepholz. Dass es dort zu Überschwemmungen auf landwirtschaftlichen Flächen führt, sei nicht zu ändern, so Fredrich: „Was abgeleitet werden kann, muss weg.“ Land- und forstwirtschaftliche Flächen seien als Überschwemmungsgebiete ausdrücklich vorgesehen.