VonUlrike Hagenschließen
Geldsegen für Niedersachsens Kommunen und Bevölkerung: Sie können dank des neuen Beteiligungsgesetzes mit Millioneneinnahmen für erzeugte Windkraft rechnen.
Hannover – Niedersachsen ist Spitzenreiter in Sachen Erneuerbare Energien – und das zahlt sich jetzt für die Kommunen des Bundeslandes satt aus: Mit Einnahmen von rund neun Millionen Euro rechnet das niedersächsische Umweltministerium – und das pro Jahr. Hintergrund ist das im vergangenen Jahr beschlossene Beteiligungsgesetz, das Gemeinden und Bürger dafür belohnt, dass sie Erneuerbare Energien ausbauen. Wir sprachen mit Umweltminister Christian Meyer.
Energiewende mit Mehrwert: Neues Beteiligungsgesetz spült Millionen in die Kommunenkassen
In Niedersachsen dreht sich was – im wahrsten Sinne des Wortes: Immer mehr Windräder entstehen im Land, der Ausbau der Windenergie kommt kräftig voran: „Im vergangenen Jahr wurde die Rekordzahl von 325 Windenergieanlagen genehmigt“, berichtet Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) im Gespräch mit IPPEN.MEDIA, „und im ersten Quartal 25 sind es weitere 52“. Und das soll erst der Anfang sein.
Die Menschen, die hier im ländlichen Raum die Energiewende in Deutschland wuppen, sollen auch direkt davon profitieren.
Meyer freut sich: „Niedersachsen ist Spitzenreiter in Sachen Erneuerbare Energien – schon jetzt produzieren wir mehr klimaneutralen Strom aus Wind, Sonne und Biogas, als wir selbst verbrauchen.“ Dafür sollen Kommunen und Bürger und Bürgerinnen des Bundeslandes zukünftig kräftig belohnt werden.
Geniales Projekt: überschüssiger Windstrom aus #Niedersachsen wird zu Wasserstoff und in Gaskavernen gespeichert. Keine Utopie sondern Realität im größten Gasspeicherfeld Etzel bei Wilhelmshaven. Wenn #Söder Wasserstoff will, wir haben ihn 😀💚💯https://t.co/eeH8dIzYgZ
— Christian Meyer (@GruenMeyer) May 9, 2025
Windkraft mit Mehrwert: „Akzeptanzabgabe“ spült Millionen in Gemeinden
Um den Ausbau der grünen Energie weiter voranzutreiben und gleichzeitig die Akzeptanz vor Ort zu erhöhen, hat der Landtag im vergangenen April ein neues Beteiligungsgesetz beschlossen: Es sieht vor, dass Niedersachsen seine Windkraftflächen auf mindestens 2,2 Prozent der Landesfläche verdoppelt, gleichzeitig stellt es sicher, dass jede neue Windenergieanlage – oder auch Freiflächen-Solaranlage – sich finanziell für die Region auszahlt: „Die Menschen, die hier im ländlichen Raum die Energiewende in Deutschland wuppen, sollen auch direkt davon profitieren“, verspricht der Umweltminister.
Jedes Windrad spült im Schnitt rund 30.000 Euro pro Jahr in die Gemeindekasse.
Analog zum früheren Kohleabbau im Ruhrgebiet sichere der Norden schließlich die Energieversorgung mit Erneuerbaren für das gesamte Bundesgebiet. Darum verpflichtet das neue Gesetz Betreiber, die jeweiligen Regionen finanziell zu entlohnen – mit 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom, die an die jeweilige Kommune geht. Meyer führt aus: „Jedes Windrad spült damit im Schnitt rund 30.000 Euro pro Jahr in die Gemeindekasse“. Die genaue Summe richtet sich danach, wie viel Strom die Anlage tatsächlich produziert. 2026 werde erstmals genau abgerechnet, wie viel Geld welche Kommune erhält.
Wohlstand durch Windenergie: Niedersächsische Kommunen sollen von Energiewende profitieren
Allein durch die Windräder, die im vergangenen Jahr genehmigt wurden, rechnet der niedersächsische Umweltminister vor, sei so mit jährlichen Zusatzeinnahmen von rund neun Millionen Euro für die Kommunen zu rechnen. Beispiel Landkreis Rotenburg: Dort sind etwa 500 neue Windräder in Planung. Sobald sie am Netz sind, könnten dort bis zu 15 Millionen Euro jährlich an die Gemeinden fließen. Das Besondere: Das Gesetz gibt klar vor, wofür die Mehreinnahmen verwendet werden dürfen.
Millionen aus Windkraft für Kommunen: sattes Budget für Kultur, Nahverkehr und gratis Freibad-Eintritte
„Die Einnahmen dürfen nur für sogenannte freiwillige Aufgaben verwendet werden – also für Projekte, die den Leuten direkt zugutekommen und das Leben vor Ort schöner oder nachhaltiger machen“, berichtet Meyer. „Die Menschen werden spüren, dass sich etwas tut.“ Das Geld darf zum Beispiel in soziale Einrichtungen wie die Tafel, Naturschutz, Solaranlagen auf Kitas oder Pflegeheimen, freien Eintritt im Freibad, zusätzlichen ÖPNV, Klimaschutzinvestitionen oder das Dorfgemeinschaftshaus fließen – sprich: in Projekte, die das Leben in der Gemeinde lebenswerter machen.
In diesen Landkreisen in Niedersachsen wurden 2025 bisher die meisten Windräder errichtet:
- Emsland (8)
- Hildesheim (7)
- Lüchow-Dannenberg (6)
- Uelzen (4)
- Gifhorn (4)
- Diepholz (4)Wesermarsch (4)
- Osnabrück (3)
- Wolfenbüttel (3)
- Aurich (3)
Quelle: Windbranche.de
Der Grünen-Politiker betont: „Die Kommunen müssen jedoch öffentlich machen, wie sie das Geld verwenden. So bleibt transparent, wo die Windkraft ganz konkret wirkt“. Der Rat der Gemeinde müsse jährlich mit dem Haushalt Rechenschaft ablegen und dem Land berichten, was mit dem Geld gemacht wurde. „Die Gelder können auch bis zu 3 Jahre angespart werden, etwa für die Solaranlage der Kita oder die Heizungssanierung in einer Schule oder Freibad“.
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Windrad-Anrainer profitieren doppelt: Freiwillige Abgaben als Direktzahlung oder günstigen Strom
Neben den Gemeinden werden zukünftig auch die Menschen im Umkreis von 2,5 Kilometern um neue Windanlagen profitieren: Die Betreiber haben sich verpflichtet, freiwillig weitere 0,1 Cent pro Kilowattstunde an die Bevölkerung oder die Gemeinde abzugeben – „etwa als Direktzahlung, günstigeren Strom oder über Beteiligungen an Bürgerenergieprojekten, wovon dann ganz besonders Geringverdiener profitieren“, berichtet Meyer. Bei beispielsweise zehn Windrädern ergebe das also obendrauf 150.000 Euro jährlich, die unter den umliegenden Haushalten verteilt werden könnten.
„Echte Hausnummer“: Windparks in Niedersachsen – Studie berechnet Milliarden-Erlöse für Kommunen
Wie viel Geld neue Windparks zukünftig in die Landkreis-Kassen spülen könnten, belege eine Studie im Auftrag des Landesverbandes Erneuerbare Energien (LEE), die beispielhaft den Landkreis Rotenburg herangezogen hätte. Dort sei beschlossen worden, dass in den nächsten Jahren 600 neue Windräder installiert werden: „Unter dem Strich ergab die Analyse, dass bis zum Jahr 2040 insgesamt bis zu 1,1 Milliarden Euro durch die Windenergie-Expansion im Landkreis Rotenburg hängenbleiben werden“, so Christian Meyer. Dies sei eine „echte Hausnummer“, an der man nicht vorbeikäme: „Ich habe kein Problem damit, wenn die anderen Bundesländer uns das nachmachen.“
Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa


