VonNatascha Bergerschließen
Der auf Norderney gesichtete Wolf ist auf der Nordsee-Insel gerade ein großes Gesprächsthema. Doch dabei ist es ein anderes Wildtier, was Einheimischen seit Jahrzehnten diverse Probleme bereitet.
Norderney – Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ein Wolf Norderney besucht. Das sagt zumindest der Bürgermeister der Nordsee-Insel, Frank Ulrichs. Das Tier wurde am 6. Juni erstmals auf der ostfriesischen Insel gesichtet und verhält sich seitdem ruhig. Doch während der Wolf bisher keine großen Auswirkungen auf den Tourismus hat, bereitet ein anderes Tier Sorge.
Wer ein Kaninchen in freier Wildbahn entdeckt, wird sicherlich erstmal denken: Wie süß! Immerhin stechen die kleinen und maximal drei Kilogramm schweren Tiere durch ihr flauschiges Fell und die langen, oft aufgestellten Ohren heraus. Doch auf Norderney sind Wildkaninchen schon länger nicht mehr nur als süße Inselbewohner angesehen – oft werden sie sogar als Plage betrachtet. Denn: In manchen Jahren gibt es bis zu fünfmal mehr Wildkaninchen auf der Insel in Niedersachsen als Einwohner.
Wildkaninchen breiten sich seit Jahrhunderten auf Norderney aus – Küstenschützer um Deichsicherheit besorgt
Im Jahr 1620 wurden Kaninchen erstmals zur Jagd auf Norderney ausgesetzt. Heute dürfte die bei Touristen beliebte Insel die höchste Kaninchendichte aller Ostfriesischen Inseln haben, sagt Gundolf Reichert von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven laut The Weather Channel. Die Insel bietet für die wilden Tiere eine gute Heimat, da sie sich ihre unterirdischen Höhlen in den sandigen Böden besonders einfach bauen lassen. Allein auf der Nordsee-Insel Norderney gibt es Tausende dieser Höhlen, so der Experte Reichert.
Doch die teils meterlangen Bauten sorgen auf Norderney bereits seit Jahren für Beunruhigung bei Küstenschützern. So erklärt beispielsweise der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, die Kaninchen würden durch ihre Gangsysteme den Deich aushöhlen und dabei in den Sandkern eindringen. Sollte es zu Sturmfluten mit hohen Wassermengen kommen, könnten die Höhlen der Wildkaninchen die Deichsicherheit bereits gefährdet haben. Im schlimmsten Fall kann es dann sogar zu einem Deichbruch kommen.
Verärgerte Einheimische: Wildkaninchen-Plage auf Nordsee-Insel Norderney auch auf Friedhof ein Problem
Ein weiteres Problem der Wildkaninchen auf der niedersächsischen Insel: ihre Nahrungssuche. Wie die Zeitung Norderneyer Morgen bereits im Jahr 2023 berichtet, lassen die flauschigen Tiere vor allem den Friedhof der Insel teils unansehnlich zurück. Abgefressene Grabbepflanzung oder Stolperfallen durch tiefe Kaninchen-Löcher auf den Wegen sorgen für verärgerte Einheimische. Die Friedhofsmitarbeiter seien rund 25 Prozent ihrer Arbeitszeit damit beschäftigt, Kaninchenlöcher zu schließen.
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Doch während viele Menschen sich vermutlich über die zerstörte Grabdekoration ärgern, zerstören andere Friedhof-Besucher die Maßnahmen gegen die Invasion. Immer noch würden die Tiere angefüttert und aufgestellte Lebendfallen beseitigt werden, so Bürgermeister Ulrichs im vergangenen Jahr. Auch Damwild erobert derzeit Norderney – doch Naturschützer warnen vor den hübschen Hirschen.
Kaninchen-Ärger auf Norderney: Touristen und Brutvögel freuen sich über Population
Doch abgesehen davon, dass die Wildkaninchen zu einer größeren Artenvielfalt auf Norderney beitragen, kann ihr Dasein auch anderen Tieren zugutekommen. Der Steinschmätzer, ein bedrohter Brutvogel, profitiert etwa von den Kaninchenbauten. Wie The Weather Channel berichtet, werden die leeren Höhlen der Tiere von den Vögeln als Nistplätze genutzt. Zudem erleichtert die kurze Dünenlandschaft den Steinschmätzern die Nahrungssuche, da diese durch die von Kaninchen abgefressene Vegetation leichter an Insekten gelangen.
Dürften zwar viele Einheimische von den Fellnasen auf Norderney mehr genervt als begeistert sein, erfreuen sich die Touristen an den flauschigen Tieren. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung kommen die Wildkaninchen aus ihren unterirdischen Bauten und hoppeln über die Dünen oder Wiesen der Insel. Ein besonders guter Spot für die Sichtung im Norderney-Urlaub ist die sogenannte Kaninchendüne nahe dem Nordstrand.
Weder Wolf noch Kaninchen sind Bedrohung für Urlauber oder Einheimische auf Norderney
Übrigens: Eine Gefahr für Menschen stellen weder die Wildkaninchen, noch der neueste Inselbesucher, der Wolf, dar. Der Wolf auf Norderney wurde bisher nur von Wildtierkameras fotografiert. „Kein Mensch hat ihn hier zu Gesicht bekommen“, sagt Bürgermeister Ulrichs vor wenigen Wochen. Das Tier sei hauptsächlich nachts im Dickicht auf, wo keine Menschen unterwegs seien. Bei der Nahrungssuche dürfte der sich jedoch über die große Kaninchenpopulation auf der Nordsee-Insel freuen.
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