Küstenschützer in Sorge

Wolf besucht Norderney – doch andere Tiere sind ein viel größeres Problem für die Nordsee-Insel

  • schließen

Der auf Norderney gesichtete Wolf ist auf der Nordsee-Insel gerade ein großes Gesprächsthema. Doch dabei ist es ein anderes Wildtier, was Einheimischen seit Jahrzehnten diverse Probleme bereitet.

Norderney – Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ein Wolf Norderney besucht. Das sagt zumindest der Bürgermeister der Nordsee-Insel, Frank Ulrichs. Das Tier wurde am 6. Juni erstmals auf der ostfriesischen Insel gesichtet und verhält sich seitdem ruhig. Doch während der Wolf bisher keine großen Auswirkungen auf den Tourismus hat, bereitet ein anderes Tier Sorge.

Wer ein Kaninchen in freier Wildbahn entdeckt, wird sicherlich erstmal denken: Wie süß! Immerhin stechen die kleinen und maximal drei Kilogramm schweren Tiere durch ihr flauschiges Fell und die langen, oft aufgestellten Ohren heraus. Doch auf Norderney sind Wildkaninchen schon länger nicht mehr nur als süße Inselbewohner angesehen – oft werden sie sogar als Plage betrachtet. Denn: In manchen Jahren gibt es bis zu fünfmal mehr Wildkaninchen auf der Insel in Niedersachsen als Einwohner.

Auf Norderney wurde im Juni erstmals ein Wolf gesichtet. Doch tatsächlich ist es ein anderes Tier, das Küstenschützern Sorge bereitet.

Wildkaninchen breiten sich seit Jahrhunderten auf Norderney aus – Küstenschützer um Deichsicherheit besorgt

Im Jahr 1620 wurden Kaninchen erstmals zur Jagd auf Norderney ausgesetzt. Heute dürfte die bei Touristen beliebte Insel die höchste Kaninchendichte aller Ostfriesischen Inseln haben, sagt Gundolf Reichert von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven laut The Weather Channel. Die Insel bietet für die wilden Tiere eine gute Heimat, da sie sich ihre unterirdischen Höhlen in den sandigen Böden besonders einfach bauen lassen. Allein auf der Nordsee-Insel Norderney gibt es Tausende dieser Höhlen, so der Experte Reichert.

Kaninchen sind auf den ersten Blick nur eines: liebenswert. Doch auf der Nordsee-Insel Norderney machen die kleinen Wildtiere auch viel Ärger.

Doch die teils meterlangen Bauten sorgen auf Norderney bereits seit Jahren für Beunruhigung bei Küstenschützern. So erklärt beispielsweise der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, die Kaninchen würden durch ihre Gangsysteme den Deich aushöhlen und dabei in den Sandkern eindringen. Sollte es zu Sturmfluten mit hohen Wassermengen kommen, könnten die Höhlen der Wildkaninchen die Deichsicherheit bereits gefährdet haben. Im schlimmsten Fall kann es dann sogar zu einem Deichbruch kommen.

Verärgerte Einheimische: Wildkaninchen-Plage auf Nordsee-Insel Norderney auch auf Friedhof ein Problem

Ein weiteres Problem der Wildkaninchen auf der niedersächsischen Insel: ihre Nahrungssuche. Wie die Zeitung Norderneyer Morgen bereits im Jahr 2023 berichtet, lassen die flauschigen Tiere vor allem den Friedhof der Insel teils unansehnlich zurück. Abgefressene Grabbepflanzung oder Stolperfallen durch tiefe Kaninchen-Löcher auf den Wegen sorgen für verärgerte Einheimische. Die Friedhofsmitarbeiter seien rund 25 Prozent ihrer Arbeitszeit damit beschäftigt, Kaninchenlöcher zu schließen.

Fünf Reise-Tipps, die den Winter-Urlaub an der Nordsee-Küste einmalig machen

Cuxhaven Watt vereist Blick auf die alte Liebe
Fallen die Temperaturen im Winter unter Null Grad Celsius kann an vielen Stränden der Nordsee ein einmaliges Phänomen beobachtet werden: Unzählige Eisschollen werden an den Strand gespült. Teilweise friert im Wattenmeer die Oberfläche des Watts ein und ist vereist. Hier in Cuxhaven. © Lia Stoike
Café und Restaurant Marienhöhe Norderney Weststrand
Das Café und Restaurant Marienhöhe auf Norderney ist auch im Winter gemütlich beleuchtet. Es ist eines von unzähligen Gastronomiebetrieben direkt am Wasser. Besonders bei schlechtem Wetter lässt es sich mit Meerblick und Heißgetränk besonders gut aushalten. © Lia Stoike
Glühwein, Grog, Pharisäer oder Kakao mit Sahne – heiße, winterliche Getränke schmecken erst so richtig, wenn es draußen kalt und ungemütlich ist. Während im Sommer an der Nordseeküste noch lange Schlangen und Platzmangel in Cafés und Restaurants für Ärger sorgten, ist davon in der Winterzeit weniger zu spüren. Also Buch schnappen und ein warmes Getränk genießen!
Glühwein, Grog, Pharisäer oder Kakao mit Sahne – heiße, winterliche Getränke schmecken erst so richtig, wenn es draußen kalt und ungemütlich ist. Während im Sommer an der Nordseeküste noch lange Schlangen und Platzmangel in Cafés und Restaurants für Ärger sorgten, ist davon in der Winterzeit weniger zu spüren. Also Buch schnappen und ein warmes Getränk genießen! © IMAGO/xafrica_imagesx
Familie am Strand von Wilhelmshaven bei Wind und Regen
Ein Spaziergang am Wasser ist auch bei Wind und Regenwetter etwas Besonderes für die ganze Familie. Dick eingepackt in warme, wasserdichte Winterkleidung bleiben Leib und Füße trocken. Der Warme Tee oder Kakao schmeckt nach so einem Ausflug gleich doppelt so gut.  © dpa/Mohssen Assanimoghaddam
Boßeln am Deich
Neben Reiten, Wandern oder einer ausgiebigen Fahrradtour in warmer Kluft, gehört Boßeln ebenfalls zu einer Aktivität, die bei Urlaubern im Winter keine Langeweile aufkommen lässt. Es handelt sich dabei um eine typisch norddeutsche Art „Kugelwerfen“. Hartgesottene können zudem eisbaden gehen, eine Tradition, die in Norddeutschland vor allem an Neujahr praktiziert wird. © dpa/Bodo Marks
Thalasso Badehaus Norderney bade:haus
Warme Bäder, Sauna und Schwimmbereiche auch für Kinder – viele Urlaubsorte, hier die Ostfriesische Insel Norderney, verfügen über Thermal- und Thalassobäder. HIer können sich Urlauber Tage vertreiben, an denen das Wetter zu schlecht für Aktivitäten an der frischen Luft ist.  © Lia Stoike
Manche Schwimm- und Thermalbäder verfügen über beheizte Außenbereiche, die auch im Winter betrieben werden.
Manche Schwimm- und Thermalbäder verfügen über beheizte Außenbereiche, die auch im Winter betrieben werden. © IMAGO / ITAR-TASS

Doch während viele Menschen sich vermutlich über die zerstörte Grabdekoration ärgern, zerstören andere Friedhof-Besucher die Maßnahmen gegen die Invasion. Immer noch würden die Tiere angefüttert und aufgestellte Lebendfallen beseitigt werden, so Bürgermeister Ulrichs im vergangenen Jahr. Auch Damwild erobert derzeit Norderney – doch Naturschützer warnen vor den hübschen Hirschen.

Kaninchen-Ärger auf Norderney: Touristen und Brutvögel freuen sich über Population

Doch abgesehen davon, dass die Wildkaninchen zu einer größeren Artenvielfalt auf Norderney beitragen, kann ihr Dasein auch anderen Tieren zugutekommen. Der Steinschmätzer, ein bedrohter Brutvogel, profitiert etwa von den Kaninchenbauten. Wie The Weather Channel berichtet, werden die leeren Höhlen der Tiere von den Vögeln als Nistplätze genutzt. Zudem erleichtert die kurze Dünenlandschaft den Steinschmätzern die Nahrungssuche, da diese durch die von Kaninchen abgefressene Vegetation leichter an Insekten gelangen.

Eingänge zu den unterirdischen Bauten der Wildkaninchen lassen sich auf Norderney viele finden.

Dürften zwar viele Einheimische von den Fellnasen auf Norderney mehr genervt als begeistert sein, erfreuen sich die Touristen an den flauschigen Tieren. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung kommen die Wildkaninchen aus ihren unterirdischen Bauten und hoppeln über die Dünen oder Wiesen der Insel. Ein besonders guter Spot für die Sichtung im Norderney-Urlaub ist die sogenannte Kaninchendüne nahe dem Nordstrand.

Weder Wolf noch Kaninchen sind Bedrohung für Urlauber oder Einheimische auf Norderney

Übrigens: Eine Gefahr für Menschen stellen weder die Wildkaninchen, noch der neueste Inselbesucher, der Wolf, dar. Der Wolf auf Norderney wurde bisher nur von Wildtierkameras fotografiert. „Kein Mensch hat ihn hier zu Gesicht bekommen“, sagt Bürgermeister Ulrichs vor wenigen Wochen. Das Tier sei hauptsächlich nachts im Dickicht auf, wo keine Menschen unterwegs seien. Bei der Nahrungssuche dürfte der sich jedoch über die große Kaninchenpopulation auf der Nordsee-Insel freuen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Philipp Schulze & IMAGO / blickwinkel

Kommentare