VonJannick Ripkingschließen
Dr. Marcel Holy ist Wolfsberater im Landkreis Diepholz und ein Experte für dieses Tier. Im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung spricht er über die Glaubwürdigkeit der Wolfsbegegnung von Stephan Schumacher in Drebber.
Drebber / Diepholz – Zwei Wölfe, die einen Hasen jagen, einer von ihnen kommt einem Radfahrer dabei so nahe, dass er den Atem des Tieres am Knie spürt. Weniger als einen Meter soll der Abstand zwischen Wolf und Mensch betragen haben. Das jedenfalls sagt Stephan Schumacher, der die oben beschriebene Begegnung erlebt haben will. Allerdings zweifeln einige Leser in Online-Kommentaren oder in Leserbriefen an der Glaubwürdigkeit dieser Erzählung. Wie realistisch ist also dieses von Schumacher beschriebene Szenario? Die Mediengruppe Kreiszeitung hat bei Dr. Marcel Holy, Wolfsberater im Landkreis Diepholz, nachgefragt.
„Das hört sich für mich erst einmal nach einer Zufallsbegegnung an“, sagt der Experte nüchtern. Er meint: „Die Situation, dass Wölfe plötzlich im Scheinwerferlicht eines Fahrrades auftauchen, ist durchaus möglich.“ Wenn auch selten. „Aber das heißt ja nicht, dass die Wölfe dann direkt kurz davor sind, jemanden anzugreifen.“ Außerdem sei es nicht unüblich, dass die Raubtiere Jagd auf Hasen machen: „Das kann schon sein. Irgendwann müssen auch Jungtiere das Jagen lernen.“
Die Situation, dass Wölfe plötzlich im Scheinwerferlicht eines Fahrrades auftauchen, ist durchaus möglich. Aber das heißt ja nicht, dass die Wölfe dann direkt kurz davor sind, jemanden anzugreifen.
Hinter der Aussage, Schumacher habe den Atem des Tieres gespürt, stecke sicherlich eine gewisse Polemik, so der Wolfsberater. Der Rest der Erzählung könne sich allerdings tatsächlich so abgespielt haben und müsse nicht unbedingt aus der Luft gegriffen sein.
Auch der beschriebene Ort zwischen Drebber und Heede sei passend. Für das Barnstorfer/Goldenstedter Rudel sei „ein Ausflug nach Drebber normal“. Holy sagt: „Das ist für diese Tiere nur ein Katzensprung. Sie laufen sogar viel weiter.“ Das Territorium dieses Rudels erstrecke sich ungefähr von Diepholz bis Visbek und von Freistatt bis Twistringen. „Das belegen Genproben, die von gerissenen Nutztieren in diesen Gebieten gemacht wurden“, erklärt er.
Allzu hoch sollte man diese Erzählung von Schumacher aber nicht hängen, meint Marcel Holy: „Er hat ja selbst geschildert, dass die Tiere es nicht auf ihn abgesehen haben, sondern etwas anderes im Sinn hatten“ – nämlich den Hasen.
