19 statt 7 Prozent

„Extrem enttäuscht“: Gastronomen müssen wieder mit höherer Mehrwertsteuer kalkulieren

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Norman Kostelidis, Chef vom Garbs am Markt, blickt mit seinen Kollegen optimistisch, aber auch mit Respekt, in die kommende Gastronomie-Zeit.
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Seit dem 1. Januar liegt die Mehrwertsteuer für Gastronomen wieder bei 19, und nicht mehr bei 7 Prozent. Wie Restaurants in Weyhe im Landkreis Diepholz in Niedersachsen damit umgehen.

Weyhe – Um die Gastronomie während der Corona-Pandemie zu entlasten, hatte die Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz auf Speisen und Getränke vorübergehend von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Im Januar dieses Jahres ist der Steuersatz wieder auf 19 Prozent gestiegen. Die Kreiszeitung hat bei Weyher Gastronomie-Betrieben nachgefragt, wie sie damit umgehen, ob sie die Erhöhung an die Gäste weitergegeben haben und welche Auswirkungen sie in den ersten drei Wochen des Jahres beobachten. Im Kreis Diepholz hatte es noch im November eine Petition gegen die Mehrwertsteuererhöhung gegeben.

19 statt 7 Prozent: So gehen Weyher Gastronomen mit der Mehrwertsteuererhöhung um

„Wir haben unsere Speisekarte mit dem Hintergrund der Mehrwertsteuererhöhung im Dezember angepasst“, sagte zum Beispiel Norman Kostelidis, Geschäftsführer des Restaurants Garbs am Markt. Im Schnitt würden die Speisen etwa zehn Prozent mehr kosten. „Bei manchen sind wir auch nur um sechs oder sieben Prozent hochgegangen“, erklärte Kostelidis.

Insgesamt merkt der Chef in den ersten Wochen aber, dass die Gäste die Erhöhung akzeptiert haben. „Der Weyher Kunde honoriert bei uns das Preis-Leistungs-Verhältnis und kommt weiterhin zum Essen“, sagte Kostelidis, als er an einem frühen Mittwochabend noch vor 18 Uhr in sein schon sehr gut gefülltes Restaurant blickte. Seit der Corona-Pandemie sei es, auch im Zuge des Ukraine-Krieges, immer wieder zu Preiserhöhungen bei Garbs am Markt gekommen. „Das ist ja wie überall“, erklärte er mit Blick auf hohe Energie- und Lebensmittelkosten.

„Extrem enttäuscht“ ist Kostelidis darüber, dass die Bundesregierung „trotz anderer Aussagen“ die Mehrwertsteuer wieder erhöht hat. Aber: „Die Gäste halten uns die Stange, das ist toll.“

Dall‘Italiano hat Preise um rund 7 Prozent erhöht

Um etwa sieben Prozent hat das Dall’Italiano am Richtweg 78 die Preise am 1. Januar angehoben. „Zwölf Prozent wären zu viel gewesen. Das Essen wäre dann einfach zu teuer“, erklärte Restaurant-Chef Mario Berisha.

Bisher habe er keinen Gästeschwund in den ersten drei Januar-Wochen bemerkt. „Einige haben aber zweimal auf die Rechnung geschaut, als sie sie bekommen haben. Beim Bezahlen machen sich die erhöhten Preise ja erst bemerkbar“, sagte Berisha – gerade bei Familien mit Kindern. Auch in seinem Restaurant herrschte an einem Tag in der Mitte der Woche am frühen Abend viel Betrieb.

„Die Angst“, so Berisha, „dass in den kommenden Monaten weniger Gäste kommen, ist da“. Welche Auswirkungen die Preiserhöhungen haben, werde sein Team „wahrscheinlich erst so richtig im April, Mai merken“.

Mittagstisch im Kirchweyher Hof teurer geworden

Eine neue Karte mit vielen neuen Speisen hat das Restaurant Das Wey Ende Dezember erstellt. „Da haben wir die Mehrwertsteuererhöhung ein bisschen mit einkalkuliert“, sagte der Chef, Matthias Struve. Mit den Preisen sei Das Wey somit minimal „hoch gegangen“. Größere Probleme – im Gegensatz zur Mehrwertsteuererhöhung – sieht Struve in den sehr hohen Kosten für Energie und Lebensmittel, wie er sagt.

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Da er Das Wey mit seinem Partner Tobias Wirch erst im September 2023 eröffnet hatte, kann Struve „nicht sagen, ob in den ersten drei Wochen des Jahres weniger los war als im Januar 2023“. Allgemein sei der Januar ein Monat, in dem in Restaurants eher weniger los ist. „Da sind viele noch satt von den Feiertagen“, erzählte Struve. Was ihm außerdem auffällt: „Einige Gäste bestellen nur eine Vorspeise. Ob das mit den Preisen zusammenhängt, weiß ich aber nicht.“

Von 10,20 auf 11,80 Euro sind die Preise für den Mittagstisch im Kirchweyher Hof kürzlich angestiegen. „Wir konnten den Preis einfach nicht erhalten“, sagte Geschäftsführer Frank Bölling. In der Speisekarte haben sich die Kosten für das Essen dagegen nicht verändert. Dafür sah Bölling „keine Veranlassung“.

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