VonAchim Kienbaumschließen
Stolze 1400 Jahre ist die Stadt Soest nun alt. Zum Jubiläum soll gefeiert werden. Dazu ist eine Lange Nacht der Kultur geplant.
Soest - Für die wirklich schönen Dinge im Leben hatten die allermeisten Menschen in Soest Anno 624 wenig Sinn: Dafür war ihr Alltag zu hart und dafür erforderte es zu viel Zeit und Energie, ihn einfach nur zu bewältigen. Das ist heute anders: Kunst und Kultur haben einen hohen Stellenwert in der Stadt – und das soll auch bei der großen Feier zum 1400-Jährigen vom 22. bis zum 25. August deutlich werden.
1400 Jahre alt, aber kulturell topfit: Stadtjubiläum startet mit Langer Nacht der Kultur
Eröffnet werden wird das Vier-Tage-Fest nämlich mit einer „Langen Nach der Kultur“ am Donnerstag, 22. August. Wenn die Sonne langsam jenseits der Stadtmauern sinkt, wird das historische Zentrum der Stadt von 18 bis 22 Uhr zur Bühne – oder besser: zu zehn Bühnen. An so vielen „historisch relevanten Plätzen“, alle fußläufig innerhalb weniger Minuten erreichbar, wird es nämlich jeweils 30-minütige Vorstellungen geben, die erste um 18 Uhr. Nach jeder Nummer gibt es eine 15-minütige Pause, genügend Zeit für Besucher, um die nächste Location zu erreichen. Und das wird geboten:
Burghof
Anlässlich des Stadtjubiläums hat Anatol Weissert, der Leiter der „Wertstoff-Bühne“, in Zusammenarbeit mit dem Soester Stadtarchiv 14 kurze Spots geschrieben, einen für jedes Jahrhundert. Darin werden „bedeutende oder bemerkenswerte Ereignisse aus der Stadtgeschichte“ inszeniert. Stadtarchivar Norbert Wex verspricht „ein kurzweiliges Schauspiel für alle, die kurze, teils humoristische Sketche lieben“. Aufgeführt werden sie unter freiem Himmel, das reizvolle Burghof-Gelände wird in die Inszenierungen einbezogen.
Grandwegertor-Bastion
So ungewöhnlich der Spielort ist, so besonders soll auch die „künstlerische Erfahrung“ werden, die Angelika Höger mit ihrer Raum-Installation in der Grandwegertor-Bastion aufbaut. Ihre selbstständig agierenden Kunstwerke sollen „Türen zu neuen Perspektiven öffnen“ – ähnliches mag im Einzelfall auch dem kleinen Weinausschank zugeschrieben werden dürfen, der „aus historischem Anlass“ angeboten wird.
Hohnekirche
Bei den beiden Soester Meisterchören „Soester Vokalensemble“ und „Frizzante“ gibt es in der besonderen Atmosphäre der Hohnekirche mit ihrer exzellenten Akustik Hörgenuss mit einem abwechslungsreichen Programm aus weltlicher und geistlicher Vokalmusik aus mehreren Jahrhunderten.
Marktplatz
Nichts für lichtscheue Besucher, die am liebsten keine Spuren hinterlassen, sind die riesigen drei Banner auf dem Marktplatz – alle anderen sind eingeladen, genau das dort zu tun, also Spuren zu hinterlassen. Sie können das, indem sie beim „Action Painting“ mitmachen und unter dem Einsatz von Farbe aus besagten drei Bannern ein „partizipatives Kunstwerk“ schaffen, gerne mit Beiträgen zu den Themen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Museum Wilhelm Morgner
Auf eine „digitale Schnitzeljagd“ können Besucher in den Museumsräumen (einschließlich dem Raum Schroth) gehen: Bei zwei Ratespielen, eins für „clevere Ratefüchse“, eins für „quirlige Entdeckerfamilien“, gilt es, spannende Details von Kunstwerken zu finden, die im Haus ausgestellt sind. Am Ende wartet eine kleine Überraschung.
Rathaus/Vreithof
Wo sonst Politik und Verwaltung das Sagen haben, legt ausnahmsweise das „Burning Big Band Project“ der Musikschule ein Fensterkonzert hin: Auf der Rathaustreppe spielen die Musiker der Formation „bodenständig, aber lautstark“, aus den Fenstern im dritten Stock des Barockgebäudes liefern die Sängerinnen und Sänger mit ihren Stimmen den „Surround Sound“ zum Klangbild.
Nikolaikapelle
Ebenfalls musikalische Feinkost, in diesem Falle aus der Abteilung Klassik, servieren Jin Kim und Esther Grevink (Violine), Bernd-Udo Winkler und Matthias Hesse (Viola) sowie Yuko Uenomoto und Ulrich Rikus (Violoncello) jeweils eine halbe Stunde lang in der akustisch reizvollen Atmosphäre der kleinen Kapelle.
Osthofentor
Artistisch und magisch wird es am Eingang zur Altstadt: Die „Gesetze der Schwerkraft werden auf den Kopf gestellt“, wenn dort unter anderem zwei Artisten an einem sechs Meter hohen Mast spektakuläre Figuren zeigen oder eine Künstlerin mit einer magischen Kristallkugel jongliert.
Petrikirchhof Süd
Kontrastprogramm, nicht nur für Fans von Zeitreisen: Im Herzen der Altstadt, vor der ältesten Soester Kirche, lädt ein DeLorean dazu ein, den Fluxkompensator zu zünden und wie Marty McFly und Doc Brown „zurück in die Zukunft“ zu fliegen.
Stadtbücherei
Ebenfalls eine Zeitreise, in diesem Fall aber eine temporeich improvisierte, humorvolle und höchst spontane mit den Künstlern des Placebo-Theaters aus Münster, erwartet die Besucher der „Langen Nacht“ in den Räumen der Stadtbücherei.
Petrikirchhof Nord
Zum Finale einer hoffentlich furiosen Reise durch die Soester Stadtgeschichte und ihrer Gegenwart als höchst lebendige Kulturstadt wird um 21.45 Uhr ein klassisches Barock- und Bodenfeuerwerk abgefeuert, mit rund 1000 Effekten und bis zu einer Höhe von 20 Meter.
„Geschichte wie im Zeitraffer“
„Der besondere Reiz der Langen Nacht der Kultur liegt nicht nur in der Vielzahl der unterschiedlichen Angebote oder der individuellen Nutzbarkeit“, erklärt Projektleiter Norbert Wex, „sondern auch darin, Stadtgeschichte und ihre Geschichten wie im Zeitraffer unterhaltsam betrachten und Soest als ausgesprochen vitale Kulturstadt erleben zu können.“
Und wenn dieses Erlebnis dann auch noch ein leises Bedürfnis nach einem interreligiösen Abendgebet auslöst – dann muss auch dieses Bedürfnis nicht unbefriedigt bleiben: Feuerwerk zum Finale. Unmittelbar nach dem Barockfeuerwerk laden die christlichen Kirchen und weitere örtliche Religionsgemeinschaften aus der Stadt zu eben jenem ein.
Ein Veranstaltungshighlight gab es am vergangenen Wochenende bereits in Soest: Die Neue Deutsche Welle-Party lieferte am Samstagabend, 20. Juli, eine perfekte Show. Die Stars der 80er gaben alles, das Publikum war begeistert.
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