Stellenabbau

Kostal kündigt 429 Mitarbeitern – Dutzende von ihnen reichen Klage ein

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Mehrere Kostal-Beschäftigte wehren sich gegen ihre Kündigung.
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Die Firma Kostal hat 429 Mitarbeiter entlassen. Viele Betroffene wehren sich jetzt. Sie haben eine Klage eingereicht.

Lüdenscheid/Meinerzhagen – Die Schließung der Kostal-Standorte in Lüdenscheid und Meinerzhagen erfolgen mitnichten so geräuschlos wie es sich die Unternehmensführung nach Aushandlung eines Sozialplans wohl gewünscht hätte: Wie Timo Holger Mohr, Pressesprecher des Arbeitsgerichts Iserlohn, auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, liegen bislang 56 Kündigungsschutzklagen vor, von denen noch 37 anhängig seien.

Kostal kündigt 429 Mitarbeitern – Dutzende reichen Klage ein

Die Gesamtzahl der Kündigungen, die durch die Kostal Automobil Elektrik GmbH & Co. KG ausgesprochen wurden, ist ungleich höher und liegt nach Informationen unserer Redaktion für die Standorte Lüdenscheid und Meinerzhagen bei 429, die in zwei Zeiträumen ausgesprochen wurden. Zum 30. Juni dieses Jahres war 243 Mitarbeiter gekündigt worden, während zum 31. Dezember 2024 weitere 186 ihren Job verlieren.

„Sprinterprämie“: Früherer Abschied wird belohnt

Wie es aus gewerkschaftsnahen Kreisen heißt, haben offenbar mehr als 300 Arbeitnehmer eine sogenannte Sprinterprämie in Anspruch genommen: Für jeden Monat, den sie Kostal früher verlassen, erhalten sie nach Informationen unserer Zeitung zusätzlich zum Monatsgehalt 1000 Euro extra. Die Höhe der Abfindung ist indes vom Lebensalter der Mitarbeiter abhängig. Arbeitnehmer zwischen 56 und 62 Jahren sollen inklusive Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld bis zu 21 Monatsgehälter, alle jüngeren zwischen 12 und 14 Monatsgehälter erhalten. Und auch eine sogenannte Klageverzichtsprämie soll ausgehandelt worden sein: Diese beträgt, wie es heißt, einmalig 3000 Euro.

Die Firma Kostal hat 429 Mitarbeiter entlassen. Viele Betroffene wehren sich dagegen und haben nun eine Klage eingereicht.

Konfliktpotenzial barg diese Vereinbarung für einige Mitarbeiter aber offenbar doch – mit Folgen für das Arbeitsgericht. „In Bezug auf die Betriebsänderung bei der Kostal Automobil Elektrik GmbH & Co. KG sind ab dem 27. November 2023 bis zum 31. Dezember 2023 insgesamt 38 Kündigungsschutzklagen bei der 2. und 3. Kammer des Arbeitsgerichts Iserlohn eingegangen“, antwortet Gerichtssprecher Timo Holger Mohr auf eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion.

Im Januar und Februar dieses Jahres seien weitere sechs Klagen hinzugekommen, ehe in den folgenden Monaten bis einschließlich Mai keine Eingänge von Kostal-Mitarbeitern verzeichnet worden seien. Dafür stieg die Zahl der Kündigungsschutzklagen dann aber erneut im Juni – also kurz vor Vollzug der zweiten Kündigungswelle – an: Zwölf Klagen kamen im vergangenen Monat noch einmal hinzu, sodass das Arbeitsgericht es mit insgesamt 56 Kostal-Fällen zu tun hat.

Viele Gütetermine stehen noch aus

19 dieser Fälle endeten nach Informationen des Gerichts mit einem Vergleich, weitere 19 – eingegangen zwischen November 2023 und Februar 2024 – befänden sich derzeit im Stadium vor dem Kammertermin. Die im Juni eingegangenen Kündigungsschutzklagen seien als Gütetermine für den Juli und August terminiert. Bleiben noch sechs Termine, bei denen es die klagenden Arbeitnehmer versäumten, vor Gericht zu erscheinen. Diese Klagen wurden daher zunächst abgewiesen, allerdings lägen hier bereits Einsprüche vor, sodass weitere Fortsetzungstermine anberaumt seien, wie Gerichtssprecher Timo Holger Mohr erklärt.

Das Unternehmen Kostal Automobil Elektrik hatte bereits im Juni 2022 angekündigt, seine Standorte in Lüdenscheid und Meinerzhagen aufzugeben. Der Standort in Halver war schon Ende 2022 aufgegeben worden.

IG Metall: Mehr als die Hälfte der ursprünglich angekündigten Personen vor „harten Kündigungen“ gerettet

Zunächst hatte Kostal angekündigt, bis Ende 2024 bis zu 1000 Mitarbeiter im Märkischen Kreis entlassen zu müssen. Wie viele am Ende von den Einsparplänen tatsächlich betroffen sein werden, ist unklar. Auch die IG Metall kann dazu keine verlässlichen Angaben machen, wie deren Erster Bevollmächtigter Fabian Ferber erklärt.

Denn allein mehr als 100 Personen hätten innerhalb des Kostal-Konzerns die Stelle gewechselt. Aber: „Wir gehen davon aus, dass wir über die Hälfte der ursprünglich angekündigten Personen vor harten Kündigungen retten konnten“, schreibt Ferber in einer Stellungnahme.

Von Kündigungsschutzklagen habe die Gewerkschaft im Rahmen der Rechtsschutzberatung jedoch abgeraten. „Die erste Runde vor Gericht zeigt, dass unsere Einschätzung richtig war“, so Fabian Ferber. Dennoch werde man die IG-Metall-Mitglieder auf dem Rechtsweg unterstützen, weil sie teilweise Zulagen für Schwerbehinderung oder für unterhaltspflichtige Kinder nicht bekommen hätten. „Hier haben wir eine andere Auffassung als der Arbeitgeber, der meint, diese Zuschläge wären auch gedeckelt.“

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