- VonMichael Dörlemannschließen
Die Zahlen zur Schwarzarbeit lassen aufhorchen. Bei der Minijob-Zentrale sind nur fünf Putzhilfen in Hamm angemeldet. Dabei sollten es deutlich mehr sein.
Hamm – Wenn man den Zahlen der Minijob-Zentrale trauen darf, gibt es in Hamm praktisch niemanden, der in privaten Haushalten putzt, wäscht oder anders hilft. Gerade einmal fünf Menschen sind bei der Minijob-Zentrale angemeldet, die in Hamm in privaten Haushalten arbeiten. Davon sind erstaunlicherweise vier Männer und nur eine Frau (Stand 30. September 2024).
Massive Schwarzarbeit: Nur 5 Putzhilfen in Hamm angemeldet
Eine Zahl, die der eigenen Lebenserfahrung und den Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) widerspricht. Fast jeder dürfte einen Privathaushalt kennen, der eine Putzhilfe hat oder jemanden, der in einem Haushalt putzt. Das IW geht als Ergebnis einer Umfrage davon aus, dass es etwa vier Millionen Haushalte in Deutschland gibt, die eine Haushalts- oder Putzhilfe beschäftigen. Etwa 90 Prozent davon dürften nicht angemeldet sein. Wenn das stimmt, müsste es nach der Einwohnerzahl gerechnet bis zu 8000 Haushalte in Hamm geben, die eine Hilfe beschäftigen.
Die Minijob-Zentrale
Die Minijob-Zentrale ist die zentrale Meldestelle für sogenannte geringfügig Beschäftigte in Deutschland – für Menschen, die nicht mehr als 556 Euro im Monat für ihre Arbeit bekommen. Sie ist im Jahr 2003 als eine Abteilung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See gegründet worden. Die Minijob-Zentrale zieht den Beitrag für die Kranken- und die Rentenversicherung, den Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung und zwei Prozent vom Arbeitsentgelt als Pauschsteuer ein – sowie die Umlagen für die Erstattung von 80 Prozent der Zahlungen im Krankheitsfall sowie 100 Prozent beim Mutterschutz.
Warum so viele schwarz im Haushalt arbeiten und nicht angemeldet werden, kann Pressesprecherin Sandra Antoni von der Minijob-Zentrale in Bochum nur vermuten. Viele Haushaltshilfen hätten wohl mehrere Minijobs nebeneinander und kämen dann mit dem Gesamtverdienst über die Grenze von 556 Euro, ab der Beschäftigte sozialversicherungspflichtig werden – dann ist der Verdienst nicht mehr brutto gleich netto. Wenn eine Haushaltshilfe Sozialleistungen bezieht, könne es außerdem sein, dass der Verdienst ganz oder zum Teil von diesen Leistungen abgezogen wird – möglicherweise ein Grund, die Einkünfte zu verschleiern.
Fokus der Zoll-Kontrolle liegt nicht auf Privathaushalten
Auch im Haushalt ist Schwarzarbeit strafbar. Die Gefahr ertappt zu werden ist jedoch gering. Zuständig für die Ermittlungen gegen Schwarzarbeit ist die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls. Für Hamm ist das Hauptzollamt Bielefeld zuständig, das sogar eine Nebenstelle seiner FKS am Alten Uentroper Weg hat – neben Dienststellen in Herford und Paderborn.
„Wir verfolgen jede Form von Schwarzarbeit“, betont Sascha Gawenda, der Pressesprecher des Hauptzollamtes, schränkt aber ein: Der Fokus liege dabei nicht auf den Privathaushalten. „Wir können ja nicht in die Haushalte gehen und kontrollieren, ob dort jemand putzt, der nicht angemeldet ist.“
Zoll-Kontrollstelle kontrollierte 2023 1.572 Arbeitgeber in 2023
Genaue Zahlen, wie viele Fälle von Schwarzarbeit die Dienststelle der FKS in Hamm ermittelt hat, kann er nicht nennen. Das Hauptzollamt werte keine Zahlen für die einzelnen Dienststellen aus. „Außerdem ist die FKS in Hamm nicht nur für die Stadt zuständig, sondern für einen größeren Bereich“, erklärt er.
Immerhin gibt es Zahlen für den gesamten Bereich des Hauptzollamtes: Die FKS überprüfte im Jahr 2023 insgesamt 1572 Arbeitgeber und befragte dabei 21 698 Beschäftigte. Dabei stießen die Fahnder auf zahlreiche Schwarzarbeit: Sie leiteten 3674 Straf- und 2219 Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Durch die Ermittlungen der FKS wurde eine Schadenssumme von gut 29 Millionen Euro aufgedeckt. Sie setzt sich zusammen aus der Unterschreitung des Mindestlohns, aus nicht oder zu wenig gezahlten Beiträgen zur Sozialversicherung und zur Berufsgenossenschaft und zu Unrecht erhaltenen Sozialleistungen.
Wo die FKS vor allem ermittelt, zeigt sich bei den Pressemitteilungen des Hauptzollamtes im vergangenen Jahr. Auf Baustellen, in der Gastronomie, bei Dienstleistungen und im Transportgewerbe. Bei einer Prüfung auf einer Baustelle in Hamm im vergangenen August stießen die Zollfahnder auf sieben illegal beschäftigte Männer aus Usbekistan. Bei einer Aktion in zwei Nagelstudios in Lippstadt, ebenfalls im August, waren nur fünf von 15 Überprüften legal beschäftigt. Mehrfach fanden die Fahnder illegal Beschäftigte auf Glasfaser-Baustellen in Ostwestfalen.
Anmeldung der Haushaltshilfe bringt Vorteile für beide Seiten
Haushalte sollten nicht nur, weil sie sich sonst strafbar machen, darüber nachdenken, Hilfen ordnungsgemäß bei der Minijob-Zentrale anzumelden. Das hat für beide Seiten Vorteile: Einer davon ist die Unfallversicherung, die bei Arbeits- und Wegeunfällen greift. Minijobber sind darüber hinaus rentenversichert und haben Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit und Mutterschaft. Die Kosten dafür bekommen diejenigen, die sie beschäftigen, über die Arbeitgeberversicherung größtenteils erstattet.
Außerdem bekommen sie keinen Ärger mit dem Finanzamt, sondern haben sogar einen Steuervorteil: Sie können einen Teil der Kosten für die Haushaltshilfe bei der Einkommensteuer absetzen. „In einigen Fällen bekommen Haushalte dabei sogar mehr heraus als sie bezahlen, wenn sie die Haushaltshilfe regulär anmelden“, sagt Sandra Antoni von der Minijob-Zentrale. Einen Rechner dazu gibt es auf der Seite der Minijob-Zentrale www.minijob-zentrale.de unter dem Punkt Service.
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