NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst tourte am Montag durch Südwestfalen. Am Morgen besuchte er ein Lüdenscheider Unternehmen, das sich als Pionier moderner Drohnen-Logistik einen Namen gemacht hat.
Lüdenscheid - Die Morpheus Logistik GmbH ist mit ihrer Drohnen-Airline im Aufwind. Im nächsten Monat, so Vertriebs- und Marketingleiter Clemens Blume, sollen sechs neue Mitarbeiter eingestellt werden. „Unsere Auftragslage entwickelt sich exponentiell.“ Am Montagmorgen besuchte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst den Morpheus-Geschäftsführer Norman Koerschulte und dessen 13-köpfiges Team am Standort Wefelshohl. Dabei wurde bekannt: Das Unternehmen will Lüdenscheid noch in diesem Jahr verlassen und nach Dortmund umziehen.
Drohnen-Pionier: NRW-Ministerpräsident Wüst besucht Lüdenscheider Unternehmen
Dass der Transport industrieller Güter oder medizinischer Produkte auf programmierten Flugrouten ein innovativer, wachsender Markt ist, steht nach Worten des Regierungschefs „beispielhaft für die Erneuerungschancen, die Nordrhein-Westfalen auch in etablierten Branchen wie der Logistik bietet“. Dafür brauche es „mehr Freiräume zum Ausprobieren und Weiterentwickeln“.
Ziel sei es, NRW zur Vorreiterregion für eine leistungsfähige Drohneninfrastruktur zu machen. Wüst: „Wir wollen schnell wachsende, innovative und lokal vernetzte Unternehmen mit den richtigen Rahmenbedingungen unterstützen, statt sie auszubremsen.“ Die neue Bundesregierung müsse die europäische U-Space-Verordnung, die den Verkehr für unbemannte Luftfahrzeuge regelt, in deutsches Recht überführen.
Einer der ersten Morpheus-Kunden und damit ein Wegbereiter für Koerschultes Initiative ist der Lüdenscheider Unternehmer und CDU-Landtagsabgeordnete Ralf Schwarzkopf. Der Geschäftsführer der Firma Hotset, ebenfalls im Wefelshohl ansässig, erinnert sich beim Besuch des Ministerpräsidenten an die Anfänge. „Norman Koerschulte hat mir seine Ideen präsentiert, und wir haben entschieden: Da machen wir mit.“
Drohnen-Logistiker im Aufwind
Inzwischen beliefern die Morpheus-Drohnen zahlreiche Kunden mit bis zu zehn Kilogramm schweren Frachten – seien es Werkzeuge oder Ersatzteile für die Industrie, aber inzwischen auch Laborproben, Medikamente oder Blutkonserven für Kliniken. Die Einsatzmöglichkeiten wachsen mit der Drohnenflotte des Lüdenscheider Unternehmens und dem Personalstamm, zu dem auch geschulte Piloten gehören, die die Routen der vollautomatisierten Flugsysteme in der Leitzentrale überwachen. Reichweiten von bis zu 250 Kilometern sind derzeit möglich.
Bei Aufbau des Flugbetriebes mit ersten Testflügen im Februar 2024 hatten Norman Koerschulte und seine Mannschaft eine Menge technischer und bürokratischer Hürden zu überwinden. Am Ende stand die sogenannte Sail-III-Genehmigung für Drohnen-Logistik-Transporte innerhalb der EU.
Die Sperrung einer Autobahn wie die A45, Staus in Städten und auf Landstraßen mit Störungen in Lieferketten oder steigende Transportkosten auf der Straße – das alles soll für Morpheus-Kunden keine Rolle mehr spielen, so die Philosophie. Clemens Blume: „Auch Regen ist kein Problem. Wenn der Deutsche nicht mehr hinausgeht, dann fliegen wir immer noch.“ Nur starke Stürme können den Flugverkehr demnach beeinträchtigen.
So beeindruckt sich der Ministerpräsident bei seiner Visite von dem Lüdenscheider Erfindergeist zeigte, so überraschend wirkte die Nachricht, dass die Morpheus Logistik GmbH ihre Zelte in der Kreisstadt abbrechen will. Vertriebs- und Marketingleiter Clemens Blume ist nach ersten Gesprächen in Dortmund mehr als angetan. „Das Interesse an uns ist dort enorm. Man uns zugesagt, dass wir das komplette Dortmunder Netzwerk nutzen können.“