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Bald starten wieder hunderte Heißluftballone in Warstein. Doch dass der Ballonsport noch mehr bietet als die klassische Fahrt, hat zuletzt unter anderem das „Happy Ballooning“-Team bewiesen.
Warstein – Der Ballonsport an sich ist schon ein Faszinosum, das ab dem kommenden Freitag hoffentlich wieder tausende Besucher nach Warstein zur Internationalen Montgolfiade locken wird. Ein Faszinosum, weil mit vergleichsweise einfachen Mitteln eindrucksvolles geschaffen wird. Dass in diesem Sport aber noch mehr geht als die klassische Ballonfahrt über Berg und Tal, beweisen seit einigen Jahren unter anderem die Piloten des Warsteiner „Happy Ballooning“-Teams. Und werden es, sofern die Bedingungen stimmen, auch am ersten Montgolfiade-Wochenende vorführen.
Das Stichwort lautet „Tethering“, aus dem Englischen übersetzt steht es für das Anbinden des Heißluftballons am Boden beziehungsweise an fixen Ankerpunkten wie beispielsweise Autos. Das Ziel dabei ist also nicht, möglichst hoch oder weit zu fahren, sondern den Heißluftballon bestmöglich an Ort und Stelle und dennoch in der Luft zu halten, erklärt Dominik Pfeiffer, erster Vorsitzender des Ballonclubs.
Und dann? Dann wird der Ballonkorb zur Bühne. Im Bikepark Gellinghausen nutze Mountainbiker Marlon Katzke eine unter dem Ballonkorb montierte Fläche als Absprungschanze, Sarah Kunz aus Heidelberg präsentierte Seilakrobatik unter dem Korb hängend. Das ist auch als einer der Höhepunkte für das kommende Wochenende zwischen Ballonstarts und Nightglow eingeplant – sofern das Wetter mitmacht.
Erweiterung des Pilotenscheins
Dabei kam die Akrobatin schon vor einiger Zeit auf das Ballonteam zu. Einfach so ging das aber nicht, „das ‚Tethering‘ ist eine Erweiterung im Pilotenschein, die bei uns auch nicht jeder hat“, erklärt Pfeiffer: „Und wir haben uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht, um alles abzusichern, um das Risiko so, falls etwas passiert, so gering wie möglich zu halten. Das Ganze nennt sich dann ‚Special Operation‘.“ Checklisten und Risikoanalysen wurden geschrieben, das Langenbachtal bot dann vor wenigen Wochen die entsprechende Kulisse für die Aktion.
Mit Seilen wird der Heißluftballon an drei sich gegenüberstehenden Autos fixiert, in bis zu 30 Metern Höhe bleibt er dann in der Luft „stehen“. „Im Grunde können wir das über mehrere Stunden machen, wir müssen aber immer ganz genau auf die Windrichtung schauen. Wenn sich die Windrichtung ändert, müssen quasi auch die Ankerpunkte wechseln, weil sich sonst die Seile verdrehen könnten.“ Und während Böen bei einer klassischen Fahrt den Ballon einfach treiben, ist das beim „Tethering“ aufgrund der Fixierung nicht möglich: „Das kann dann schon einmal zu einer schaukeligen Angelegenheit im Korb werden.“
Akrobatin Sarah Kunz kletterte dabei nicht aus dem Korb, sondern startete vom Boden mit ihrer Seilakrobatik, war zusätzlich mit einem Klettergurt gesichert: „Wir waren mit zwei Piloten im Korb. Einer hat sich um den Ballon gekümmert, ein zweiter darum, dass die Akrobatik sicher funktioniert.“ Der Korb „stand“ in etwa zehn Metern Höhe.
Bike-Sprung aus drei Metern Höhe
Bei Mountainbiker Marlon Katzke ging vor Ort alles relativ schnell, vielmehr war die Vorbereitung aufwendiger, schildert Pfeiffer: „Wir mussten erst einmal schauen, welche Plattform am Korb sich für den Absprung eignet.“ Logisch: Aus dem Korb selber ist ein Mountainbike-Sprung nicht möglich: „Wir haben dann mehrfach auch hier vor Ort die Sprünge von einer extra angefertigten Plattform durchgesprochen und aus 50 Zentimetern Höhe probiert.“
Im Bikepark in Gellinghausen rüstete das Team dann auf, die „Tethering“-Seile wurden an Treckern befestigt und aus drei Metern Höhe wagte Katzke seine Sprünge: „Das ist am ersten Tag alles direkt gelungen, das hat super geklappt.“ Auch Katzke sowie die Kameraleute, die den Sprung begleiteten, waren begeistert, so Pfeiffer. Die Bilder dienen für ein Image-Video, mit dem das „BYND The Hill“-Festival in Gellinghausen am kommenden Wochenende beworben wird.
„Es gibt viele Möglichkeiten im Ballonsport“, schildert Pfeiffer: „Im Fernsehen hat man auch schon gesehen, dass Personen – natürlich gesichert – oben auf einem Ballon standen.“ Wichtig sei immer, dass die Ideen sicher umsetzbar seien: „Aber klar, es macht Spaß, wenn man den Ballon auf noch anderen Wegen als den klassischen nutzen kann. Und das ‚Tethering‘ ist da ein Weg von.“ Den man, sofern alles passt, auch auf der Montgolfiade bestaunen werden kann.
Rubriklistenbild: © Imagefilm „BYND The Hill“-Festival

