Betrüger vor Gericht

Als die „EK Gold“ in Hamm falsche Polizisten schnappte...

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130.000 Euro ergaunerten besonders dreiste Betrüger im Herbst 2021 in Hamm - danach ging ein ähnlicher Fall in die Hose. Jetzt steht ein Mitglied der Bande vor Gericht.

Hamm – Geld stinkt nicht, Gold erst recht nicht: So beschrieb der WA im Februar 2022 das Motto von Telefonbetrügern, die sich als Polizisten ausgegeben und es auf das Vermögen von älteren Menschen abgesehen hatten. 130.000 Euro erbeuteten sie bei einem Rentner aus dem Hammer Westen. Der zweite Versuch bei einem damals 92-Jährigen über 150.000 Euro scheiterte einige Wochen später – auch dank der akribischen Arbeit der Polizei, die in Hamm eigens eine Ermittlungskommission „Gold“ ins Leben gerufen hatte.

Ein mutmaßliches Mitglied der Betrügerbande, ein 48-jähriger türkischer Mann aus Rheine, muss sich nun an diesem Mittwoch (20. September) vor dem Hammer Schöffengericht verantworten. Er soll als Goldabholer und Fahrer tätig gewesen sein. Die Anführer der Bande werden in der Türkei vermutet.

Dass sich Telefonbetrüger als Polizisten ausgeben, war schon damals gang und gäbe. Neu war allerdings, dass die Schockanrufer ihre Opfer dazu brachten, ihre Ersparnisse in Gold umzutauschen und sich dieses dann unter den Nagel rissen.

„Betrugsdezernat der Hammer Polizei“ am Telefon

Mitte Oktober 2021 rief ein Betrüger bei dem Rentner aus dem Hammer Westen an und präsentierte sich als „Polizeibeamter vom Betrugsdezernat der Hammer Polizei“. Dem Rentner wurde weisgemacht, dass eine rumänische Betrügerbande es auf sein Vermögen abgesehen hätte und dass die Täter auch mit den Bankmitarbeitern unter einer Decke steckte.

Der Senior telefonierte über 14 Tage mit „Kommissar Müller“ und wandelte sein Geldvermögen auf dessen Geheiß in Goldbarren um. Diese übergab er dann im November einem angeblichen Kollegen „Müllers“ – nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft dem jetzt angeklagten 48-Jährigen aus Rheine. Von seinem Beuteanteil soll sich der mehrfach vorbestrafte Mann für 8000 Euro ein Auto angeschafft haben.

Der zweite Fall ging damals in die Hose. Auch da hatte ein „Kommissar Müller“ bei einem Senior angerufen, doch der 92-Jährige roch den faulen Braten und informierte die Polizei. Goldattrappen im angeblichen Wert von 150.000 Euro wurden dem Abholer damals übergeben. Der Mann wurde 2022 in Rheine festgenommen.

Auffällig viele wehrlose Polizistinnen wurden in den vergangenen Tagen in Hamm attackiert. Mal wurde ein Kopf abgetrennt, mal die Hände - mal auch beides. 

Rubriklistenbild: © Arno Burgi

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