VonEva Burghardtschließen
Unter Gelsenkirchen liegt ein verlassener Tunnel. Normalerweise ist dort niemand. Aber einmal im Jahr betritt jemand das Bauwerk – aus Sicherheitsgründen.
Gelsenkirchen – Tief im Boden zwischen den Stadtbahn-Haltestellen Heinrich-König-Platz und Musiktheater liegt ein Ort, den nur wenige Menschen schon einmal gesehen haben: Ein hunderte Meter langer Tunnel unter der Innenstadt. Durch diesen Tunnel sollte einmal eine U-Bahn fahren, die Gelsenkirchen mit Essen in NRW verbindet. Doch mit den Plänen dafür wurde auch der Tunnel stillgelegt. Nur einmal pro Jahr betritt ihn jemand – das dient der Sicherheit.
Uralter Tunnel unter Gelsenkirchen wird nur selten betreten
In den 1970er Jahren entstanden die Pläne für die U-Bahn-Verbindung bis nach Essen. Doch dann fehlte das Geld und das Interesse seitens der Stadt Essen, sagt Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen. So wurde der Bau nie beendet und unter der Stadt Gelsenkirchen liegt nun ein 400 Meter langer Tunnel, der in einer Wand endet.
Wo liegt der Geistertunnel unter der Gelsenkirchen?
► Der Geistertunnel liegt zwischen zwei Haltestellen, die die Stadtbahnen 107, 301 und 302 in Gelsenkirchen heute anfahren.
► Das sind die Haltestellen Heinrich-König-Platz und Musiktheater.
► Darüber liegt die Ebertstraße in der Gelsenkirchener Altstadt.
Etwa einmal im Jahr betreten noch Menschen den Tunnel. Um nach dem Rechten zu sehen, sagt Schulmann. „Da wird dann überprüft, ob Risse im Beton sind.“ So wird sichergestellt, dass der Tunnel weiterhin stabil ist und nicht einsturzgefährdet. Weil sich in so einem Tunnel auch giftige Gase bilden können, werde außerdem die Lüftung angeschaltet. „Der Prüfer sieht auch nach, ob die Glühbirnen noch funktionieren“, sagt Schulmann. Besonders kostspielig sei die Wartung nicht. „Und weil die Glühbirnen nur einmal im Jahr benutzt werden, sind auch die nicht besonders teuer.“
Geistertunnel unter Gelsenkirchen: Wird er nochmal reaktiviert?
Dass durch den Tunnel unter Gelsenkirchen doch einmal U-Bahnen fahren, ist ausgeschlossen, sagt Schulmann. „Klar, man könnte den in Betrieb nehmen, wenn man ihn fertig bauen würde. Aber wer würde das wollen?“ Der Bau einer U-Bahn sei in heutigen Zeiten nicht nur viel zu teuer, sondern sei auch für die Verkehrsführung ungünstig. „Kein Mensch baut heute mehr eine U-Bahn.“
Und so wird der Tunnel unter Gelsenkirchen wohl weiter menschenleer bleiben. Bis wieder jemand die Glühbirnen einschaltet, um nach dem Rechten zu sehen. (ebu)
Rubriklistenbild: © Hans Blossey/imago & Stadt Gelsenkirchen

