VonEva Burghardtschließen
Kaum ein Gelsenkirchener kennt ihn: Tief unter der Innenstadt gibt es einen Tunnel. Der wurde allerdings noch nie genutzt.
Gelsenkirchen – Als ein „Relikt der Anfangseuphorie“ beschreibt Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen, den sogenannten Geistertunnel unter der Gelsenkirchener Innenstadt. Geistertunnel nennt man Tunnel, die nicht (mehr) genutzt werden – vergleichbar mit einem toten Gleis bei der Bahn. Der 400 Meter lange Geistertunnel von Gelsenkirchen, einer von mehreren kuriosen Orten in der Stadt, liegt zwischen den unterirdischen Stadtbahn-Haltestellen Heinrich-König-Platz und Musiktheater, die heute von den Linien 107, 301 und 302 angefahren werden.
Der Geistertunnel in Gelsenkirchen: Wie ist er entstanden?
Vor etwa 50 Jahren habe man mit dem Bau der U-Bahn in Gelsenkirchen in NRW begonnen, sagt Schulmann. „Damals hat man sozusagen vorgegriffen und schon einen Tunnel für Linien gebaut, bei denen noch nicht völlig klar war, dass es sie geben würde.“ Konkret ging es dabei um eine U-Bahn-Verbindung bis nach Essen. „Das war schon sinnvoll, erst einmal die Infrastruktur zu schaffen, wenn man ohnehin ein unterirdisches Bahnsystem bauen wollte.“
Wie werden Tunnel gebaut?
► Beim Tunnelbau wird zwischen zwei Bauweisen unterschieden.
► Wenn der Bereich über dem Tunnel nicht so groß ist, wird die offene Bauweise angewandt.
► Die „offene Bauweise“ beschreibt die Art des Tunnelbaus, bei der der Tunnel während der Bauphase nach oben hin offen ist. Im Englischen ist hierbei auch von „Cut and Cover“ die Rede. Es wird also ein Einschnitt vorgenommen, der Tunnel gebaut und dann wird Einschnitt wieder überdeckt.
►Beim „geschlossenen Tunnelbau“ wird der Tunnel direkt von unten gegraben – ohne Kontakt zum Tageslicht. Dazu werden unter anderem Tunnelbohrmaschinen eingesetzt.
Dazu gab es einen offenen Tunnelbau in Gelsenkirchen. Das heißt, der Boden wurde aufgerissen, um den Tunnel zu bauen, und dann wieder verschlossen. „Es gab damals ein riesiges Loch in Gelsenkirchen“, sagt Schulmann.
Doch dann verlagerte sich der Fokus der Bauarbeiten auf dem Abschnitt zwischen Heinrich-König-Platz und Musiktheater zunächst vor allem nach Norden in Richtung Gelsenkirchen-Bismarck. Die Strecke nach Süden in Richtung Essen wurde vernachlässigt.
Unter anderem sorgte Geldmangel dafür, dass in Gelsenkirchen ein Geistertunnel entstand
„Der Ausbau in diese Richtung wurde dann nicht weiter verfolgt“, sagt Schulmann. Grund dafür sei Geldmangel gewesen. „Aber seitens der Stadt Essen gab es dann auch kein großes Interesse mehr an dieser konkreten Verbindung.“ Und so wurde an dem Tunnel nicht weiter gebaut.
Diese Stadtbahnlinien fahren in Gelsenkirchen
►Die Straßenbahnen in Gelsenkirchen werden hauptsächlich von der Bochum-Gelsenkirchener-Straßenbahnen AG (BOGESTRA) betreut.
►Die Linie U11 verbindet die Haltestellen Horst, Essen Hauptbahnhof und Messe/Gruga miteinander.
► Die Linie 107 fährt zwischen Gelsenkirchen Hauptbahnhof und Essen Hbf.
► Den Hauptbahnhof mit der Essener Straße verbindet die Linie 301.
►Vom Rathaus in Buer fährt die Linie 302 über die Veltins Arena, Wattenscheid, Bochum Hbf bis zum Bahnhof Bochum Langendreer.
Heute liegt der Eingang zum Tunnel hinter einem Tor verschlossen. Der etwa 400 Meter lange Abschnitt werde nur zu Wartungsarbeiten betreten und liege sonst still, sagt Schulmann. (ebu)
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