Gartenserie von Klaus Fischer

Beliebte Zimmerpflanze an Weihnachten: Wie die Amaryllis ihre Blütenpracht entfalten kann

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Die dicken Amarylliszwiebeln werden vorm Einpflanzen geputzt, sprich die trockenen Wurzeln werden abgeschnitten. Dann kommen sie in den nicht zu großen Topf mit einer Drainageschicht, sodass der obere Teil der Zwiebel aus der Blumenerde herausschaut.
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Es wird allerhöchste Zeit, die Amarylliszwiebeln in die Erde zu bringen. Garten-Experte Klaus Fischer hat Tipps, wie die Amaryllis ihre Blütenpracht entfaltet.

Soest - Beim Rundgang über den Pferdemarkt während der Allerheiligenkirmes ist es für mich längst eine angenehme Tradition, beim Blumenzwiebelstand zuzuschlagen. Früher gab es dort mal bis zu fünf Händler, die Tulpen, Narzissen, Krokusse, aber auch Zierlauch und Amaryllis sowie manche exotische Schönheit anboten.

Heutzutage ist nur noch ein Händler übrig geblieben, die anderen haben aus Altersgründen und mangels Nachfolge ihr Geschäft aufgegeben. Bleibt zu hoffen, dass dieser „letzte Ritter der Blumenzwiebeln“ uns noch lange erhalten bleibt.

Die meisten Tulpen muss ich Jahr für Jahr neu setzen, da die hoch gezüchteten exotischen Schönheiten oft nur einmal blühen. Wegen der Wühlmäuse in meinem ländlichen Garten, deren Lieblingsspeise Tulpenzwiebeln sind, bin ich längst dazu über gegangen, diese nur noch in große Kübel zu pflanzen. Narzissen hingegen schmähen die gierigen Nager, und so setze ich Jahr für Jahr weitere in den Boden, sodass inzwischen einige Stellen im Garten zu einer kleinen Narzissenwiese geworden sind, weil sie sich auch fleißig vermehren.

Amaryllis richtig pflegen: Mehrere prächtige Blüten

Diesmal konnte ich an zwei riesigen Amarylliszwiebeln nicht vorbei gehen. Sie sind so groß, dass ich nur eine in der Hand halten kann. Ich habe selber fünf Amarylliszwiebeln, die schon etliche Jahre alt, aber längst nicht so fett sind wie die gekauften aus Holland. Die sind vermutlich mit Dünger gemästet worden, damit sie uns Käufern sofort ins Auge fallen. Angeblich sollen sie, so vor Kraft strotzend, mehrere prächtige Blüten hervorbringen. Man wird es sehen.

Jetzt nach der Kirmes wird es allerhöchste Zeit, sie in die Erde zu bringen in einen passenden Topf fürs Wohnzimmer. Vielleicht gelingt es dann noch, dass sie rechtzeitig zu Weihnachten blühen. Man rechnet vom Pflanzen bis zum Aufgehen der Blüte mit gut vier Wochen.

Amaryllis richtig pflegen: Drainage gegen Staunässe

Amaryllis (Hippeastrum oder Ritterstern) verträgt keine Staunässe. Deswegen füllen wir in den Topf, der nur etwas größer als die Zwiebel ist, zunächst eine Drainageschicht aus Steinchen ein, darauf normale Blumenerde. Der obere Teil der Zwiebel sollte aus dem Boden schauen. Dann gießen wir an und lassen die Zwiebel dunkel und etwa bei 18 Grad stehen, bis die ersten Triebe herausschauen. Dann räumen wir die Amaryllis ins Wohnzimmer, gießen sie am besten von unten über einen Untersetzer und schneiden später den verwelkten Blütenstiel ab. Ab Mai können wir den Topf nach draußen stellen, mäßig gießen und Ende Juli das Wässern einstellen. Anfang September schneiden wir die noch grünen Blätter ab. Die Zwiebel benötigt dann eine mindestens sechswöchige Ruhepause trocken und dunkel, ehe der Kreislauf im November wieder von vorne beginnt.

Momentan zieht ein Baum die Blicke auf sich, der mittlerweile gerne an Wegrändern in der Stadt gepflanzt wird. Es handelt sich um den Ginkgo (Ginkgo biloba). Dieser aus Ostasien stammende Baum wird oft auch als lebendes Fossil bezeichnet, weil er wohl die älteste noch lebende Pflanzenart der Erde ist.

Der Ginkgo gehört weder zu den Nadel- noch zu den Laubbäumen, obwohl wir gerne von seinen Blättern reden, er aber zu den Nacktsamern, das sind die Nadelbäume, gezählt wird. Just diese Blätter sind es, die uns im Herbst mit einer seltenen leuchtend hellgelben Farbe erfreuen, mal abgesehen von der ungewöhnlichen Form der Blätter, die viele Menschen immer wieder begeistert. Manchmal wird er deswegen auch Fächerbaum genannt. Goethe hat deswegen 1815 auch sein Gedicht Ginkgo Biloba geschrieben und damit erheblich dazu beigetragen, dass dieser Baum in Deutschland so bekannt wurde. Die ältesten Exemplare sind Mitte des 18. Jahrhunderts bei uns angepflanzt worden, zunächst in den Parks des Adels, später auch in kommunalen Parks. Angeblich hat Goethe selber in Weimar einen Ginkgo gepflanzt, heute weiß man, dass dieser Baum 1813 vom Hofgärtner Sckell in die Erde gesetzt wurde und heute dort immer noch prächtig gedeiht.

Wie kleine Fächer sehen die Blätter des Ginkgos aus, hier in der leuchtenden gelben Herbstfarbe. Manchmal sind sie auch in der Mitte geschlitzt.

Dass er sich heute großer Beliebtheit als innerstädtischer Straßenbaum erfreut, liegt an seiner ausgesprochen robusten Natur. Es gibt so gut wie keine Schädlinge des Ginkgo, auch Pilze bedrängen ihn nicht, und die Verschmutzung unserer Luft macht ihm ebenfalls kaum etwas aus.

Wer einen Ginkgo in seinen Garten pflanzen will, sollte einen passenden Platz dafür haben. Im Laufe der Zeit wird der Ginkgo bei uns an die 40 Meter hoch und 15 Meter breit, während er in seiner Jugend eher schlank wächst mit steil nach oben ragenden Zweigen. Je älter der Baum wird, desto mehr gehen diese Äste in die Breite. In Ostasien soll es tausendjährige Ginkgos geben.

Selbst bei ganz trübem Wetter leuchten die herbstlich gelben Blätter des Ginkgos weithin, hier eine besondere Zuchtsorte in Pyramidenform.

Der Boden sollte nicht zu feucht und auch nicht zu trocken sein. Der Standort sollte eher sonnig sein. Wer jetzt im Herbst pflanzt, sollte schon mindestens fünf Jahre alte Exemplare in den Boden setzen und einen Frostschutz spendieren. Jüngere Ginkgos pflanzt man besser im Frühling.

Beachten sollte man noch, dass Ginkgos zweihäusig sind, es gibt also weibliche und männliche Pflanzen. Die Früchte der weiblichen Pflanzen sehen aus wie Mirabellen, haben allerdings die Eigenschaft, dass sie, wenn sie überreif zu Boden fallen, eine Weile recht unangenehm riechen.

Schon vor einigen Tagen gab es die erste richtig kalte Nacht. Es sagt uns, dass die Zeit nicht mehr fern ist, dass wir unsere frostempfindlichen Kübelpflanzen hereinholen und ins Winterquartier stellen müssen.

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