Nach Anschlag in München: Jecken in NRW „sollen ganz normal Karneval feiern dürfen“
VonAnnika Ketzler
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Nach dem Anschlag bei einer Kundgebung in München geraten Großveranstaltungen wie Karnevalsumzüge in den Fokus. Wie steht es um die Sicherheit in NRW?
Hamm - Das Entsetzen über den Auto-Anschlag während einer Verdi-Kundgebung in München ist weiterhin groß. Mindestens 30 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Erst wenige Monate zuvor hatte in Magdeburg ein Mann einen SUV in einen Weihnachtsmarkt gesteuert und dabei sechs Menschen getötet und etwa 200 verletzt. Einige Weihnachtsmärkte in Nordrhein-Westfalen reagierten darauf mit überarbeiteten Sicherheitskonzepten. Vor allem mit Blick auf die anstehende Karnevals-Saison, die besonders viele Menschen in die Karnevalshochburgen in NRW zieht, geraten mögliche Sicherheitsbedenken in den Fokus.
Nach Anschlag in München: So sicher sind die Karnevalsumzüge in NRW
Neben der Domstadt Köln, in die es unzählige Jecken zu den Umzügen und Partys an Rosenmontag zieht, gibt es in NRW viele weitere Festzüge. In Münster findet am 3. März in der Innenstadt ein Rosenmontagszug statt. Hierfür hat die Stadt bereits angekündigt, viele Straßen zu sperren. „Damit der Höhepunkt dieser Karnevalssession störungsfrei verlaufen kann, werden die Straßen rund um die Zugstrecke gesperrt. Das mit Polizei, Feuerwehr und dem Ordnungsamt der Stadt Münster abgestimmte Schutzkonzept sieht in diesem Jahr vor, dass auch kleinere Nebenstraßen in der Altstadt durch Sperren gesichert werden“, teilt die Stadt mit.
„Unser Ziel ist, dass die Menschen, die in Münster den Straßenkarneval feiern, dies mit einem Höchstmaß an Sicherheit tun können“, sagt Münsters Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. „Bei den dafür notwendigen Maßnahmen unterstützen wir die Veranstalter, auch in den Stadtteilen, im Rahmen unserer Möglichkeiten.“ Zudem teilt die Stadt auf Nachfrage von wa.de mit, dass das Sicherheitskonzept für den Karnevalsumzug von der Stadt stets in enger Zusammenarbeit mit der Polizei und den weiteren Beteiligten abgestimmt und gegebenenfalls aktualisiert werde. Zu Details der einzelnen Vorkehrungen könne die Stadt jedoch aus Sicherheitsgründen keine Angaben machen.
Nach Anschlag in München: Jecken in NRW „sollen ganz normal Karneval feiern dürfen“
Und auch der Zugkommandant der Karnevalsgesellschaft Münster-Hiltrup, der für den Karnevalsumzug im Stadtteil Hiltrup verantwortlich ist, äußert sich zur Sicherheit auf dem anstehenden Festzug mit Blick auf den Anschlag in München. „Bei der Versammlung (Demonstration) in München handelte es sich nicht um eine Veranstaltung. Für Versammlungen ist kein Sicherheitskonzept vorgeschrieben. Damit ist die traurige Situation in München nicht vergleichbar mit der Planung und Durchführung einer Veranstaltung wie dem Karnevalsumzug Hiltrup“, erklärt Zugkommandant Dennis Bürger auf Nachfrage.
Bürger erklärt zudem, dass das Sicherheitskonzept alle denkbaren, und hoffentlich nie eintretenden Szenarien beinhalte. „Die Besucher sollen ganz normal Karneval feiern dürfen und sich dabei darauf verlassen können, dass im Vorfeld alles Mögliche geplant und getan wurde, damit das auch möglich ist“, schließt Bürger ab.
Auch in Dortmund findet jährlich ein großer Rosenmontagszug für Karnevalsfans statt. Auf Nachfrage zum diesjährigen Sicherheitskonzept teilt die Stadt mit, dass ein enger Austausch mit den Sicherheitsbehörden wie der Polizei und dem Veranstalter stattfinde – so wie auch in den vergangenen Jahren. Dabei habe sich ein jährlich überprüftes und aktualisiertes Zufahrts- und Sperrkonzept zur Absicherung der Zugstrecke bewährt, um „vor der ungehinderten Zufahrt von Fahrzeugen zu schützen“, so die Stadt.
Rosenmontagszüge in NRW: „Sicherheitsmaßnahmen sind sowieso schon hoch“
„Aktuelle Geschehnisse wie die in München am Donnerstag werden bei der regelmäßigen Überprüfung und Aktualisierung des Sicherheitskonzepts natürlich berücksichtigt“, heißt es weiter. So wie auch in Münster werde die Stadt die konkreten Maßnahmen aus einsatztaktischen Gründen nicht weiter erläutern. Dennoch teilt ein Sprecher mit, dass das Ordnungsamt verstärkt vor Ort sei und ergänzendes Ordnerpersonal gestellt werde.
Auch Walter Buchholz, Präsident des Festausschusses Dortmunder Karneval e. V., erklärt, dass man auf das bestehende Sicherheitskonzept setze. „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir da immer gut aufgestellt waren“, teilt er im Gespräch mit wa.de mit. Hunderprozentig absichern könne man sich nie, allerdings sei der Verein gut aufgestellt und habe weiterhin das Ziel, „dass die Menschen ohne Angst zum Rosenmontagszug kommen“.
Zudem äußert sich Pascal Chmielnicki vom Festkomitee Hammer Karneval zu den geplanten Vorkehrungen zum anstehenden Rosenmontagszug in der Hammer Innenstadt. „Die Sicherheitsmaßnahmen sind sowieso schon hoch“, erklärt er im Gespräch mit wa.de. Laut jetzigem Plan liefe alles so wie gehabt. Die Polizei Hamm teilt auf Anfrage mit, dass sie sich Anfang nächster Woche zu dem Sicherheitskonzept äußern will.
NRW Innenministerium äußert sich – abstrakte Gefährdungslage „weiterhin auf hohem Niveau“
Auch eine Sprecherin des Innenministeriums NRW äußert sich zu einer möglichen Gefahrenlage: „Hinweise an die Kreispolizeibehörden zu speziellen Gefahren und damit einhergehende Maßnahmen für die Karnevalsumzüge hat es seitens des Ministerium des Innern nicht gegeben“. Die abstrakte Gefährdungslage für die Bundesrepublik Deutschland und damit auch für das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) bewegt sich, so die Sprecherin, weiterhin „auf einem anhaltend hohen Niveau“.
„Jihadistische Organisationen, allen voran der Islamische Staat (IS) und ihr regionaler Ableger ISPK (Islamischer Staat Provinz Khorasan), verfolgen nach wie vor das Ziel, in westlichen Staaten – und somit auch in Deutschland – Anschläge zu begehen. Symbolträchtige Orte, Menschenansammlungen und öffentliche Veranstaltungen stehen dabei grundsätzlich im Fokus jihadistischer Organisationen“, erklärt die Sprecherin. In diesem Kontext sei den Karnevalsfeierlichkeiten und insbesondere dem Straßenkarneval eine besondere Bedeutung beizumessen.