Armutsbericht 2022

Rekord-Armut in NRW: Ruhrgebiet bleibt trauriger Spitzenreiter

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Die Armut in Deutschland befindet sich laut dem aktuellen Armutsbericht auf einem neuen Höchststand. Besonders betroffen ist nach wie vor das Ruhrgebiet.

Hamm – Corona-Pandemie, Inflation und steigende Energiepreise haben viele Menschen in die Armut gestoßen. Was viele wohl aus dem Bauch heraus bestätigen würden, untermauert der Armutsbericht 2022 des Paritätischen Wohlfahrtverbands nun eindrucksvoll mit Zahlen.

Demnach hat die Armut in Deutschland im zweiten Pandemiejahr einen traurigen Höchststand erreicht – 16,9 Prozent und damit 14,1 Millionen Menschen lebten 2021 in Armut. Das sind 840 000 mehr als vor der Pandemie.

Armut auf dem Höchststand: Die wesentlichen Erkenntnisse des Berichts

Innerhalb von zwei Pandemiejahren ist die Armut von 15,9 auf 16,9 Prozent gestiegen, der Paritätische Wohlfahrtsverband spricht von „rasantem Wachstum“. Rekordstände wurden auch bei Rentnern (18,2 Prozent) sowie Kindern und Jugendlichen (21,3 Prozent) ermittelt.

Mit 19,2 Prozent liegt die Armutsquote in Nordrhein Westfalen über dem Durchschnitt. Es ist der höchste Wert, den der Paritätische Wohlfahrtsverband in NRW jemals gemessen hat.

Wen zählt der Paritätische Wohlfahrtsverband als „arm“?

Der Armutsbericht des Paritätischen bezeichnet jede Person als „arm“, die mit ihrem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Dabei liegt die Annahme zugrunde, dass in unterschiedlich wohlhabenden Gesellschaften Armut sehr unterschiedlich aussehen kann und vor allem durch gesellschaftlichen Ausschluss, mangelnde Teilhabe und nicht erst durch Elend gekennzeichnet ist.

Auch Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin sind besonders stark betroffen. Trauriges Schlusslicht bildet Bremen mit 28,2 Prozent.

Armutsbericht 2022: Ruhrgebiet besonders stark betroffen

Armutspolitische Problemregion Nummer eins bleibt laut dem Bericht das Ruhrgebiet, der mit 5,8 Millionen Einwohnern größte Ballungsraum Deutschlands.

Mehr als jeder Fünfte dort lebt in Armut (1,3 Millionen Menschen). In einem Länderranking würde das Ruhrgebiet mit einer Armutsquote von 22,1 Prozent gerade noch vor Bremen auf dem vorletzten Platz liegen.

Fast genau auf diesem Niveau liegen etwa Dortmund, Bochum, Hagen, Duisburg und Essen.

Armut auf dem Höchststand: Gegenbeispiele in NRW

Doch gibt es auch in Nordrhein-Westfalen Gegenbeispiele, mit 15 Prozent ist die Armutsquote in Münster sogar bundesweit am niedrigsten. Eine Auswahl weiterer NRW-Städte:

  • Aachen: 19,1 Prozent
  • Bielefeld: 17,7 Prozent
  • Bonn: 17 Prozent
  • Düsseldorf: 19,6 Prozent
  • Köln: 18,2 Prozent
  • Paderborn: 19,1 Prozent
  • Siegen: 16,7 Prozent

Armutsbericht 2022: Wohlfahrtsverband appelliert an Bundesregierung

Der Paritätische Wohlfahrtsverband rechnet angesichts der aktuellen Inflation mit einer weiteren Verschärfung der Lage und appelliert an die Bundesregierung, umgehend ein weiteres Entlastungspaket auf den Weg zu bringen.

Dieses soll vor allem bei den fürsorgerischen Maßnahmen ansetzen: Grundsicherung, Wohngeld und BAföG seien „bedarfsgerecht anzuheben und deutlich auszuweiten, um zielgerichtet und wirksam Hilfe für einkommensarme Haushalte zu gewährleisten“.

Besonders aufs Geld schauen müssen in Zeiten von Inflation und steigender Energiepreise wohl Studierende und Auszubildende. Ab dem 15. März können sie bei der Bundesregierung eine 200-Euro-Energiepreispauschale beantragen. Dafür benötigen sie allerdings eine sogenannte BundID, die schon jetzt beantragt werden kann – vor dem großen Ansturm.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene, dpa

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