VonMarvin K. Hoffmannschließen
Die Asiatische Hornisse breitet sich in NRW aus und stellt eine Gefahr für heimische Bienen und andere Insekten dar. Experten geben dennoch Entwarnung.
Hamm – Im Frühling summt und brummt es in jedem Busch, in jedem Strauch, an vielen Blüten sammeln sich possierliche Bienen und sammeln fleißig Nektar. Ein paar dicke Hummeln sind zu sehen, natürlich schwirren auch Wespen umher – und in Nordrhein-Westfalen neuerdings auch Asiatische Hornissen. Das könnte zu Komplikationen führen.
| Name | Asiatische Hornisse (Vespa velutina) |
| Größe | Königin: bis 30 mm / Arbeiterin: bis 24 mm |
| Vorkommen | Heimisch in Südostasien. 2004 erstmals in Europa in der Nähe von Bordeaux festgestellt. Nun auch in NRW. |
| Nistplatz | Hauptsächlich im Freien, in Baumkronen oft in über 10 Metern Höhe |
| Stich | Ähnlich wie bei der Europäischen Hornisse: Das Gift hat keine höhere Toxizität als das der Honigbiene oder anderer Faltenwespen. |
„Die aus Südostasien stammende Vespa velutina beginnt sich nun auch in Europa auszubreiten“, schreibt der NABU. Bereits im Juli 2022 habe es vermehrt Sichtungen gegeben. Seit ihrem Erstauftreten 2004 hat die Art inzwischen weite Teile Frankreichs besiedelt. Auch in Belgien und den Niederlanden, auf der iberischen Halbinsel und in Italien gibt es inzwischen Nachweise. Untersuchungen in Frankreich ergaben eine durchschnittliche jährliche Ausbreitungsgeschwindigkeit von 78 Kilometern.
In NRW gab es den ersten Fund 2020 im Kreis Heinsberg, berichtet 24RHEIN. Kein Wunder also, dass sie auch in diesem Jahr wieder in NRW, wo auch der schwarzblaue Ölkäfer wieder auf dem Vormarsch ist, gesichtet wird.
Asiatische Hornissen in NRW dürfen nicht einfach so getötet werden
Für heimische Arten ist das eine Bedrohung. So einfach bekämpfen darf man die Hornissen aber nicht. Hornissen sind nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders streng geschützt. Die Tiere dürfen nicht gefangen oder getötet und ihre Nester nicht bekämpft werden. Trotzdem greifen sie heimische Arten an.
„Im Frühjahr, wenn viele Schwebfliegen und Wildbienen unterwegs sind, sind diese ihre Hauptnahrung. Im Sommer bedient sie sich dann gern an den starken Bienenvölkern, da Bienen dann in großer Zahl vorhanden sind. Im Herbst sind es eher Fliegen und Wespen, die dann noch zahlreich sind“, erklärt der NABU. Dass sich diese Hornissenart hierzulande nun so ausbreiten kann, ist eine Folge von Globalisierung und Klimawandel.
„Die Asiatische Hornisse wurde vermutlich mit asiatischen Importwaren eingeschleppt“, sagte NABU-Expertin Melanie von Orlow. Im Zuge des Klimawandels würden die Winter milder, sodass auch exotische Arten in Europa stabile Populationen bilden könnten. „Zwar bringt Vespa velutina aller Voraussicht nach keine essenzielle Bedrohung für die europäische Imkerei, die genauen Auswirkungen auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt sind jedoch noch nicht abzusehen“, meint von Orlow. Die Imker in NRW sind trotzdem gewarnt – Hornissen greifen gerne mal die Bienenstöcke an und können ganze Populationen vernichten. Dabei erfüllen gerade sie eine wichtige Rolle.
Insektensterben auch in NRW ein Thema – Imker bereiten sich vor
Pestizide, Klimawandel, Hornissen etc. – die Liste der Gefahren ist lang. Insektensterben ist auch in NRW schon lange ein Problem. „So lange es Imker gibt, wird es auch Honigbienen geben“, sagt aber Norbert Pusch vom Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker im Gespräch mit wa.de. Er selbst kommt aus Iserlohn, steht mit verschiedenen Vereinen und Imkern der Umgebung in Kontakt. Er weiß: Wenn sich die Imker um ihre Bienenvölker kümmern, besteht keine Gefahr. Zu gut sind die Völker dann umsorgt. Das hilft am Ende allen Menschen.
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„Honigbienen leisten einen erheblichen Beitrag für die Umwelt“, erklärt Pusch weiter. Durch die Bestäubung der Honigbienen würden Bauern eine Ertragssteigerung von bis zu 90 Prozent verzeichnen können. „Daran haben natürlich auch Insekten ihre Anteile“, sagt der Imker. Sind die nun aber alle in Gefahr, weil sich die Asiatische Hornisse in NRW ausbreitet? Der NABU gibt Entwarnung.
Zwar hätten Einschleppungen von Tieren häufig negative Folgen für fremde Lebensräume. Regelrechte Killer seien die Hornissen aber nicht. „Die Tiere verhalten sich friedlich und defensiv, reagieren aber empfindlich bei Annäherungen unter zwei Metern an ihr Nest. Die Stiche sind nicht gefährlicher als die einheimischer Wespenarten“, sagt NABU-Expertin von Orlow.
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