Parteien reagieren unterschiedliche

Vandalismus vor Bundestagswahl: Einige Plakate „sogar komplett verschwunden“

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Rohe Gewalt: Ein Großplakat der SPD mit Kanzler Olaf Scholz wurde zerrissen.

Abgerissen, beschmiert, angekokelt: Auch in Hamm gibt es offenbar immer mehr Attacken auf die Wahlplakate vor der Bundestagswahl.

Hamm – Seit gut drei Wochen dürfen die Parteien nun plakatieren, doch längst nicht alle der angebrachten Werbetafeln werden auch zum Wahltag, dem 23. Februar, in ihrer Ursprungsform hängen bleiben. So geht die Hammer SPD inzwischen davon aus, dass bereits mehr als die Hälfte ihrer Wahlplakate und „Wesselmänner“ für den laufenden Wahlkampf beschädigt, beschmiert oder vollständig abgerissen wurden. Die Sozialdemokraten hatten bei der Stadt alleine für die großformatigen „Wesselmänner“ 77 Standorte beantragt.

Plakate anderer Parteien nehmen den Platz ein

„Ein Teil unserer Plakate ist sogar komplett verschwunden“, teilt auch Werner Thies, Kreisgeschäftsführer der CDU, auf WA-Nachfrage mit. Über die Verursacher ließe sich meist nur mutmaßen und nur in Einzelfällen wurden Anzeigen erstattet. Dass an selber Stelle anschließend auch immer wieder Plakate anderer Parteien auftauchten, sei jedoch durchaus auffällig.

Augen zu und durch: Arnd Hilwig geht von Hamm aus für die CDU ins Rennen. Auf einem Plakat wurden seine Augen überklebt.

AfD-Bundestagsdirektkandidat Georg Schroeter spricht gar von einem „systematischen Abriss“, besonders auffällig sei dieser in der Hafenstraße. Schroeter bezeichnet dies als „Wahl-Manipulation“ zulasten seiner Partei. Auch an der Werler Straße und Zum Torksfeld waren mehrfach heruntergerissene AfD-Plakate gesichtet worden. Während die Rechtsaußen-Partei deshalb fleißig nachplakatiert, sieht etwa die SPD aufgrund mangelnder Kapazitäten größtenteils von solchen Maßnahmen ab.

Plakate würden teilweise angezündet

Beschmiert und verunglimpft: Der heimische SPD-Kandidat Michael Thews.

Genaue Zahlen darüber, in welchem Umfang die einzelnen Parteien wirklich betroffen sind, sind schwierig zu ermitteln – die Anzahl der zerstörten Wahlplakate lässt sich nur schätzen. Offiziellen Angaben der Polizei zufolge wurden in Hamm seit dem 18. Januar Beschädigungen an 34 Wahlplakaten registriert und angezeigt. Diese wurden vor allem abgerissen, teilweise sogar angezündet. Plakate der AfD waren demnach besonders oft betroffen.

Ein Großteil der Beschädigungen und Schmierereien wird durch die Parteien allerdings gar nicht erst gemeldet oder zur Anzeige gebracht. Die Dunkelziffer ist entsprechend hoch.

Kunststoffplatten

Für Wahlplakate werden vorwiegend Hohlkammerplatten aus Kunststoff (zum Beispiel Polypropylen) verwendet. Diese sind besonders beliebt, da sie sowohl leicht und gleichzeitig stabil, als auch sehr witterungsbeständig sind. Meist entsprechen diese Plakate der Brandschutzklasse B2 (normal entflammbar). Zur Entzündung reicht ein kurzer Feuerzeugkontakt von wenigen Sekunden nicht aus.

Die Polizei betont, dass in mehreren Fällen Tatverdächtige noch vor Ort angetroffen werden konnten. Bei Sachbeschädigung oder Diebstahl wird in der Regel eine Geldstrafe fällig. Die betroffenen Parteien haben außerdem Anspruch auf Schadensersatz.

(Jakob Tröster)

Die politische Stimmung ist ohnehin aufgeheizt. Nach der umstrittenen Asyl-Abstimmung der CDU in Berlin kochten auch in Hamm die Emotionen hoch.

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