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Vor Kurzem wurde die Baustelle auf der nördlichen Hauptstraße für Leitungsarbeiten eingerichtet. Vorbereitend für die große Sanierung. Doch auch die Rangekreuzung wird in diesem Jahr noch Baustelle. Und das für 700000 Euro mehr als geplant.
Warstein – So mancher mag fast den Überblick verlieren, wann an welcher Stelle wofür im Stadtgebiet gebaggert wird. Denn bevor die nördliche Hauptstraße saniert wird, während es auf der Suttroper Kreisstraße weitergeht, wird auch die Kreuzung Hauptstraße/Rangestraße zur Baustelle. Und das für 700 000 Euro mehr, als anfangs veranschlagt. Das kam im vergangenen Betriebsausschuss auf den Tisch. Von einem „Schluck aus der Pulle“ sprach Ausschussvorsitzender Hans-Martin Weber. Aber es sei wohl ein nötiger Schluck, der sich nicht verhindern lasse. Weder Aufschub noch kleinere Schlücke – um im Bild zu bleiben – wären Alternativen.
Zum Hintergrund: Im Wirtschaftsplan 2024 ist in der Sparte „Abwasser“ die Investitionsmaßnahme „Kanalerneuerung Hauptstraße B 55 nördlicher Teil (Range-Kreuzung)“ gelistet. Anfangs geplante Kostenhöhe: Eine Million Euro. Mit der Maßnahme solle die bauliche und hydraulische Funktionalität des Abwasserkanals sichergestellt werden, heißt es. Dass das nötig ist, war nicht neu. Nicht zuletzt, weil der aktuelle Kanalhauptsammler hydraulisch und baulich sanierungsbedürftig ist und der Kanal undicht ist. Dass es so teuer wird, ist durchaus neu.
Mehrere Gründe für Kostensteigerung
Elf Baufirmen forderten die Ausschreibungsunterlagen an, lediglich zwei Firmen schickten Angebote zurück – beide in ähnlicher Preiskategorie, erklärte Jawad Kayed von den Stadtwerken. Wie kommt es aber nun zur Kostensteigerung? Im Jahr 2027 muss auch in der westlich angrenzenden Straße „Auf’m Bruch“ der Kanal erneuert werden. Bis dahin soll die nördliche Hauptstraße aber bereits fertig sein. Damit in 2027 dann ein Teil der Hauptstraße für jene Maßnahme in der Straße „Auf’m Bruch“ nicht erneut geöffnet werden muss, wird der Einmündungsbereich nun bereits deutlich erweitert – einhergehend mit Mehrkosten.
Die Gesamtkosten steigere auch, dass der nun erforderliche sogenannte Gleitschienen-Verbau inklusive Vakuumpumpanlage für die Grundwasserabsenkung für den Kanalbau in der B 55 bisher nicht vorgesehen war. Zudem wurden aufwendigere Schachtanbindungen notwendig, so Kayed, auch Versorgungsleitungen werden deutlich teurer. Gleichzeitig werden die Kosten für die notwendige Herstellung des Gehweges entlang des „Reisecenters Budeus“ vom Haushalt übernommen: Rund 30 000 Euro. Und ein Faktor sei eben auch, so Kayed, dass die Baufirmen aufgrund der guten Auslastung und der schwierigen Randbedingungen der Baustelle in Warstein „augenscheinlich einen Wagnis-Aufschlag gesetzt“ haben. Und, weil sie vielleicht auch um die zeitliche Brisanz wissen.
Provisorischer Asphalt vor dem Winter
Denn würde die Kanalsanierung verschoben, würde das auch den Ablauf der großen Hauptstraßen-Sanierung gefährden. Die nördliche B 55 wäre dann vermutlich erst in 2027 statt wie aktuell geplant in 2026 fertig. „Der Kanalbau soll vor der B55-Maßnahme stattfinden“, schilderte Dennis Marx von den Stadtwerken. Auch eine Aufhebung der Ausschreibung und eine erneute Ausschreibung zusammen mit dem Straßenbau der B 55 in 2025 hätte wohl keine Vorteile, so der Tenor. Auch Alternativen hinsichtlich der Trassenführung hätten sich als unwirtschaftlich erwiesen. Und eine komplette Umleitung des Abwasserstroms zum Beispiel über das ehemalige Risse-Gelände würde ein weiteres Dükerbauwerk zu den bestehenden erfordern. Das, zusammen mit neuer Leitung, wäre noch teurer als die 1,7 Millionen Euro.
Zwar könnten andere kleinere Maßnahmen verschoben werden, 700 000 Euro werde man damit in diesem Jahr aber nicht mehr einsparen können. Stefan Redder als Kämmerer und erster Beigeordneter: „Suttrop und Co. laufen. Die kleinen Investitionen zu verschieben, rettet uns nicht.“ Der Plan ist nun, mit dem „Schluck aus der Pulle“ in 2024 fertig zu werden und den provisorischen Asphalt „winterfest“ zu bekommen, um 2025 den Straßenbau mit Fahrbahndecke und Gehwegen auszuführen.
Denn nach der nun teureren Kanalsanierung steht nicht nur die nördliche Hauptstraße an – wiederum danach geht es mit den Baustellen am Bahnübergang Franz-Hegemann-Straße und der Bruchsteinmauer an der Kreisstraße weiter. Der Betriebsausschuss votierte einstimmig dafür, dem 700 000 Euro teuren „Schluck aus der Pulle“ zuzustimmen.