- VonKlaus Fischerschließen
In Deutschland gibt es fast 3000 Apfelsorten. Da stellt sich die Frage: Welcher Apfel passt zu mir?
Soest – Äpfel sind grün, gelb oder rot, mal süß, mal sauer, saftig oder auch mehlig – Hauptsache, sie munden uns. Gleichwohl, wenn wir einen Apfelbaum in unseren Garten pflanzen wollen, sollten wir doch einige grundsätzliche Überlegungen mehr anstellen, als nur auf den Geschmack und das Aussehen zu achten.
Über den Platzbedarf und die Größe eines Apfelbaumes haben wir uns in der letzten Folge Gedanken gemacht. Heute soll es um die Sortenwahl geben. Das ist wichtig, denn alleine in Deutschland gibt es fast 3000 verschiedene Apfelsorten.
Aus dem Lebensmittelhandel kennen die meisten zwischen zehn und zwanzig Apfelsorten. Mit 15 Sorten, die der deutsche Lebensmittelhandel anbietet und die wir überall finden, haben wir weit über 90 Prozent des Angebots abgedeckt.
Diese Apfelsorten sind immer zu finden
Immer anzutreffen sind Golden Delicious und Red Delicious, Elstar, Gala, Jonagold, Braeburn, Granny Smith, Pink Lady (nicht überall) und manchmal Boskoop und Cox Orange. Dass es immer die gleichen Sorten sind, liegt daran, dass sie die besonderen Eigenschaften haben, die der Handel wünscht und fordert: gutes Aussehen, gute Pflückeigenschaften und Transportfähigkeit, unempfindlich gegen Stöße, lagerfähig, günstiger Preis.
All das bieten diese gängigen Apfelsorten, die aus nur vier Grundtypen im Laufe der Zeit gezüchtet worden sind für den Erwerbsanbau. Diese genetische Verengung macht diese Apfelsorten aber anfällig gegenüber allen erdenklichen Krankheiten, was wiederum einen sehr hohen Pflegeaufwand bedingt.
Wenn wir für unseren Garten eine Apfelsorte aussuchen, müssen wir andere Dinge bedenken, mal abgesehen davon, dass der Apfel uns natürlich besonders gut schmecken sollte. Wofür wollen wir den Apfel nutzen? Möchten wir ihn direkt vom Baum genießen? Wollen wir ihn verarbeiten zu Saft, Gelee und Marmelade, Kompott und Apfelmus? Soll er besonders gut lagerfähig sein, damit wir ihn auch im Winter und im Frühjahr noch genießen können? Dazu kommt noch, dass der Baum so robust und gesund sein sollte, dass wir nicht die chemische Keule schwingen müssen.
Alleskönner gibt es nicht
Eins vorweg: Eine Apfelsorte, die das alles kann, gibt es nicht. Wir müssen Kompromisse finden. Als erstes geht es um die Frage des Erntezeitpunkts: Grob werden die Apfelsorten eingeteilt in Sommer-, Herbst- und Winteräpfel.
Sommeräpfel haben ihre Haupternte im August. Sie sind je nach Sorte mehr oder weniger süß, saftig, knackig, lassen sich zu Apfelmus und -kompott verarbeiten. Man kann sie direkt vom Baum verzehren – aber nicht lange lagern. Ein Klarapfel schmeckt frisch gepflückt super, aber nach zwei Wochen sind Aroma und Saft flöten, und er Apfel ist nur noch mehlig.
Gute Sommeräpfel sind: Klarapfel, Gravensteiner, dieser mit einem der besten Apfelaromen, James Grieve, Retina, Julka und Piros. Herbstäpfel werden die Sorten genannt, die ihre Haupternte im September und Oktober haben. Meistens müssen sie nach der Ernte noch etwas liegen, bis sie ihr volles Aroma entwickelt haben. Herbstäpfel sind in der Regel bis zum Ende des Jahres lagerfähig. Herbstäpfel lassen sich auf alle erdenkliche Arten verwerten. Zu dieser Gruppe gehören die meisten Apfelsorten.
Winteräpfel sind am längsten lagerfähig
Winteräpfel haben ihre Haupteernte im November bis in den Dezember hinein. Sie sind am längsten lagerfähig, bei guten Bedinungen sind sie bis Mai/Juni essbar. Gute Bedingungen heißt kühl (knapp über null Grad), dunkel und trocken. Gute langlagerfähige Winteräpfel sind beispielsweise Boskoop, Winterglockenapfel, Ontario, Pinova, Riesenboiken, Gloster, Topaz, um nur einige zu nennen.
Am besten lässt man sich in der Baumschule beraten, welche Sorten für den eigenen Garten geeignet sind. Wer nur Platz für einen Baum hat, sollte über einen „Dreifachbaum“ nachdenken. Dieser trägt drei Edelsorten, auf Wunsch von jeder Gruppe eine Sorte. Und man muss sich auch danach erkundigen, ob die Sorte einen Fremdbestäuber benötigt, um Äpfel zu tragen. Das könnte beispielsweise ein kleiner Zierapfel sein, wenn in der Nachbarschaft kein zweiter Apfelbaum steht.
