Rinsche-Geschäftslokal an Werler Straße

Methadon und Skepsis: Aus Elektro-Handel soll Praxis für Suchtpatienten werden

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Ehemaliger Elektro-Fachmarkt: Das Gebäude an der Werler Straße soll verkauft und Standort für eine Praxis werden.
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Der Elektrofachhandel Rinsche ist seit rund einem Jahr Geschichte. Der Leerstand an der Werler Straße soll bald ein Ende haben. Eine Praxis für Suchtpatienten ist geplant. Anwohner sind skeptisch.

Hamm – In dem Gebäude des ehemaligen Elektro-Fachhandels Rinsche an der Werler Straße soll eine Praxis für Substitutionsmedizin entstehen. Menschen, die in erster Linie heroinabhängig sind, sollen dort künftig Ersatzpräparate erhalten, aber auch Menschen mit anderen Problemen wie zum Beispiel Alkoholabhängigkeit sollen Hilfe finden.

Die Pläne für den Kauf der Immobilie und den Umbau sind weit vorangeschritten. Das Vorhaben geht jetzt in die entscheidende Phase. Betreiber der neuen Substitutionsambulanz wird Dr. Andreas Adrian sein.

Die Unterschrift beim Notar ist noch nicht erfolgt. Laut Adrian sind weitere Sondergenehmigungen durch die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung sowie die Abstimmung von Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Baurechtliche Hindernisse bestünden nicht. Lediglich eine Nutzungsänderung müsse gegebenenfalls unter Erfüllung von Auflagen per einfachem Bauantrag erwirkt werden..

Praxis für Substitutionsmedizin an der Werler Straße: Bis zu etwa 600 Patienten in Hamm

Derzeit betreut Adrian nach eigenen Angaben rund 160 Suchtpatienten in seiner Praxis an der Ostenallee. Adrian, der ursprünglich aus der Chirurgie kommt, ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Arbeitsmedizin und hat seit 2008 eine Zulassung als Substitutionsarzt. Adrians Praxis ist eine von fünf in Hamm, die Menschen mit Heroinabhängigkeit substituieren. Patienten erhalten dort individuell abgestimmt ein Ersatzpräparat. Eine Hausarztpraxis will Adrian an der Werler Straße nicht führen.

Nach Schätzungen Adrians befinden sich in Hamm etwa 500 bis 600 Patienten zur Substitution in ärztlicher Behandlung. 300 bis 400 versorgten sich auf dem Schwarzmarkt mit Präparaten. Substituiert wird ausschließlich Heroin, für Drogen wie Crack gibt es keinen medizinischen Ersatzstoff.

Praxis für Substitutionsmedizin an der Werler Straße: „Handlungsbedarf“

Gemeinsam mit der Stadt gehe er davon aus, so Adrian, dass mit dem altersbedingten Ausscheiden von gleich mehreren Kollegen in anderen Praxen Handlungsbedarf entsteht. Die Stadt habe seine Überlegung, eine Alternative für die Substituierten zu schaffen, deshalb sehr positiv aufgenommen Er habe mehrere Immobilien und unbebaute Grundstücke in Hamm bewertet, so der Mediziner. Das Rinsche-Gebäude biete die besten Voraussetzungen um den Patienten gerecht zu werden und das Umfeld nicht zu belasten.

Für Anlieger und Interessierte will Adrian eine Informationsveranstaltung anbieten. „Ich stehe Interessierten gerne Rede und Antwort und erkläre das Vorhaben sowie Hintergründe und Abläufe der Behandlung“, sagt er. Zudem sei eine Kooperation mit der Suchtberatung des Arbeitskreises für Jugendhilfe angestrebt, ebenso eine psychologische Betreuung von Patienten und gegebenenfalls Angehörigen.

Praxis für Substitutionsmedizin an der Werler Straße: Ängste in der Nachbarschaft

Interessierte – und Kritiker – wird es sicher geben. In der Nachbarschaft an der Werler Straße macht das Vorhaben unter Geschäftsleuten und Anwohnern die Runde. Entsteht ein neuer Treffpunkt im Umfeld? Wird gedealt? Sind Kinder von den umliegenden Schulen sicher? Mindert sich der Wert eines Ladenlokals im Umfeld? Das sind nur einige Fragen, die ein Anlieger im Gespräch mit unserer Zeitung formulierte. Auch in sozialen Medien haben sich Bürger in den vergangenen Tagen mit diversen Beiträgen „Luft gemacht“ und das Vorhaben ohne Detailkenntnis mehr oder weniger sachlich kritisiert.

Adrian will künftigen Nachbarn Ängste nehmen: Die Patienten seien nach außen abgeschirmt, auch für sie sei öffentliche Präsenz sehr unschön. Diese Abschirmung gäbe der neue Standort her. 60 bis 70 Prozent gingen im Übrigen ganz normal arbeiten. Im Haus sowie im Umfeld werde es einen Sicherheitsdienst geben. Besondere Vorkommnisse seien seiner Erfahrung nach „super selten“. Adrian möchte nach dem Kauf im Sommer mit den Umbauarbeiten beginnen und noch vor dem Winter mit der Versorgung in Betrieb gehen.

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