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Mit Expert Rinsche verabschiedet sich das nächste Traditionsgeschäft aus Hamm. Der Elektrofachmarkt an der Werler Straße schließt Ende März.
Hamm - Ein kleines „i. L.“ ist der Expert Rinsche GmbH seit Jahresbeginn angehängt. Ausgeschrieben heißt das Kürzel „in Liquidation“ und bedeutet das Ende einer ehemals großen Firma mit langer Tradition.
„Spätestens am 31. März ist Schicht“, sagt Ulrich Kisling, Geschäftsführer des Elektrofachmarktes an der Werler Straße. Ab Mitte Januar startet der Abverkauf. „Ich hätte nichts dagegen, wenn vorher schon alles raus ist. Wir müssen den Laden ja besenrein übergeben.“ Für die Kunden, die jetzt zuschlagen, bestünde kein Risiko. „Es war ja schon so, dass für die Siemens-Waschmaschine direkt Siemens rausgefahren kommt. Und dann haben wir ja weiter den Kundendienst Krüger.“
Suche nach Nachfolger bisher ohne Ergebnis
Der 64-Jährige ist bereits seit Mai in Rente. „Eigentlich hatte ich es mir auch anders vorgestellt, wollte halbtags weiterarbeiten“, erzählt Kisling. „Jetzt beschäftige ich mich den halben Tag mit der GmbH.“ Der Gesetzgeber schreibe bei der Geschäftsform GmbH einen Liquidationszeitraum von einem Jahr vor. Der beginne mit dem neuen Jahr. „Wir machen nicht das ganze Jahr weiter, am 31. März ist spätestens Schluss. Aber die GmbH ist quasi noch 12 Monate existent.“
Die Suche nach einem Nachfolger verlief ergebnislos. „Corona hat im Einzelhandel viel geändert, hat ihn ausgedünnt“, erklärt er. „Wenn jemand heutzutage zur Bank geht, einen Laden in dieser Randlage übernehmen will, um einen Kredit bittet, geht der Bänker doch erstmal ´ne halbe Stunde in den Keller und lacht sich schlapp.“
Auf Kooperationspartner und Marketingdienstleister Expert sei er zugegangen. „Die kaufen inzwischen tatsächlich Märkte auf, wollen die mittelfristig an Einzelhändler weiterreichen“, erzählt Kisling. Der Haken: Wie alle Großen aus der Branche würden sie aber leere Hallen, ohne Träger die mitten im Verkaufsraum stehen, bevorzugen. „Nicht diese gewachsenen Strukturen wie bei uns.“
Auch Werkstatt schließt - Kunden werden weiter betreut
Er sei gesundheitlich angeschlagen, wollte raus aus der Verantwortung für das Unternehmen und sein Personal. „Ich merke, dass ich nicht mehr so leistungsfähig bin wie früher“, gibt Kisling zu. Vier Mitarbeiter sind noch dabei. Gabriele Julke wird in diesem Jahr in Rente gehen. Rinsches Hausgeräte-Spezialist Ralf Berentzen werde er sicher vermitteln. „Er muss ja noch ein bisschen“, sagt der Geschäftsführer.
Joachim Krüger, der die angeschlossene Werkstatt als Geschäftsführer eigenständig betreibt, wird den Standort an der Werler Straße ebenfalls verlassen, aber von zuhause weiterarbeiten. „Also kann unser Kundenstamm weiter auf ihn und sein Knowhow bauen“, sagt Kisling, „er repariert auch Flachbildschirme, wo es doch heißt, das ginge nicht.“
Das habe Rinsche wie auch die kleinen Läden der Branche ausgezeichnet, der allumfassende Service von der Beratung, dem Kauf und der Installation, ob des Fernsehers oder der Waschmaschine. „Wir hatten schon eine spezielle Kundschaft, die darauf Wert gelegt hat“, blickt der heutige Geschäftsführer auf satte 50 Jahre im Unternehmen zurück.
Expert Rinsche schließt: Zukunft des Ladens ungewiss
Angefangen hat er 1972 für die damalige Rinsche KG mit Hauptsitz an der Küferstraße. „Im kleinen, so 200 Quadratmeter großem Laden an der Werler Straße hatten wir anfangs Lampen und Schallplatten sowie eine zweite Werkstatt.“ Kisling war schon in der KG Abteilungsleiter, führte kommissarisch beide Werkstätten und übernahm nach der Auflösung der KG im September 1997 die Geschäftsführung der GmbH.
„In den letzten 50 Jahren hat sich viel geändert“, erinnert sich der Hammer an die Trends zum Energiesparen bei Hausgeräten in den letzten 25 Jahren oder die Digitalisierung aller Elektrogeräte bis heute.
Was mit dem zu erwartenden Leerstand passieren wird, weiß Kisling nicht. Die Immobilie gehört Ursula Rinsche. „Sie weiß momentan auch nicht, was damit passieren wird“, so der scheidende Geschäftsführer. Er selbst habe auch noch keine konkreten Pläne der Freizeitgestaltung. „Ich werde aber sicherlich nicht den Tag vor dem Fernseher verbringen.“
Weitere Hammer Traditionsgeschäfte geschlossen
Rinsche ist nicht das einzige Traditionsgeschäft, dass das Ende von 2023 nicht mehr erleben wird. Erst vor ein paar Wochen hatte Petra Caldewey angekündigt, dass sie ihr Modegeschäft auf dem Daberg schließen wird. Die Landfleischerei Engel in Rhynern hat nach 140-jährigem Bestehen am Silvestertag zum letzten Mal geöffnet. Und auch das Stunikenhaus ist seit Ende Dezember geschlossen.

