Kreis Siegen-Wittgenstein

Makaberer Bauern-Protest: Die Ampel hängt am Galgen – „Muss sich einfach etwas ändern“

+
Die Ampel hängt am Galgen.
  • schließen

Im Kreis Siegen-Wittgenstein hängt eine Ampel am Galgen. Ein makaberes Zeichen des Protests. Es soll zum Nachdenken anregen, erklärt ein Bauer.

Hilchenbach - Die Sparpläne der Ampelregierung sorgen in der Bauernschaft und Transport-Branche aktuell für eine sehr aufgeheizte Stimmung. Am Montag, 8. Januar, sind in Nordrhein-Westfalen in vielen Regionen Protest-Fahrten mit Treckern geplant, wie sie zuletzt häufiger durchgeführt wurden. Meist hingen dabei an den Schleppern und Lastwagen Plakate mit eindeutigen Parolen. An einem Abschleppwagen hing an dem Kran auch eine Ampel. Eine solche Symbolik, zwar ohne Abschleppwagen, dafür aber mit einem Galgen aus Holz, hängt aktuell an der Vormwalder Straße in Hilchenbach-Vormwald im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Makaberer Bauern-Protest in NRW: Die Ampel hängt am Galgen

Zahlreiche Autofahrer haben den makaberen Protest bereits am Samstagvormittag, 6. Januar, gesehen. Die Autos wurden langsamer und von den Beifahrersitzen aus wurden Fotos gemacht. „Mit der Aktion wollen wir symbolisch zeigen, dass wir der Ampelregierung den Stecker ziehen wollen. Von Gewaltaufrufen jeglicher Art, wie sie verstanden werden könnten, möchten wir uns distanzieren“, erklärt Kevin Kunze gegenüber wa.de am Samstagmittag.

Zu diesem Zeitpunkt ist er zwar noch im Urlaub, doch die Fragen, warum seine Freunde und Kollegen diesen Galgen dort aufgestellt haben, beantwortet er gerne. „Was die Ampelregierung seit einiger Zeit macht, ist einfach nicht mehr zu akzeptieren. Irgendwann muss auch mal Schluss sein“, so der 25-Jährige. Er hat in dem kleinen Ortsteil selbst Hühner, bietet seine Waren in einem eigenen Hofladen an und kennt die Sparpläne der Ampelregierung.

Auch wenn sie ihn als Nebenerwerbslandwirt nicht so stark treffen, wie einen Betrieb, der voll und ganz von den Erzeugnissen leben muss, haben er und seine Freunde kein Verständnis. „Auch wenn die Pläne zur Abschaffung der Agrardiesel-Subventionen erstmal vom Tisch sind, bzw. über mehrere Jahre verändert worden sind, sind die ganzen Forderungen und Vorgaben der überwiegend grünen Politik einfach zu viel“, erklärt Kunze.

Ampel hängt am Galgen – „Es muss sich einfach etwas ändern“

Wie bereits mehrere Landwirte in den vergangenen Tagen in Gesprächen erklärt haben, gehe es ihnen nicht alleine um die Änderung beim Agar-Diesel. „Wir sollen hier in Deutschland Vorgaben einhalten, die in anderen Ländern nicht der Fall sind. Dadurch entstehen den Landwirten stellenweise enormen Kosten, die sie wiederum aber nicht auf die Preise aufschlagen können. Wir werden nicht mehr wettbewerbsfähig in Deutschland und aus anderen Ländern bekommen wir Produkte, die beispielsweise mit Pflanzenschutzmittel behandelt wurden, die wir in Deutschland nicht nehmen dürfen und wollen“, so der 25-Jährige.

Mit dem Galgen, an dem er und seine Freunde eine alte Verkehrsampel mit einem Galgenknoten befestigt haben, wollen sie zum Nachdenken anregen. Und ihrem Ärger friedlich Luft machen. „Den Landwirten oder auch anderen Berufsgruppen werden immer mehr Steine in den Weg gelegt. Von Menschen, die von den unterschiedlichen Berufssparten keine Ahnung haben. Und genau das muss aufhören. Es muss sich einfach etwas ändern. Die Landwirte müssen einfach mehr gehört werden. Wenn nach und nach die Bauernhöfe dicht machen oder auch Metzgereien und andere Handwerksbetriebe schließen, sind das auch Folgen einer verkehrten Politik“, meint Kevin Kunze. Er hofft, dass die Politiker in Berlin endlich mal aufwachen und sich mehr für das eigene Volk einsetzen. „Den deutschen Landwirten sollen die Subventionen gestrichen werden und stattdessen finanzieren wir in anderen Ländern die verschiedensten Dinge. Das kann es nicht sein“, so Kunze.

Makaberer Bauern-Protest: Polizei schickt Fotos zum Staatsschutz

Polizeisprecher Stefan Pusch erklärt im Gespräch mit wa.de, dass sich die Polizei nach Bekanntwerden der Aktion den Galgen in Vormwald angeschaut habe. Es seien Fotos angefertigt worden, die zusammen mit einem Bericht an den Staatsschutz geschickt werden. „Am Ende muss die Staatsanwaltschaft prüfen, ob mögliche strafrechtliche Handlungen vorlegen. Besonders in der aktuellen Lage seien solche Dinge immer ganz genau zu erklären“, so Pusch.

Die Ampel von dem Galgen abgehängt, wie es bei ähnlich gelagerten Fällen in anderen Städten und Kreisen getan worden war, wurde in Hilchenbach aber nicht. In den sozialen Netzwerken wie Facebook wurde die Aktion mit unterschiedlichen Sichtweisen kommentiert. Dabei zeigen einige Verständnis für die betroffenen Landwirte. Andere sind aber auch der Meinung auch, dass solch eine Symbolik zu Gewalt aufrufe. „Wir wollen in keinster Weise zu Gewalt aufrufen. Wir wollen ein Zeichen setzen und zeigen, dass es so nicht weitergehen kann. Im Endeffekt treffen die Preissteigerungen, die durch die Pläne der Ampelregierung geschaffen werden, doch am Ende die kleinen Bürger. Also eigentlich uns alle“, so Kevin Kunze. 

Kommentare