VonAnnika Wilkschließen
Bergkamener Fahrschulen erklären, warum der Führerschein so teuer ist. Dabei geht es nicht nur um steigenden Kosten, sondern auch um die Schüler.
Bergkamen – Was manchen Autofahren als Beleidigung an den Kopf geworden wird, wünschen sich sicher einige Fahrschüler angesichts der Preise: „Hast du deinen Führerschein im Lotto gewonnen?“ Mitnichten. Bis zu 4500 Euro zahlen laut ADAC manche für den Schein.
Fahrschulkosten gerechtfertigt? Bergkamener Fahrschüler berichten
So viel musste Luna Bruns nicht blechen. Seit Juli 2023 darf sie mit ihrem weißen Flitzer fahren. Die 18-Jährige hat den Führerschein bei der Fahrschule Tamme in Overberge gemacht. Bezahlt hat sie knapp 2500 Euro – obwohl sie einmal durch die Fahrprüfung gefallen ist. „Ich finde den Preis für meinen Führerschein gerechtfertigt“, sagt Bruns. „Die Fahrlehrer waren nett, ich hatte eine super Lernapp und hab auch schon neben der Theorie Fahrstunden nehmen können.“
Alexander Höll hat im März seine Fahrprüfung mit der Fahrschule Knuf bestanden. Der 17-Jährige hat mehr als 2500 Euro gezahlt, wie er angibt. Den genauen Preis möchte er nicht nennen, dennoch findet er ihn in Ordnung. „Die Ausbildung ist entsprechend gut. Die Leute sind mit Herz dabei und wollen, dass man durchkommt“, so Höll.
Führerschein wird teurer: Eltern legen früh Sparbuch an
Die beiden Bergkamener wussten vorher, dass der Führerschein eine große Investition sein wird. „Meine Eltern haben nach meiner Geburt ein Sparbuch angelegt, auf dem sie jeden Monat etwas für den Führerschein zurückgelegt haben“, erzählt Bruns. Ähnlich war es bei Höll. „Es gibt aber auch Familien, die aufs Geld achten müssen und deshalb nicht die beste Fahrschule wählen können“, sagt er. Bruns kennt das Gegenteil: „Ich hab Horrorstorys von Freunden gehört, die über 5000 Euro für den Führerschein bezahlen.“
Beispielhaft bei der Fahrschulen Kepp in Bergkamen nachgefragt, sieht Marcel Mannke, Fahrschulleiter bei Kepp solche Preise als zu hoch an. „Um die 3000 Euro sind ein Normalpreis“, sagt Mannke.
Alles wird teurer: Fahrschulen kämpfen mit steigenden Kosten
Trotzdem sind die Preise gestiegen. Beide Fahrlehrer geben betriebswirtschaftliche Gründe an. „Da geht es um die Autos selbst, um Versicherungen, Wartungen, aber auch Personal und Mieten“, erklärt Mannke. Es gäbe keine andere Möglichkeit, als die Kosten auch an die Schüler weiterzugeben. „Wenn wir jetzt die Preise aus der Zeit vor Corona hätten, könnten wir die Fahrschule nach zwei Monaten dichtmachen.“
So sieht das auch Jürgen Knuf, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule. Wegen der Assistenzsysteme seien Autos teurer geworden. Diese Hilfen müssten aber als Teil der Fahrstunden erlernt werden, da sie in der Prüfung genutzt werden dürfen. „Die Fahrprüfung ist anspruchsvoller geworden“, so Knuf. „Damit der Prüfer vor Fahrtantritt Technikfragen stellen kann und danach Zeit für ein kurzes Feedback ist, wurde die Prüfungszeit um zehn Minuten verlängert.“ Die Prüfung dauert seit Anfang 2021 nun 55, statt 45 Minuten.
Teurer Führerschein: Größter Kostenpunkt bei durchgefallenen Prüfungen
Einen Punkt, den die Fahrlehrer gleichfalls beobachten: Die Schüler sind nicht mehr so belastbar. „Die Nervosität in den Prüfungssituationen ist deutlich gestiegen“, sagt Mannke. Er findet aber, dass die Prüfung durch die Assistenzsysteme eher leichter geworden ist.
So sieht die Führerschein-Rechnung aus
Fahrschulen legen ihre Gebühren selbst fest. Der Grundbetrag liegt laut ADAC zwischen 350 und 565 Euro. Darin sind die Anmeldung für die Fahrschule und der Theorieunterricht enthalten: zwölf Doppelstunden à 90 Minuten für das Grundwissen, plus zwei für den Zusatzstoff. Lernmaterial wie Bücher, digitales Material und Zugänge für Apps kosten bis zu 120 Euro.
Fahrstunden dauern 45 Minuten. Gesetzlich vorgeschrieben sind zwölf Sonderfahrstunden. Sie kosten 60 bis 95 Euro und werden meist dann durchgeführt, wenn der Schüler in den sogenannten Übungsfahrten sicher fährt. Sie verursachen die meisten Kosten, da die Anzahl solcher Fahrten vom individuellen Lernfortschritt der Schüler abhängt. Sie kosten 55 bis 77 Euro. Meldet die Fahrschule den Schüler zur Vorstellung zur theoretischen Prüfung an, kostet das 60 bis 137 Euro. Bei der praktischen Prüfung liegen die Kosten bei 160 bis 289 Euro.
Doch auch Tüv und Dekra nehmen zusätzlich zur Vorstellung Gebühren. Dabei kommen auf die theoretische Prüfung noch mal 25 und auf die Praktische 160 Euro drauf. Mit zu den Gesamtkosten zählen ebenfalls der Erste-Hilfe-Kursus, der Sehtest, das Passfoto für den Führerschein und den Führerscheinantrag bei der Straßenverkehrsbehörde.
Teuer wird es, wenn man durchfällt, weiß Knuf. Es kämen noch einmal Gebühren für die Vorstellung bei der Prüfstelle und vom Tüv selbst auf den Schüler zu. Eventuell müsse er auch erneut ein paar Fahrstunden nehmen. „Viele zählen die Gebühren vom Tüv bei den Fahrschulkosten dazu. Damit haben wir aber nichts zutun.“ Luna Bruns findet die Tüv-Gebühren nicht gerechtfertigt. „Je nach Prüfer ist das Geldmacherei. Von den vier Leuten, die bei uns im Prüfungsauto saßen, sind drei Leute durchgefallen.“ Sie sei durchgefallen, da sie ein bisschen zu viel Gas gegeben habe. Das Temposchild sei von Blättern verdeckt gewesen. „Das hätte jedem erfahrenen Fahrer auch passieren können.“
Schüler wissen weniger: Fahrlehrer beobachten Trend
Die Fahrlehrer erkennen zudem den Trend, dass die Schüler weniger Vorwissen mitbringen. Zwar sei das keine Voraussetzung für den Schein, aber früher hätten sich die Fahrschüler besser vorbereitet, stellt Knuf fest. „Mal geguckt, was und wie getankt wird oder wie Mama schaltet.“ Heute blickten die Jugendlichen eher aufs Handy, wenn sie irgendwo hingefahren werden. Marcel Mannke belegt diesen Punkt mit Zahlen: „Der Durchschnitt lag vor sech Jahren bei 25 Fahrstunden. Heute ist es normal, dass ein Schüler 30 bis 40 Fahrstunden braucht.“
Beide Fahrlehrer sind derselben Meinung: Der Preis ist vom Schüler abhängig. Um Geld zu sparen, raten sie deshalb, sich schon vor der Fahrschule mit dem Thema zu beschäftigen. „Man kann im Verkehr als Bei- oder Radfahrer aktiver auf die Schilder und die Umgebung achten“, rät Knuf. Fleißig für die Theorieprüfung zu üben helfe gleichfalls. „Und ein Besuch auf dem Verkehrsübungsplatz schadet nicht“, so Mannke.
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