„Lebenswelt der Schüler“

Handys in Schulen: Bergkamen setzt auf Prävention statt Verbot

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Während Experten ein Handy-Verbot an Schulen fordern, setzt Bergkamen auf Prävention. Trotzdem stellen KI und Social-Media-Trends Herausforderungen dar.

Bergkamen – Sie sind im Alltag von Jugendlichen nicht mehr wegzudenken – Smartphones. Doch immer wieder diskutieren Kinder- und Jugendmedizinern darüber, Handys komplett aus den Schulen zu verbannen. „Es wäre eindeutig besser für die Gesundheit, die Konzentrations- und Lernfähigkeit der Kinder und vor allem für deren Sozialisation“, begründet David Martin, Experte für Bildschirmmedien bei der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

„Handys gehören zur Lebenswelt der Schüler“: Schulleiterin spricht sich gegen Handy-Verbot aus

Beispielhaft hat der WA am Städtischen Gymnasium Bergkamen (SGB) und an der Freiherr-vom-Stein-Realschule nachgefragt. Ein komplettes Verbot ist keine Option. „Handys gehören zur Lebenswelt der Schüler“, sagt Mirja Beutel, Leiterin des SGB. „Es ist allerdings wichtig, die Kinder darauf vorzubereiten.“ Ähnlich sieht das auch Alexander Höll, Schülersprecher des SGB: „Wenn man früh genug anfängt, am besten schon in der Grundschule, dann haben die Schüler schon viel Wissen mit auf ihrem Weg.“

Das werde vor allem mit den Medienscouts gemacht. Das sind Schüler aus den höheren Klassen, die nach einer kurzen Ausbildung die jüngeren Stufen über die Sicherheit im Internet auf. Auch berichten die Schulleiterinnen, dass das Thema Medienkompetenz in vielen Unterrichtsstunden behandelt werde.

Psychologin aus Unna schätzt ein: „Legitim, Handy-Nutzung einzuschränken“

Stefanie Lippelt ist Schulpsychologin im Kreis Unna. Sie stimmt der Einschätzung des Experten Martin zu, dass es gesundheitliche Risiken gibt, hält aber ein Verbot für schwierig. „Verbote führen dazu, dass etwas heimlich gemacht wird“, sagt sie und: „Prävention ist wichtig, so früh wie möglich.“ Dazu gehöre aber auch, die Zeit am Handy zu begrenzen. „Es ist legitim, die private Nutzung einzuschränken, weil es den Schülern die Möglichkeit für eine Auszeit von der Mediennutzung gibt – so wie Schule“, sagt die Psychologin.

An beiden Schulen gilt die Regel: „Im Unterricht bleibt das Handy ausgeschaltet in der Tasche“. Doch zu Recherchezwecken darf es auch während der Stunde genutzt werden. Wer es unbefugt nutzt und erwischt wird, muss es nach Schulschluss im Sekretariat abholen. So sieht das auch an den Schulen in Bönen aus.

Problem-Gerät Handy: Trends und KI stellen Schulen vor Herausforderung

Der ständige Begleiter im Alltag sorgt an den Bergkamener Schulen trotzdem immer wieder für Probleme. Wie die Realschulleiterin Julia Lambeck und Gymnasiumleiterin Beutel berichten, sind die Smartphones eher in den Pausen ein Problem. „Handys auf dem Schulhof sind seit längerem eine Herausforderung“, sagt Beutel. „Da kommt auf den entsprechenden Social-Media-Trend an. Auch KI ist ein Thema.“ Ähnlich sieht das Lambeck. „Die Pausen regen dazu an, dass mal ein TikTok-Video gezeigt wird.“ Diesen Verstößen versuchen die Schulen aktiv dem Einsammeln der Endgeräte entgegenzuwirken.

Außerhalb des Unterrichts unterscheiden sich die Handy-Regeln von Schule zu Schule. Häufig betrifft das gerade die Oberstufe. Im Aufenthaltsraum, dem „Grünen Salon“, dürfen die Oberstufenschüler des SGB in den Freistunden ihre Smartphones nutzen. Die Regeln sind in der Schulordnung festgehalten. „Es gibt dafür einen großen Konsens bei den Schülern, Lehrern und Eltern“, sagt Schülersprecher Höll. Jedoch sei man derzeit dabei, die Regelung etwas anzupassen. „Wir würden gern in mehr Räumen die Handys nutzen dürfen und auch die Einführungsklasse mit einbeziehen.“

Grenzfall Tabletts: Fotos oder Arbeitsblatt?

Ein Grenzfall sind die Tabletts im Unterricht mit ähnlichen Funktionen. Die Freiherr-vom-Stein-Realschule und das SGB arbeiten damit. Trotz Regelungen kommt es dabei immer mal wieder zu Verstößen, wie SGB-Schulleiterin Beutel berichtet: „Man muss dann schon genau drauf achten, ob die ein Arbeitsblatt bearbeiten, oder heimlich Fotos machen“, sagt sie.

Es komme vor, dass sich die Schüler die Fotos dann auf ihr Handy schicken. „Aber wenn jemand erwischt wird, gibt es auch direkt Konsequenzen“, so Beutel. Das Foto muss beispielsweise gelöscht werden, in härteren Fällen wird der Fotograf im Rektorzimmer vorstellig.

Rubriklistenbild: © Reinhardt

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