Potenziell tödlich

Jäger warnen: Staupe und Hasenpest im Kreis Unna im Umlauf

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Im Kreis Unna grassieren tödliche Tierkrankheiten. Die Folgen können schwerwiegend sein, wenn sich Menschen oder Haustiere infizieren.

Bergkamen – Und wenn sie noch so mitleiderregend gucken: Finger weg von Wildtieren, die sich sonderbar verhalten, nicht Reißaus nehmen wie üblich oder offensichtlich krank sind. In der Region gehen gerade zwei Tierkrankheiten um, die tödlich enden können. Die Staupe, wenn sie auf Hunde übertragen wird und die Hasenpest, an der auch Menschen sterben, wenn die Diagnose nicht schnell genug erfolgt.

Reinhard Middendorf aus Overberge und Dietrich Wilhelm Buschmann aus Westick mahnen im Namen der Jägerschaft in Bergkamen und Kamen zur Vorsicht beim Spaziergang in Feld und Flur oder unerwartetem Besuch im Garten. „Am Sonntag hatte ich erst einen Anruf“, berichtet Middendorf. „Auf der Terrasse eines Hauses hockte ein Waschbär. Die Bewohnerin hatte sich zunächst über einen großen Maulwurfshügel auf dem Rasen gewundert. Aber der bewegte sich auf einmal.“

Staupe und Hasenpest im Kreis Unna: Jäger warnen vor Infektionen

Die Frau tat das Richtige: Fernhalten von dem Tier und Leute verständigen, die wissen, was zu tun ist. In diesen Fällen eine traurige Pflicht. „Ich muss das Tier dann einfangen und in mein Revier bringen. Da kann ich es dann erlösen.“ 37 Mal musste er seit Oktober im Umfeld seines Reviers schon einen kranken Waschbären töten. Das lässt erahnen, in welchem Umfang die Population in der aktuellen Welle mit dem für manche Arten tödlichen Virus infiziert ist. 113 der äußerlich putzigen Pelztiere haben die Waidmänner in Bergkamen/Kamen laut Statistik im Jagdjahr 2022/23 zur Strecke gebracht, 478 waren es im ganzen Kreis.

Von dem possierlichen Anblick sollte man sich nicht täuschen lassen, mahnen Reinhard Middendorf (links) und Dietrich-Wilhelm Buschmann. Waschbären seien als invasive Art eine Plage, aktuell oft mit der Staupe infiziert. „Meister Lampe“ setzt die auch für Menschen gefährliche Hasenpest zu.

Die Staupe befällt zudem auch Füchse, Eichhörnchen und Marder. Für den sprichwörtlichen „besten Freund des Menschen“ ist der Kontakt mit kranken oder verendeten Tieren tödlich. „Katzen werden krank, überstehen das aber meist“, weiß Middendorf. „Wer mit dem Hund in Feld und Flur unterwegs ist, sollte ihn auf jeden Fall anleinen oder unter Kontrolle halten. Beim Stöbern im Gebüsch kann es schnell zur Ansteckung kommen“, appelliert Buschmann.

Für Menschen und Haustiere können die Krankheiten tödlich enden

Oder aber der Mensch nimmt von dem kranken Tier das Virus auf und trägt es weiter. Eben aus dem fatalen Impuls, einem vermeintlich drolligen Waschbären helfen zu wollen. Da ist ohnehin Vorsicht geboten. Middendorf: „Auch die kranken Tiere fauchen und wollen einen beißen.“ Mit Gummihandschuhen und einer Transportbox bewehrt, nähert er sich den Tieren, die sich meist im Guten dirigieren ließen. Den Wehrigen wirft der Waidmann ein Netz über.

Noch viel größere Vorsicht und Hygiene sind bei kranken oder verendeten Hasen geboten. Die Hasenpest ist eine meldepflichtige Krankheit. Das Virus zersetzt die inneren Organe, befällt Nagerarten, aber eben auch den Menschen. Ohne Behandlung liege die Sterberate bei 30 Prozent, zitierte Buschmann entsprechende Studien. Selbst unter ärztlicher Behandlung überlebten drei bis fünf Prozent den Infekt nicht.

Hasenpest vom Veterinärinstitut bestätigt

Kein Wunder, dass die Jägerschaft aufgeschreckt ist, nachdem auf der Halde Großes Holz ein toter Hase gefunden und der Befall durch ein Veterinärinstitut bestätigt wurde. Da heißt es nicht nur Finger weg, sondern auch Vorsicht in der Küche. Durch Verzehr des Fleisches kann die Pest auch in den Körper gelangen. Selbst bei zunächst eingefrorenen Tieren, so Middendorf. „Richtiges Garen ist da der einzige Schutz.“

Im Fall der Fälle: Was ist zu tun?

Wer ein krankes oder verendetes Tier entdeckt, sollte sich an das Ordnungsamt oder die Polizei wenden, falls er den Revierinhaber nicht kennt. Bei den Behörden ist hinterlegt, welcher Jäger sich in der Örtlichkeit um die Entnahme kümmert.

In der Stadt Hamm und der Umgebung hat sich der Rehbestand in den vergangenen Jahren erholt. Grund dafür ist auch der Einsatz von Drohnen.

Rubriklistenbild: © Kröger

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