Kriminelle

Diebe stehlen Bienenköniginnen: Tausende Tiere sind zum Tode verurteilt

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Drei Bienenköniginnen wurden aus dem Sauerlandpark in Hemer gestohlen. Für die Völker ist das eine Katastrophe. Ein Imker erklärt, warum eine Königin so begehrt ist.

Hemer - Im ersten Moment klingt es eher kurios als tragisch: Die im Sauerlandpark in NRW stehenden Bienenstöcke des Imkervereins Hemer sind Opfer eines Verbrechens geworden. Drei Bienenköniginnen wurden am Wochenende (29./30. Juli) gestohlen. Aufgefallen war das, als ein Vereinsmitglied Anfang der darauffolgenden Woche bemerkte, dass sich die Bienenvölker auffällig verhielten und die Dächer neben den Stöcken lagen. Die Tat hat durchaus harte Folgen für die Tiere. Wenn die betroffenen Bienenvölker nicht schnell eine neue Königin züchten können, sind sie dem Tode geweiht. Aber was möchte jemand überhaupt mit einer Bienenkönigin anfangen? Warum ist sie in bestimmten Kreisen ein begehrtes Ziel? Heiko Timmers vom Imkerverein Hemer erklärt die Hintergründe.

Bienenköniginnen gestohlen: Tausende Tiere zum Tode verurteilt

„Die Königin hat ein Alleinstellungsmerkmal“, erklärt der erste Vorsitzende des Imkervereins. „Sie ist das einzige Tier, das Eier legt und somit für Nachwuchs sorgt.“ Die Königin ist also die Mutter aller Tiere des Volkes. Die anderen weiblichen Tiere können sich nicht fortpflanzen. Ohne Königin kann es also keinen weiteren Nachwuchs geben. Und: Die Königin hat Einfluss auf den Charakter der anderen Bienen und auf die Qualität des Honigs.

„Ein Imker hat natürlich ein bestimmtes Interesse an seinem Hobby“, erläutert Timmers weiter. „Er möchte zum einen viel und guten Honig ernten. Es soll sich ja schließlich lohnen. Und er möchte bei seiner Tätigkeit möglichst wenig Stress haben.“ Um den zweitgenannten Punkt zu gewährleisten, ist es wichtig, ein unaufgeregtes Bienenvolk zu haben. Auch das hängt unmittelbar mit der Königin zusammen, da diese das Verhalten ihrer Zucht prägt.

Zehn Dinge, mit denen Sie Ihren Garten bienenfreundlich gestalten

Es ist eine Biene auf einer Blume zu sehen.
Sträucher und Zierpflanzen sehen zwar schön aus, sie bieten den Bienen allerdings keine Nahrung. Heimische Pflanzen mit einer ungefüllten, weit geöffneten Blüte zählen zu den bienenfreundlichen Pflanzen und sollten daher vermehrt im Garten angepflanzt werden. Im Frühjahr und Sommer bieten sich beispielsweise Blumen wie Krokusse, Schneeglöckchen, Margeriten, Ringel- und Glockenblumen an.  © murxxx/Imago
Es sind verschiedene Kräuter in Töpfen zu sehen.
Wer keinen eigenen Garten hat, kann den Bienen auch mit geeigneten Pflanzen auf dem Balkon oder im Blumenkasten helfen. Zu den bienenfreundlichen Kräutern für Garten und Balkon zählen Minze und Basilikum, auch Thymian und Oregano.  © viennaslide / Imago
Es ist ein Bienenhotel mit Nistplätzen für Bienen zu sehen.
Damit sich die Bienen im eigenen Garten wohlfühlen und bleiben, können Gärtner spezielle Nistplätze für die Insekten anlegen. Ein sogenanntes Insektenhotel schützt die Bienen vor Wettereinflüssen wie Wind und Regen und bietet zugleich einen geeigneten Nistplatz.  © fotowerk/Imago
Ein Junge hält eine Tüte mit Salat in den Händen.
Gartenfreunde sollten auch beim Einkauf darauf achten, nur zu bienenfreundlichen Produkten zu greifen. Beim Anbau von Bio-Lebensmitteln wird auf chemische Pestizide und Dünger verzichtet. Landwirtschaftliche Bio-Betriebe schaffen durch Maßnahmen wie das Anlegen von Brachflächen, Hecken und wechselnden Anbau zudem einen geeigneten Lebensraum für Insekten.  © Cavan Images/Imago
Es ist ein Glas Honig zu sehen.
Obwohl der Kauf von Honig den Bienen nicht direkt hilft, können Verbraucher bei der Wahl des richtigen Honigs die Insekten zumindest teilweise schützen. Bei der Wahl des Honigs sollte daher auf die Herkunft geachtet werden. Bei regionalem Bio-Honig wird auf den Einsatz von chemischen Medikamenten verzichtet.  © JanPietruszka/Imago
Nahaufnahme einer Biene an einer Blüte
Damit die Bienen über das ganze Jahr hinweg ausreichend mit Nahrung versorgt werden, muss es im Garten das ganze Jahr über blühen. Hobbygärtner sollten daher zu Blumen greifen, die von Frühlingsbeginn bis in den späten Herbst hinein gedeihen.  © Mario Aurich/Imago
Es ist ein akribisch gepflegter Garten zu sehen.
Auch wenn viele Menschen einen aufgeräumten Garten lieben, sollten Gartenfreunde den Außenbereich den Bienen zuliebe möglichst wild wachsen lassen. Je naturbelassener der Garten ist, umso mehr profitieren die Insekten davon. Schon eine wilde Ecke, in der Brennnesseln, Löwenzahn, Gänseblümchen und Giersch unkontrolliert wachsen können, kann so zum Insektenparadies werden.  © Konstantin Trubavin/Imago
Jemand pflückt eine Blume auf einer Wiese.
Bienen benötigen keinen perfekt gepflegten Garten. Vielmehr benötigen die Insekten einen bunten Mix an Wildblumen. Neben Sonnenblumen, Kornblumen und Löwenmäulchen versorgen auch Dahlien und Efeu die Bienen mit ausreichend Nahrung. Zu den Pflanzen, die für Bienen keinerlei Nutzen haben, zählen Chrysanthemen, Geranien und Flieder.  © Rachel Annie Bell / Imago
Eine Honigbiene trinkt Wasser.
Auch Bienen benötigen ausreichend Wasser. In vielen Gärten fehlen jedoch ausreichend Wasserquellen für die Insekten. Ist kein natürlicher Teich oder Fluss in der Nähe, können Gartenfreunde den Bienen sogenannte Bienentränken bereitstellen. Dabei handelt es sich um eine einfache Wasserstelle mit flachem Zugang – beispielsweise eine Schale mit Wasser – aus dem die Bienen trinken können. © JohnatAPW/Imago
Ein Feld wird besprüht
Pestizide schützen die Pflanzen zwar vor Schädlingen. Für Honig- und Wildbienen sind die Stoffe allerdings katastrophal. Sie nehmen die schädlichen Pestizide über Nektar und Pollen auf. Gartenfreunde sollten daher unbedingt auf Insektengifte verzichten.  © IMAGO/RIA Novosti

Heiko Timmers nimmt aus diesen Gründen an, dass es der Dieb der Königinnen ebenfalls Imker ist. „Der Diebstahl ist kein Jungen-Streich“, ist der Vereinsvorsitzende sicher. „Da war ein Fachkundiger am Werk.“ Timmers vermutet, dass es der Täter gezielt auf die Bienenköniginnen des Imkervereins abgesehen hatte. Die haben aufgrund des Standortes und der Umstände einen guten Ruf. Der Täter könnte vorhaben, mit den Bienenköniginnen neue Völker zu gründen oder sie an bereits bestehende Völker zu gewöhnen.

„Da war ein Fachkundiger am Werk“: Bienenköniginnen aus Sauerlandpark gestohlen

Und das ohne Rücksicht auf Verluste: Denn ohne Königin sind die betroffenen Bienenvölker im Sauerlandpark quasi verloren. Bemerken die Tiere ihr Verschwinden, wird eine Art Notfallprotokoll aktiviert. Die Bienen versuchen, aus der jüngsten Brut, also den zuletzt gelegten Eiern der Königin, eine neue Königin zu erschaffen. Aber: „Ob das wirklich gelingt, ist alles andere als sicher“, sagt Timmers. Ohne Königin bleibt der Nachwuchs aus, tausende Tiere würden sterben. Aber auch, wenn eine neue Königin erschaffen werden kann, könnte ein Schaden entstehen. Denn eine neue Königin könnte dafür sorgen, dass sich das Verhalten des Bienenvolks und die Qualität des Honigs ändert.

Ob der Diebstahl der Bienenköniginnen ein Zeichen für eine neue Masche von kriminellen Imkern, die sich an den Errungenschaften anderer Imker bereichern wollen, ist, steht nicht fest. „Aber möglich ist das schon“, glaubt Heiko Timmers. Der erste Vorsitzende hat bereits von Vereinen in der Umgebung ähnliche Geschichten gehört. Die Imker in Hemer sind in der Vergangenheit aber bereits Opfer anderer krimineller Tätigkeiten geworden. So sei es bereits vorgekommen, dass ganze Bienenstöcke mit allem drum und dran gestohlen worden waren.

Polizei sucht Bienen-Diebe im Sauerland

Dass die drei entwendeten Bienenköniginnen wiedergefunden werden, hält der Vorsitzende für ausgeschlossen. „Die Chancen sind gleich null“, nimmt Timmers an. Die Polizei in Hemer bittet dennoch um Hinweise. Wer etwas Verdächtiges beobachtet hat, soll sich unter der Telefonnummer 02372/9099-0 melden.

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Rubriklistenbild: © Caroline Seidel / dpa

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