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Für die Erweiterung der Ost-West-Achse in Köln wurde die Tunneloption beschlossen. Dies könnte weitreichende Auswirkungen auf das zentrale Stadtbild haben.
Köln – Es ist nicht nur für die KVB eines der größten Zukunftsprojekte, sondern für ganz Köln: der Ausbau der Ost-West-Achse. Dabei soll die Kapazität der stark überlasteten Stadtbahnen durch die Innenstadt um 50 Prozent erhöht werden. Doch wie genau das geschehen soll, darüber wurde bisher heftig gestritten: mehr Gleise an der Oberfläche oder doch ein ganz neuer U-Bahn-Tunnel? Nach jahrelanger Diskussion wurde nun eine erste Entscheidung gefällt. In seiner Sitzung am 3. April 2025 hat sich der Rat der Stadt Köln klar für die unterirdische Lösung ausgesprochen (49 Ja- und 14 Nein-Stimmen). Der neue U-Bahn-Tunnel würde die Kölner Innenstadt dabei massiv verändern, wie erste Visualisierungen zeigen.
Ost-West-Achse in Köln: Neuer U-Bahn-Tunnel soll nicht von allen KVB-Linien genutzt werden
Mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP, AfD und der Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat sich der Kölner Stadtrat zwar für die Tunnellösung entschieden – aber nicht so wie bisher geplant. Entgegen dem Vorschlag der Stadtverwaltung soll es keine unterirdische Abzweigung für die KVB-Linie 9 geben. Damit wird diese auch in Zukunft oberirdisch fahren und es werden nicht alle Bahngleise verschwinden. Der neue, etwa 2,6 Kilometer lange U-Bahn-Tunnel zwischen Heumarkt und Aachener Weiher soll also nur von der KVB-Linie 1 und der KVB-Linie 7 genutzt werden. In der Folge fallen auch die neu geplanten U-Bahn-Stationen am Neumarkt, Rudolfplatz und Moltkestraße kleiner aus, als ursprünglich angedacht.
Mit dem Ratsbeschluss wurden nun 61 Millionen Euro für die weiteren Planungskosten der Ost-West-Achse freigegeben. Doch diese werden letztlich nur einen Bruchteil der Kosten ausmachen. Insgesamt 1,06 Milliarden Euro sind für den neuen U-Bahn-Tunnel angedacht. Davon sollen aber idealerweise 90 Prozent von Land und Bund übernommen werden.
Bilder zeigen: Kölner Innenstadt könnte sich durch U-Bahn-Tunnel radikal verändern
Durch den Bau eines neuen U-Bahn-Tunnels würde ein Großteil der bisherigen Stadtbahn-Gleise der KVB zwischen Heumarkt und Aachener Weiher verschwinden. Dadurch entstünde als jede Menge neuer Platz in der Kölner Innenstadt, der anderweitig genutzt werden könnte. In den bisherigen Plänen der Stadtverwaltung gibt es auch bereits einige Visualisierungen, die darstellen, wie beispielsweise Heumarkt, Neumarkt oder Rudolfplatz in Zukunft aussehen könnten.
Die Bilder zeigen alle vor allem deutlich mehr Platz zu freien Nutzung für Fußgänger, Cafés oder auch Grünflächen. Teilweise würden aber wohl auch andere Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrer von dem freigewordenen Platz profitieren.
Trotz des Beschlusses der Tunnellösung für die KVB-Bahnen ist aktuell aber de facto noch völlig offen, was genau mit den freigewordenen Flächen zwischen Heumarkt und Aachener Weiher passieren wird. Neben den Ideen der Stadt gibt es auch bereits weitere Vorschläge, zum Beispiel von der CDU-Fraktion im Stadtrat. Somit wird es auch hierfür noch einen längeren Prozess geben.
Neuer U-Bahn-Tunnel für Köln: So geht es jetzt mit der Ost-West-Achse weiter
Doch trotz bereits konkreter Ideen und erster Visualisierungen sowie dem Beschluss ist noch ein langer Weg zu gehen. Der Stadtrat hat nun erstmal die Verwaltung damit beauftragt, die Planungen für den Bau des U-Bahn-Tunnels zwischen Heumarkt und Aachener Weiter weiterzuplanen. Nach der Absprache mit der KVB soll dafür als Erstes ein Gespräch mit potenziellen Geldgebern geführt werden – also dem Land NRW und dem Bund. Bei diesen sollen dann auch massive Fördergelder für das Projekt beantragt werden. Denn ohne das zusätzlich Geld wäre der U-Bahn-Tunnel für die Stadt Köln nicht finanzierbar.
Außerdem soll die Verwaltung der Stadt Köln nun auch einen Architektenwettbewerb für die drei neuen unterirdischen Haltestellen Neumarkt, Rudolfplatz und Moltkestraße starten. Somit kann die Gestaltung der Stationen letztlich noch sehr anders ausfallen, als in den bisherigen Visualisierungen dargestellt.
Aktuell befindet man sich erst in der Vorplanung – also Schritt 2 von 9. Es könnte von daher noch Jahre oder gar Jahrzehnte dauern, bis die erste KVB-Bahn unterirdisch zwischen Heumarkt und Aachener Weiher fährt. Und in Stein gemeißelt ist das ganze, auch trotz Ratsbeschluss, noch nicht. Denn nach Abschluss der Planung muss dann (ein neuer) Rat der Stadt Köln noch über den eigentlichen Bau des U-Bahn-Tunnels abstimmen. Dafür bräuchte es dann erneut eine (neue) Mehrheit. (os)
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