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Hubertus Holtschulte ist eine feste Größe auf dem Hammer Wochenmarkt. Seit 32 Jahren verkauft der Landwirt aus Illingen dort Obst und Gemüse, alles bio. Jetzt ist Schluss damit: Holtschulte wird 65 und gibt den Marktstand auf. Am Samstag steht er dort zum letzten Mal.
Hamm – Wehmütig sei ihm schon zumute, sagt der 64-Jährige am Donnerstag vor seinem Marktstand, am Nordportal der Pauluskirche. Kunden hören, dass er vom Aufhören redet und fragen nochmal nach: „Das kann doch nicht sein – mach doch weiter, wenigstens ein Jahr!“ Doch Holtschultes Entschluss steht fest: Nicht nur wegen der Rente, sondern auch, weil sich der Markt für ihn nicht mehr lohne.
Ein wenig weitermachen wolle er noch, sagt er. Die Biokisten, die er Kunden nach Hause liefert, werde er weiter anbieten, auch die Kindergärten versorge er weiter. Aber mit dem Markt, das sei vorbei. Zwei Mitarbeiterinnen sind betroffen, eine geht in den Ruhestand, die andere hat eine neue Beschäftigung gefunden.
Biobauer seit 1987
1987 hat Holtschulte mit Landwirtschaft angefangen. Den väterlichen Hof in Illingen, einem Dorf im Kreis Soest, knapp außerhalb der Hammer Stadtgrenze, wollte er eigentlich gar nicht übernehmen. Als Kaufmann hatte er sich einen Saathandel aufgebaut, von dem er gut leben konnte. Als sein Vater 75 wurde, nahm er den Hof dann aber doch.
Holtschulte setzte von Anfang an auf biologischen Anbau. „Das war damals keine große Nummer“, sagt er. „Für die meisten waren wir nur Spinner.“ Aber Bio hat sich für ihn gelohnt: Holtschulte baute Kontakte zu anderen Biohöfen auf, erweiterte sein Sortiment durch Warentausch und lieferte bis ins Münsterland, nach Unna und Soest. Eine Mitarbeiterin überzeugte ihn 1991, auf den Hammer Wochenmarkt zu gehen. Dreimal pro Woche waren Holtschulte und seine Leute da, 32 Jahre lang.
Auf dem Hammer Wochenmarkt seit 1991
Angefangen habe man noch auf dem Chattanoogaplatz, erinnert er sich. Mit 94 anderen Beschickern, die Stände standen dicht an dicht. Holtschulte machte den Umzug vom Parkdeck zur Pauluskirche mit, und auch die ungeliebten Verlegungen auf den Santa-Monica-Platz, wenn der historische Marktplatz für Stunikenmarkt, Weihnachtsmarkt oder andere Volksfeste benötigt wurde.
Natürlich, er sei immer gerne auf dem Markt gewesen, sagt Holtschulte. Doch zum Schluss habe es sich immer weniger gelohnt. Die Marktaufteilung in der Corona-Zeit ist für ihn der Knackpunkt: Sein Stand wurde von der Nord- auf die Südseite des Platzes verlegt, stand dort mutterseelenallein und wurde von vielen Kunden übersehen. Ein Sturm vor zwei Wochen beschleunigte Holtschultes Pläne dann: Auf dem Hof sei viel kaputtgegangen, es gebe viel zu reparieren – Schluss mit dem Markt.
Geringes Bio-Angebot in Hamm
Holtschulte hatte in Sachen Bio-Lebensmittel meist alles da. Mit seinem Rückzug wird das Angebot in Hamm ziemlich dünn: Auf dem Markt verkauft nur noch der Münsteraner Bäcker Cibaria Bio-Ware. Die Bioläden „Lebensmittelpunkt“ an der Südstraße und „Grüne Mark“ schlossen bereits 2015. Bleiben die Hofläden Damberg in Westtünnen und Frölich in Berge fürs Bio-Sortiment. Für ihn selbst, sagt Biobauer Holtschulte, sei jetzt Zeit, mal runterzufahren.